Ich schreibe ja eigentlich nur noch, wenn Bier da ist. Die Flasche ist halb leer und es gibt keinen Nachschub. Das ist wie ein Termin als Kassenpatient bei einem Psychologen, der eigentlich nur Privatpatienten nimmt, da gibt es dann nur fünfzehn Minuten, da muss man ganz schnell auf den Punkt kommen, da kann man nicht so rumquatschen. Ich habe das erlebt. So ein Druck ist gar nicht mal schlecht, man besinnt sich einfach auf das Wesentliche.
Ich könnte ausrasten wegen dem was da gerade in der Firma abgeht. Jetzt kann man sie wirklich Saftladen nennen. Ein megafettes neues Produkt mit dem ab März auf den Markt gegangen werden muss, steckt jetzt noch in den Kinderschuhen, den Vertrieblern an der Front hält man von oben Informationen vor und ich schätze, das ganze Ding wird mächtig vor die Wand fahren. Ich gehöre zu denen da vorne an der Front und ich kenne mehr Interna als viele andere. Ich möchte behaupten dass ich das ganze Ausmaß des Dramas abschätzen kann. Es ist schrecklich. Andere Baustellen die ähnlich stark krass sind tun sich als Nebenkriegsschauplätze auf. Ich schwanke noch zwischen Reinhängen und Mithelfen dass das doch noch alles klar geht (würde in den Krieg ziehen bedeuten, wobei meine Siegeschancen recht hoch stehen, da ich mich in der Materie besser auskenne als die, die dafür gerade verantwortlich sind), betriebsbedingt kündigen (nach dem Motto: in diesem Betrieb kann ich nicht mehr arbeiten) oder einfach noch mehr Arbeitszeit mit pinterest zu verbringen und einfach denken: scheiß drauf, Gehalt kommt so oder so pünktlich. Noch dazu niedriges Gehalt. Ich übe mich an der letzten Variante...
Die Pflegefrau reist morgen ab. Ich werde nachmittags zu meinem Elternhaus fahren und versuchen sie gebührend zu verabschieden. Sie ist einfach klasse. So eine finden wir nicht noch mal. Mein Vater hat sie vergrault und heute wurde mir klar, dass er genau deswegen schlecht gelaunt ist, weil er eben weiß dass er Schuld ist dass sie gekündigt hat, das aber nicht zugeben kann. Ein "tut mir leid" wird nie aus seinem Mund kommen. Ich schwanke zwischen dem großen Eklat ("Du bist Schuld dass sie gekündigt hat. Wenn du nicht mehr in der Lage bist Mama hier einen entsprechenden Rahmen zu bieten und das nicht einsehen möchtest, sehe ich mich gezwungen andere Wege zu gehen"...) und einer Haltung nach dem Motto: Liebe mich dann man meisten wenn ich es am wenigsten verdient habe, denn dann habe ich es am nötigsten (ich weiß, er leidet, an seinem Leben). Ich werde mich für Letztere entscheiden müssen, einfach schon in Hinblick auf die letzte Lebensphase meiner Mutter. Wenn man das überhaupt noch Leben nennen kann....es tut weh.......verdammt......
Habe den Lieblingskollegen heute wahrscheinlich schwer verunsichert. Beim zwischen Tür und Angel Telefonat mit einem anderen lieben Kollegen von weiter her kam heraus, dass er und der Lieblingskollege im Apartment im Haus des Chefs nach der Weihnachtsfeier übernachten kann (Lieblingskollege kommt auch von weiter her, Weihnachtsfeier findet in meiner und des Chefs Stadt statt). Als ich später mit dem Lieblingskollegen telefonierte, erzählte er mir von dieser Option, und dass er noch keine Rückmeldung hätte ob das jetzt klar ginge. Doch geht klar, sagte ich, ich hätte diese Info erhalten, hätte aber direkt abgewunken dass das nicht nötig sei weil der Herr Lieblingskollege bei mir übernachten würde. Der Lieblingskollege stockte am Telefon. In echt hatte ich beim Telefonat mit dem lieben Kollegen von weiter her nur ein kurzes "och schade" aus Versehen herausgeworfen und dann aber direkt ein "ja das ist ja klasse dass ihr bei ihm schlafen könnt" angeschlossen. Der liebe Kollege von weiter her ist jedoch schlau und hat das spontane "Schade!" gecheckt, ging aber gentlemanlike darüber hinweg. Jedenfalls denkt der Lieblingskollege jetzt tatsächlich, dass ich laut und offiziell gesagt hätte, dass er bei mir übernachten wird. [Kurz Bier beim Nachbarn organisieren, aber tbc]