Freitag, 25. Januar 2013
Ich arbeite auf Hochtouren und traue mich kaum zu entspannen. Morgen aber. Erst Büro, dann Eltern besuchen, dann Sport, dann Sauna und dann lange ausschlafen. Sonntag dann einfach geschehen lassen. Noch nichts geplant und das ist gut.

Ohne viel Entspannung zu zulassen rattern in meinem Hinterkopf Nachwehen von dem letzten Termin auf der Couch Anfang der Woche. Nicht schlimm oder so, aber ein Prozess ist angestoßen. Es ging um Zuneigung und Zuspruch. Der Herr Psychologe staunte nicht schlecht als ich von der Situation vor, zu und nach Weihnachten in meinem Elternhaus erzählte. Ich glaube er war fast erstaunt wie cool und souverän ich das alles gemeistert und überlebt habe. Und er wollte weiter bohren, Püppchen aufstellen, was der ideale Partner für meine Mutter gewesen wäre usw aber ich blockte ab, denn ich wusste ich hatte keine Kraft noch tiefer in all diese Gefühle reinzugehen. Er hat es gut gemacht, nur so halb in das Gefühl reingehen, mich verstehend dass ich schon kaum noch noch atmen konnte und einschätzen konnte, dass ich mehr gerade nicht schaffe. Einmal vor Jahren in der Therapie hat er so tief gebohrt, dass ich zusammenbrach und tagelang nicht zur Ruhe kam, er rief mich einen Tag später an weil er im Nachhinein merkte dass das zu viel war. Alles ok. Ich lasse mich gut drauf ein und .-------------ach was ganz anderes, das ist schon ok

Also es ging irgendwie mal wieder darum, dass ich da ein "lack" habe was Zuspruch, Zuneigung, schön-dass-es-dich-gibt, Liebe (?) habe, irgendso ein altes Gefühl aus der Kindheit. Ich wuppe das Erwachsenenleben recht gut, keine Frage, beispielsweise wie ich die Weihnachtssitution gut und auch schön für alle gemeistert habe, das ist es nicht, es ist irgendwas altes, irgendwas tiefes. Und es spielt irgendwie mitrein warum ich keinen Partner habe, warum ich mich alleine halte. Und ich habe mir gedacht: ich kann kein altes, unbefriedigtes Gefühl mit einer Partnerschaft kompensieren.
Seit Anfang der Woche schwirrt das alles nochmal frisch angezapt in meinem Kopf rum und jetzt denke ich mir: wo ist eigentlich das Problem? Ich bin doch auch einfach nur ein Mensch. So wie alle anderen. Ganz normal einfach irgendwas erlebt im Leben, ganz normal einfach geprägt davon. Das ist doch vielleicht auch einfach das, was mich ausmacht.

Vielleicht ist alles einfach ok so wie es ist.



Just ftr: Überstundenwoche und ich muss morgen auch wieder ins Büro. Ich habe den Rechner nichtmals runtergefahren (kein Bock alle Dateien abzuspeichern).



Aus gegebenen Anlass!

Als unser Kater kastriert wurde, war ich Kind. Ich glaube sogar ich war Kindergartenkind. Jedenfalls wurde der Kater kastriert. Mit der Katze (Schwester vom Kater) wurde übrigens erst mal nichts gemacht (erst nach dem ersten Wurf). Also der Kater wurde kastriert, ich lernte dieses schwierige Wort direkt, das wurde genauso in der Familie besprochen. Abends dann lag der Kater komplett in den Seilen. Ich musste den Kater in Ruhe lassen, wurde mir erklärt, der muss sich ausschlafen und ausruhen. Ich lauschte den Gesprächen über diesen Eingriff und diesen schwierigen neuen Worten genau und beobachtete den Kater und meine Eltern, genau genommen meinen Vater, wie er sich um den armen halb-schwarzen Kater kümmerte. Dieses in Extremsituationen um die Katzen kümmern war der Job meines Vaters in meinem Elternhaus. Meine Mutter pflegte - glaube ich - ebenfalls eine enge Bindung zu den Katzen, aber auf einer anderen Ebene. Mehr so eine emotionale Ebene und mehr so Alltagszeugs. Aber Ansprechpartner Nr eins für die Katzen war mein Vater. Er pröttelte auch Weihnachten aus der Gans die schönen Stückchen (Herz oder Leber oder so) für sie raus und richtete es herzhaft für sie an. Ansonsten wurde bei uns btw nicht für die Katzen gekocht oder so.

Mir fällt gerade ein dass ich an dem Umgang mit den Katzen das Gute in meinem Vater am besten beschreiben oder verifizieren kann. Dieser Mann der am Telefon so heftig rumschnauzen kann, dass man sich einen großen, breiten, bösen Mann vorstellt (er ist klein und zierlich), dieser Mann der sofort in Angriffsstellung geht, wenn eine Pflegefrau sagt, dass Olivenöl schlecht ist (sie meint das bzgl eines bestimmtes Gerichts und er ist verletzt weil es sich um sein hochwertiges kretanisches Olivenöl handelt), dieser Mann der Papierkrieg mit Krankenkassen und anderen Ämtern eingeht, immer sofort seinen Rechtsanwalt einschaltet. Der, der beim Kegeln ausrastet, weil alle nur quatschen statt kegeln und dann werden auch noch die Punkte falsch aufgeschrieben! Dieser Mann, der sich immer aufregt. Und was mir so weh tut: niemand sieht dass er eigentlich gut im Herzen ist. Ich unterhielt mich neulich mit meinem Patenonkel über ihn, erzählte was gerade in meinem Elternhaus abginge mit der neuen Pflegefrau (sie telefoniert täglich mit der letzten Pflegefrau...tbc) und wie sich die ganze Situation für ihn anfühlen müsse. Mein Patenonkel ist der jüngste Bruder meines Vaters (mein Vater ist der älteste, dazwischen sind noch weitere Geschwister). Und dann schoss es aus mir raus, dass es mir so weh tut dass alle meinen Vater für schlecht halten und schlecht über ihn reden. Mein Patenonkel war überrascht: wer redet denn schlecht über ihn?? Ich hatte nicht damit gerechnet dass er ihn anders sieht. Ich glaube jetzt sogar er himmelt ihn an, seinen großen Bruder, der so viele Herausforderungen im Leben angenommen hat. Aber dennoch: viele Außenstehende sehen das anders. In so Extremsituationen wie jetzt - man muss sich das mal vor Augen führen: meine Eltern sind Mitte sechzig, da fangen die anderen alle an das lange angearbeitete Geld mit tollen Reisen rauszuhauen, jetzt wo die Kinder auch groß und gesattlet sind - so Extremsituationen wie jetzt, die Frau schwerer Pflegefall, fremde Pflegefrauen, Hausumbau damit Pflege zu Hause möglich ist, in so Situationen halten nur die Menschen zu einem, die einen wirklich lieben, die wirklich Freunde sind. Klar, dass da einige bei aus dem Raster fallen.


Was ich eigentlich sagen wollte: früher gab es noch keine youtubevideos oder so, aber dennoch war es in der Familie ganz deutlich Thema Nr eins, als der Kater kastriert wurde. Einfach ein heftiges Ereignis in einer Katzenfamilie. Ich erinnere mich noch genau......