Die Therapie am Fuß treibt mir Tränen in die Augen. Laut schreie ich auf, zähle die Sekunden dieser Stunde und leide. Ich erzähle der Physiotherapeutin (eine junge, nette, vermutlich lesbige (!) Frau) dass ich bisher hier immer nur Fangopackungen bekommen hätte und mich immer gefragt hätte, warum die Menschen in den Kabinen nebenan so laut stöhnen würden, jetzt wüsste ich warum. Ich beiße die Zähne zusammen, lasse mir erklären was sie da genau an meinem Fuß macht und liege dabei noch recht attraktiv auf der Liege rum. Ich sehe dass sie mich genau anschaut. Sie ist süß. Vielleicht Mitte zwanzig, wenn überhaupt, kurze dunkle Haare, gestylt. Sie trägt ein T-Shirt und ich sehe ihre muskulösen Arme. Mir schießen Tränen in die Augen. Ja, das kommt von der Fehlstellung, erklärt sie mir, von der Fehlbelastung über drei Monate. Aber ich habe mich schon seit zwei Wochen nach dem Unfall bemüht normal zu gehen und ordentlich abzurollen!, versuche ich mich zu rechtfertigen. Ja, das sei auch gut, antwortet sie, sonst sei es jetzt noch schlimmer. Ich kann mir noch schlimmer nicht vorstellen und stelle den Vergleich zu üblen Zahnschmerzen. Wir schauen uns in die Augen, lachen, ich verziehe wieder vor Schmerzen mein Gesicht, ihr Blick wandert über meinen Körper und mir wird klar: ich bin mittlerweile so durchtrainiert, dass man das sogar durch Bürofummel sieht. Zwangsläufig höre ich die Gespräche in den Nachbarkabinen mit und ich möchte behaupten, dass ich ein guter Termin bin.
In meinem Fuß rumort es. Im Frühling bin ich wieder fit. Bis Frühling ist noch genug Zeit zum Auskurieren. Der nächste Frühling wird meiner. Bis dahin beiße ich noch einmal die Zähne zusammen.