Ich dusche zwanzig Minuten so heiß, dass ich beim Blick danach in den Spiegel erschrecke, wie feuerrot mein Körper ist. Kochwäsche quasi. Seinen Geruch loswerden. Bettzeug, Handtücher in die Waschmaschine. Und jetzt hätte ich gern noch eine Gehirnwäsche und bitte auch das Herzchen einmal durchspülen, eiskalt am besten. Die Sache mit dem Topf-Deckel-Typen ist vorbei. Vorbei ehe sie richtig anfangen konnte. Adele in Schleife. Mit dem klassischen "Schade, hat mal wieder nicht geklappt" komme ich klar, das kenne und kann ich doch schon so gut, halb so wild. Aber es ist so traurig und enttäuschend weil ich wirklich dieses Topf-Deckel-Gefühl hatte.
Nun gut, ich spüle erst mal die Nieren gut durch.
Die Wimpern sind frisch gefärbt und die Nägel vorbereitet für den neuen Lack: morgen date mit Steph. Ich wollte noch ausgehen, aber ich bin froh dass es dort regnet und ich zu Hause runterkommen kann. Mein Wochenende startete gefühlt erst heute Abend.
Der Tag war schön. Es war glaube ich schön für sie, mich beim Aufwachen anzuschauen, anzuhören, zu fühlen und zu wissen, dass ich jetzt da bin.
Ich war erschrocken wie schlecht sie dran ist, wie wenig sie nur noch kann. Und spätestens als ich ihre Haare föne und feststellen muss dass es wirklich schlecht geschnitten ist, bekomme ich einen Hass auf die Pfegefrauen, dir nur ihren Job machen. Ich nehme an, sie lassen sie nichts mehr selbst machen, weil es Zeit in Anspruch nehmen würde und die so handeln, wie es für sie angenehmer ist. Und dabei wird keine schlecht oder nach Zeit bezahlt. Ich glaube es sind die fast bestbezahlten Pflegefrauen in D, mein Vater zahlt ihnen fast ein Akademikergehalt. Sie füttern meine Mutter, weil es schneller geht, als wenn sie alleine isst. Sie ziehen ihr die Schuhe an, auch weil es schneller geht. Und sie setzen sie schnell in die Badewanne, statt ihr ein Wellnesserlebnis daraus zu machen. Ich weiß dass sie nciht mehr alleine essen kann, dass sie nicht mehr weiß ob sie Pantoffel oder feste Schuhe an hat und dass es sie ankotzt, dass sie sich nicht mehr selbst wellnessen kann. Aber ich will ihr das Gefühl, nichts mehr zu können, so lange wie möglich ersparen. Und das geht noch. Ich gebe ihr den Löffel so in die Hand, wie man ihn hält, und wenn sie ihn ein zwei mal ohne Essen in den Mund führt, ignoriere ich das, erzähle ihr was, schiebe ihr vielleicht unfällig was auf den Löffel, aber ansonsten thematisiere ich nicht, dass sie nciht mehr essen kann sondern ziehe ein normales Essen durch, mit erzählen, mit darüber sprechen ob es lecker ist, damit dass später auch ncoh (ihren lieblings-) Nachtisch gibt. So wie man halt beim Essen zusammen sitzt. Ich sage dass sie ja noch Schuhe anziehen muss, oh ja, am besten diese, ja dass sind wirklich gute Schuhe, von denen hat man jahrelang was, hier, der ist für den Fuß. Ich berühre ihren Fuß, warte dass sie fühlt dass da jetzt der Schuh ist, sie schlüpft rein, beschwert sich kur wenn das nicht einwandfrei auf anhieb funktioniert aber dann ist gut. Dann mache ich die Schleife, und fertig. Wenn sie badet, preise ich die Wellnesssession entsprechend an, schütte das doppelte von dem guten Badezusatz in die Wanne und ermutige sie, wie schön das riecht und wie klasse jetzt so ein heißes Bad ist. Ich bedecke sie mit Schaum, lege ihr das Badkissen zurecht. mache ihr ein Gesichtspeeling und gebe ihr Haarshampoo auf die Hände, die ich dann zu ihrem Kopf schiebe. Heute habe ich ihre Beine und Achseln rasiert, sie kann sowas nicht mehr (an)sagen, aber sie war unendlich dankbar. Meine Mutter war nie übermäßig geschminkt mit Gelnägeln oder so, aber meine Mutter war immer sehr gepflegt. Nie wäre sie