Dienstag, 22. Oktober 2013
Ich war heute auf der Couch. Ich war lange nicht dort. Schon lange bin ich nicht mehr oft dort.

Ich fühle mich einsam.

Ich weiß gar nicht wie ich das aufschreiben soll. Und seit langem fließen mal wieder die Tränen.

Irgendwie ist alles gut geworden. Der neue Job macht mich sehr glücklich. Ich bin nach wie vor sehr traurig wegen meiner Mutter weil es einfach weh tut, aber es ist nicht mehr so dass es eine komplette Weltuntergangsstimmung in mir hervorruft, es fühlt sich viel mehr wie eine angemessene Trauer an; und es ist verdammt traurig. Ich habe wieder einen Überblick über meine Finanzen und es sieht gut aus, hier und da ein paar Bausparverträge die bereit sind zum Ausgeben und auch in Zukunft bin ich gut abgesichert. Ich habe keine Schulden. Da ist ein kleines bißchen Bierbauch aber dennoch malen sich dort großartige Muskeln ab und auch so bin ich fit und durchtrainiert. Meine Wohnung ist nach wie vor klasse und gemütlich, noch neulich sagten Freundinnen dass es bei mir immer so gemütlich sei. Freundinnen, da sind wirklich eine Handvoll richtig gute, ich kann kaum sagen welche davon die beste ist, sie sind alle klasse. Mein Vater und ich verstehen uns bestens. Und als ich meine Mutter neulich mit "Mama?" ansprach, sagte sie direkt "ja?". Es ist alles gut von den Faktoren her, die man selbst beeinflussen kann.
(Ich werde auch nicht verfolgt. Der alte Mann mit dem ich immer am We Sport mache, sagte mal, dass alles ok ist solange man zu Essen auf dem Tisch hat und nicht verfolgt wird. Wir leben hier wahrscheinlich in einer solch krassen ersten Welt dass wir gar nicht darauf kommen dass es ein Problem ist, wenn man verfolgt wird. Seine Mutter kam übrigens aus einer jüdischen Familie und nachdem ihre komplette Familie nach Auschwitzt gebracht wurde, heiratete sie die Nazidorfgröße[tbc])

Jedenfalls ist irgendwie alles gut soweit, wie aufgezählt, und noch dazu kann ich mich über mein Aussehen auch nicht beschweren, ich glaube man bezeichnet mich als hübsch. Von außen betrachtet fände ich mich gut und würde mich fragen, warum ich keine Partner habe. Und jetzt flossen gerade die Tränen weil ich überlege, ob irgendwas nicht ok an mir ist und ich deswegen alleine bin. Es fühlt sich an, als wäre ich Außerirdische, als gäbe es für mich deswegen auch nichts Passendes.
Und mir wird immer mehr klar, dass ich deswegen trinke. Samstag Abend zum Beispiel kam ich gegen elf oder so nach Hause. Ich hatte einen super schönen Abend mit zwei alten Schulfreundinnen, die ich zwei/dreimal im Jahr treffe. Wir kennen uns ewig, kommen aus der selben Siedlung, kennen unsere Familien, die kennen sich ebenfalls usw. Beide haben sich sehr sehr für mich wegen dem neuen Job gefreut. Wir haben gut gegessen, ich habe ein paar Bierchen getrunken, es war schön. Ich lief nach Hause obwohl mir beide angeboten hatten mich zu fahren aber ich habe es nicht so weit von der Innenstadt. Die eine sagte noch, dass sie es unglaublich fände, dass man mir die Biere nicht anmerken würde. Und ich lief gerade weg nach Hause. Ich war müde, nach der Woche und dann noch Weiterbildung und dann noch einem zehn km lauf hätte ich so ins Bett fallen können. Aber als ich zu Hause ankam machte ich dann doch noch ein Bier auf. Und dann saß ich hier in der Küche an meinem Platz. Und schrieb hier. Und noch ein Bier. Und ein letztes habe ich am Tag danach dann weggeschüttet - ähnlich wie ein Kettenraucher der eine anzündet, obwohl da noch eine im Aschenbecher liegt. Ich sitze dann hier abends oder vielmehr nachts alleine und könnte so ins Bett fallen und trinke doch noch weiter, wie ungesättigt. Eine Sehnsucht die noch irgendwie - und dann halt mit Bier - erfüllt werden muss.

Oft bin ich optmistisch und mir sicher, dass auch ich (alle Freundinnen bis auf eine sind mittlerweile liiert) noch einen Partner finden werde, und wenn es für Familie gründen zu spät sein wird, werden wir was anderes machen, Hund oder so. Aber manchmal kommen dann doch Zweifel auf. Und jetzt neu: die Angst dass ich hier ewig alleine wohnen werde und jeden morgen zu dem Job fahre. Die Stelle ist im öffentl Dienst und unbefristet.

Mir fehlt niemand wenn es mir schlecht geht, wenn ich zb wegen meiner Mutter trauere. Mir fehlt in erster Linie jemand wenn ich glücklich bin. Glück nicht (mit)teilen zu können, das ist hart. Das macht mich traurig und führt mich zu den Tränen und dem Gedanken, dass an mir was nicht richtig ist.