Donnerstag, 14. Februar 2013
Der Nerd von früher wohnt ja nur eine Straße weiter. Ich habe ihn lange nicht gesehen. Das letzte Mal auf der Beerdigung von dem jungen Mann, das war im November, wenn ich mich richtig erinnere... Ich fahre fast täglich an Nerds Wohnung vorbei. Ich erwische mich jedesmal dabei, wie ich kurz zu dem Haus schaue, schaue welche Lichter bei ihm wo an sind usw. Die Wahrheit ist - und das stelle ich genau jetzt fest - ich denke fast täglich an den Nerd. Nur ein paar Sekunden, aber dennoch täglich.

Heute sah ich ihn. Ich kam von der Arbeit und fuhr an seinem Haus vorbei, alle Lichter aus, fuhr weiter, auf die Ampel an der gr Kreuzung zu und da lief er her, mitten im Schneegestöber, den Blick auf den Boden, das Gesicht in die Jacke gesteckt, wollte die Straße überqueren, sah nicht in Autos rein, schaute nur ob ein Auto kam oder er die Straße überqueren konnte. Er sah mich nicht. Ich sah ihn und er sah aus wie immer. Im ersten Moment freute ich mich dass ich ihn alleine sah - mit einer Perle im Arm wäre ja schlimm gewesen. Nein, er war alleine.

Er nannte mich damals Perle, völlig bewusst. Wir unterhielten uns mal über den Ausdruck Perle und dass dieser Ausdruck doch leiderweise abgedroschen wurde. Männer reden abfällig über ihre Freundin als Perle oder reiche Leute die eine gute Putze haben, nennen diese auch Perle, aber irgendwie abfällig. Wir waren uns einig dass es uns nicht gefiel, dass dieser doch so schöne Gegenstand und auch Ausdruck von oben herab genutzt wird. Und dann nannte er mich Perle; Perle, etwas besonderes, etwas womit man sich schmückt, etwas was man gerne an seiner Seite hat, etwas sehr schönes und sehr besonderes. Die anderen dachten er benütze diesen Ausdruck für mich inflationär wie all die anderen eben genannten aber die anderen wussten nicht über unser Gespräch über dieses. Und überhaupt: wir hatten gute Gespräche. Jahrelang. Erst als Freunde, später als Paar. Die ganze Sache war gut - für mich keine Frage. Als ich Anfang der Woche mit dem Herrn Psychologen dieses ganze Männer-Beziehungs-Thema durchging, kam er auch wieder auf den Nerd. Die Lieblingsfreundin würde jetzt fluchen und mit mir schimpfen wenn sie das lesen würde, dass ich das alles im Nachhinein viel zu gut rede und dass es mir nicht immer gut mit dem Nerd. Nein, ging es mir auch nciht. Aber was davon lag an dem Nerd oder unserer Beziehungen zueinander und was lag einfach an den Lebensumständen die jeder für sich damals hatte? Letzten Endes waren wir jahrelang verbunden. Und die Wahrheit ist: nach dem Nerd kam keiner, der ihm das Wasser reichen konnte und ich kann wirklich zu recht behaupten: da kamen einige.

Nachdem ich ihn also alleine sah, fragte ich mich weiter, warum er genau daher kam so ohne irgendwas im Arm, ohne Tasche, nur so wie er halt ist, mit Jeans und schwarzer Jacke. Und mir wurde klar: entweder kam er von seinen Eltern oder von seinem Bruder (irgendwie unwahrscheinlich mitten in der Woche) oder er kam von der Tanke, Zigaretten holen. Er hatten damals aufgehört zu rauchen nachdem wir nicht mehr zusammenwaren...Und ich denke mir heute abend: er raucht wieder. Er war an der Tanke Kippen holen. Ach was weiß ich. Ich weiß nur: noch ein Schluck Wein mehr und ich schicke ihm eine sms----------------------ah, richtig oder falsch? Weiß wahrscheinlich niemand................ein Glas ist noch in der Flasche.................................tbc?



Da läuft gerade so eine Art turbo-boost durch mein Berufsleben. Plötzlich gehöre ich zu den Top-Five-Mitarbeitern deutschlandweit. Puh, heftig heftig. Ich habe Spaß :-) denn mir läuft das alles so von der Hand. Ich arbeite enorm viel aber ich weiß in jeden Moment genau was ich tue. Das ist so geil. Hehe. Dass der Chef mich heute fragte ob er ausnahmsweise pünktlich Feierabend machen könne, ist nur eine Randerscheinung.

Der Druck hält an. Samstag sind schon Termine geplant und es kann passieren, dass ich selbst Sonntag arbeiten werde. Werde ich natürlich nicht machen. Ich will ja nächste Woche nicht zusammenbrechen. Diese hohe Taktung wird noch bis Mitte März anhalten. Also Kräfte zusammenhalten.

Als ich neulich mit dem Coach über Zykluszeugs sprach und ihm erzählte wie oberstark ich in der Zyklusmitte sei etc, erzählte er mir, dass er schon davon gehört hatte, dass Frauen in ihrem Zyklus gehen und dass auch bewiesen sei, dass Frauen zu Zyklusbeginn enorme Kopfleistungen bringen können. Ich habe das erste mal ein bißchen Angst vor Zyklusmitte, wenn mein Kopf nicht mehr so klar ist wie diese Woche und ich jeden Mann anfallen könnte. Bis zum nächsten hormonbedingten Rumgeheule dauert es jetzt jedenfalls erst mal wieder einige Tage...