mit unrasierten Beinen im Sommer im kurzen Rock rumgelaufen. Meine Mutter war - fällt mir gerade so ein- übrigens Anfang der Achtziger in den USA. Auf einem Trip durch die USA. Für mehrere Wochen. Es muss aufregend gewesen sein. Es war wohl ein Highlight in ihrem Leben. Sie war dort bei verschiedenen Leuten zu Besuch, die den americandram lebten, aus dem Nichts hochgearbeitet und dann große Villa mit netten Kindern und eigenen Pferden. Mir erzählte sie von dem Meer, in dem die Wellen größer als Papa waren - btw: wir sind kleine Leute, ich glaube mein Vater ist keine einssiebzig groß, aber egal, sie erzählte mir das nachdem sie fünf sechs Wochen weg war, und während sie den Koffer und Geschenke für mich auspackte. Und sie himmelte meinen Vater für mcih extra an. Heute sagte sie ncoh, sie hätte nichts, außer ihren Mann. Sie erzählte mir das in einem Moment, in dem sie glaube ich nciht wusste, wer jetzt bei ihr ist. Es ist dauern irgendjemand bei mir. Bei den Geschenken: ich erinnere mich nur an die duftenden Buntstifte, ich werde diesen Geruch nie vergessen.
Ja so war das, Anfang der Achtziger, als meine Eltern für mehrere Wochen in den USA waren und meine Mutter nicht viel älter als ich jetzt war. Ich glaube Anfang der Achtziger war meine Mutter für ein paar Jahre glücklich. Ausgenommen ihrer glücklichen Kindheit, die ihr in ihrem jetztigen Zustand wohl den Arsch rettet.
Ich könnte ncoh schreiben, endlich mal über die Trips letzten Sommer oder noch besser über die aktuelle klasse Sache mit Steph oder auch noch weiter über heute, aber ich bin einfach bettreif betrunken und möchte nur noch eine Runde weitertrinken und Musik hören und ins Bett fallen und auf morgen freuen, wenn ich endlich nach wochenlang krank wieder laufen gehen kann und danach Steph treffe...
overloaded am 12. Juni 11
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Wenn ich schreibe, dass es gut läuft, bedeutet es, dass ich es aushalte, dass ich nicht suicidal bin, dass ich mein Leben annehmen kann, aber es bedeutet nicht, dass keine Tränen laufen.
Ich wollte Wunden lecken, wollte Grönemeyer und Ulindenberg und was es noch gibt in Schleife hören. Ich steckte den anderen Speicherstick in mein SuperSoundSystem ;-) und erwartete genau diese Musik. Aber ich musste feststellen, dass ich den Stick irgendwann (ich erinnere wann und mit wem) neu beladen habe, und plötzlich laufen gefühlte eine Million Livemitschnitte von Gentleman. Ich beginne die nächste Summerjam gedanklich zu planen. Spiele ein paar Möglichkeiten der Begleitung durch und überlege schließlich niemanden weiteren mehr anzufragen. Ich könnte auch alleine hingehen. Oder mit der Grönemeyerbegleitung wobei ich nicht weiß inwiefern sie auf Reggaehippiegetue kann. Ich habe bisher sowohl Julia als auch den Topf-Deckel-Mann (nennen wir ihn ab jetzt Steph) gefragt ob sie Lust und Zeit haben. Klar wollen beide mit mir einen Sonntag SummerJam erleben. Jeder von beiden weiß davon, dass ich in den anderen verliebt bin, nur jedem selbst habe ich noch nicht erzählt, dass ich in ihn oder sie verliebt bin. Falls beide zusagen, wird es eine intererssante Konstellation ;-)
Können die beiden ja ggf was miteinander anfangen, überlege ich kurz als mir der Gedanke kommt, für mich sei es am besten alleine zu bleiben, aber dann fällt mir ein, dass das nicht Julias Typ ist. Wahrscheinlich würden sie darum buhlen, wer mich glücklicher machen kann oder bei wem ich mich verstandener fühle. Intererssante Konstellation. Am Besten kommt noch die externe Beraterin mit um sich das ganze Schauspiel in Fleisch und Blut anzuschauen :-) Das wäre der Knaller. Und meine emotionale Versicherung.
