Schon seit ein paar Wochen, seitdem die Pflegefrau aus dem (Heimat-)Urlaub zurück ist, habe ich gespürt dass die Stimmung in meinem Elternhaus miserabel ist. Schon seit ein paar Treffen dort halte ich es kaum aus. Heute richtig übel: es wird nichtmals mehr zusammen gegessen. Zwei Welten vegetieren dort parallel: einerseits mein Vater und die Dicke, andereseits die Pflegefrau und meine Mutter. Es ist schrecklich. Oder vielleicht vielmehr:
Ich empfinde es als schrecklich.
Mein Vater regt sich auf, dass die Pflegefrau um drei Uhr nachmittags kocht, ein riesen Theater, Telefonate mit der Pflegefrauenvermittlungsagentur, blablabla, ich kann das alles überhaupt nicht wiedergeben, das ist wie absurdes Theater. Er will Regeln, aber eigentlich auch nur wenn er da ist, und er ist immer weniger da, er verreist mal eben ein Wochenende, er ist nonstop unterwegs, plant eine Woche Urlaub in der die Pflegefrau alleine mit meinr Mutter bleiben soll usw. Er will Struktur, hält aber nur die Struktur, dass die Pflegefrau Dienstags frei hat, ein - das wars. Er spürt dass was schief läuft, checkt aber nicht dass es auch an ihm liegt. Meine Mutter hängt auf halb acht im Rollstuhl, spürt genau die Stimmung. Ich schicke nur noch Stoßgebete in den Himmel, dass sie es nicht allzu sehr spürt. Die liebe Arbeitskollegin von früher war mal sehr schwer krank, in der Schwangerschaft, mit kurzzeitiger Erblindung und so, und sie meinte mal, dass wenn man so schwer krank ist, das Umfeld zwar spürt, auch was da abgeht, aber dass man sehr sehr sehr mit sich selbst beschäftigt sei und alles drumherum auch einfach ausblendet, ausblenden kann, ausblenden muss. So hoffe ich für meine Mutter. Drei Kreuze dass ihr Kopf krank ist und nicht "nur" der Körper und man noch alles mitbekommt. Nach wie vor: man kann mich (ebenfalls) für bekloppt erklären aber ich spüre: sie erkennt mich. tbc in a minute.....