Montag, 18. November 2013
Küche geputzt. Oder vielmehr die Truhenbank aufgeräumt. Frische Tischdecke rausgesucht, Kissen gewaschen. Ich bin jetzt immer so früh zu Hause, erzähle ich meinem Vater, ich weiß gar nichts mit den langen, einsamen Winterabenden anzufangen. Tränen in den Augen ob meiner Einsamkeit. Ja aber ist doch gut, antwortet er, renoviere deine Wohnung oder so, mache Sachen zu denen du sonst nie gekommen bist; und weiter: es ist so wichtig und gut dass du nicht mehr angekotzt und völlig fertig von der Arbeit kommst.

Er habe sich ein Monatsticket für Dezember gekauft, eins, das ab neun Uhr gilt. Er werde einfach keine Termine (beim Arzt oder Physiotherapeuten) vor neun machen und hat sich das genau ausgerechnet. Es sei besser mehr mit der Bahn zu fahren, vor allem jetzt, wenn man in der Stadt noch auf dem Weihnachtsmarkt einen Glühwein nimmt. Du musst dich erst mal an dein neues Leben als Renter gewöhnen, umorganisieren, was? Ja.
Die liebe Pflegefrau ist schlicht gestrickt, stellt er erneut fest. Doch hat er sich vor ein paar Monaten noch darüber aufgeregt, sieht er jetzt was sie alles gut macht (-> meine Mutter pflegen) und organisiert sich um, versteckt zb Vorräte von Pflegemitteln für meine Mutter (ich erspare dem Leser Details) weil er weiß, dass sie nicht rechtzeitig vor Ende des Verbrauchs Bescheid gibt.
Er war im Krankenhaus am Samstag, erzählt er mir gestern Abend am Telefon (btw: wie ist der Tatort ausgegangen?? Nicht dass ich den gut fand, aber das Ende würde mich jetzt ja doch noch interessieren...). Für einen kurzen Moment bin ich verletzt, dass ich das erst jetzt erfahre, dass er hohes Fieber hatte aber später wird mir klar: wir belästigen uns gegenseitig nicht mit "um den anderen kümmern" wenn wir auf andere (in dem Fall seine Freundin) zurückgreifen können. Wir rufen uns erst zur Hilfe, wenn es hart auf hart kommt. Wenn wir alleine keine Entscheidungen mehr treffen können. Wenn wir uns wirklich brauchen.

Vater-Tochter-Beziehungen sind unglaublich und einmalig. Und wahrscheinlich für beide unendlich wichtig. Ein Leben lang.

Ich überlegte direkt vor Weihnachten wegzufahren, zu verreisen. Heute fiel mir ein: ab ersten Weihnachtstag, ok. Aber Heiligabend werden mein Vater und ich zusammen mit meiner Mutter verbringen. Wir fangen morgens um sieben an und gehen zusammen einkaufen, die letzten Sachen, das was man frisch braucht und Blumensträuße für die alte liebe Nachbarin von meinem Elternhaus und für meine lieben Nachbarn oben. Wir sind verkatert und haben beide eine Fahne, sind aber die ersten im Einkaufszentrum. Und wenn ich genau überlege: ich will auch am ersten Weihnachtstag mit ihm zusammen sein. Zusammen kochen, einen guten Aperitif nehmen, in der Küche, er mit weißem Hemd und Schürze, ich liebe diesen Moment wenn das hervorragende Essen brutzelt, wir in der Küche (klein, keine Sitzmöglichkeiten) stehen, einen formidablen Drink in der Hand halten, er mir in die Augen schaut und sagt: Frohe Weihnachten.

Aber ich muss was planen für danach, meinen Geburtstag (omg, es wird die fünf..) und Silvester. tbc