Ich gehe auf dem Zahnfleisch und ich kann nicht mehr. Ich habe nichtmal mehr die Kraft und die Regelschmerzen die mich immerhin von pms zu erlösen, wahrzunehmen. Ich bin komplett platt, jede Zelle in meinem Körper schreit, dass sie nicht mehr kann. Ich wüsste nicht was ich jetzt ohne Herrenpils (das Gastgeschenk!) machen sollte.
Ich werde morgen zehn zwölf Stunden mit meiner Mutter verbringen. Mein Vater ist für drei Wochen nach Griechenland geflogen. Die gut eingeplanten Pflegefrauen machen ihren Job (gut), aber für die meisten ist es nur ein Job, sie reißen die Stunden ab, aber sie fühlen nicht wie ich. Und sie können nicht mal erahnen wie meine Mutter fühlt. Es hört sich arrogant an, aber ich pflege meine Mutter am besten. Es hört sich anmaßend an, aber ich wünschte sie hätte Krebs. Ich wünschte der morgige Tag wäre umrandet von ihren unerträglichen Schmerzen aber ich Kopf würde funktionieren, ich wünschte das größte Problem morgen wäre, ob genug Schmerzmittel im Haus wären, die ich ihr spritzen würde, ich wünschte das größte Problem wären ihre Schmerzen, und Frauen können Schmerzen aushalten, und Mütter sowieso. Ich wünschte ich könnte ich dazwischen alles erzählen, von der Arbeitskollegin, vom Chef, vom Job, von Steph, von der Freundin die zu Besuch war, von mir. Ich wünschte ich hätte morgen einen Tag an dem ich mich stundenlang bei meiner Mutter, bei meiner Beraterin, ausquatschen könnte und sie mir was zu allem sagen könnte. Was ist das für eine verfickte Krankheit die das Gehirn auffrisst?? Wenn sie mich morgen früh sieht wird sie mich freundlich begrüßen: Guten Morgen! *lächelnd Ja wer sind sie denn? Sind die traurig? - Der Mutterinstinkt funktioniert einwandfrei und es wird eine Herausforderung meine Traurigkeit zu verbergen.
Ich will nicht anmaßend sein. Ich habe noch nie jemanden im Krebsendstadium erlebt. Aber ich weiß: wenn der Kopf gefickt ist, das ist übel, das wünsche ich niemanden, weder für sich selbst, noch für jemanden den man liebt.
Ich höre also Gentleman. Es ist besser als das Gewünschte. Die Musik lässt mich weinen, aber nicht verzweifeln.
Ich möchte noch schreiben über Steph, aber das hat Zeit, das läuft....sagt mir mein Kopf wenn er für ein paar Momente klar ist. Topf-Deckel-Feeling halt. Ich vertraue mal einfach auf dieses Gefühl
*drunk, ins Bett, und danke für die schönen Kommentare, sie haben mir heute morgen einen guten Start in den Tag gemacht
overloaded am 11. Juni 11
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