Freitag, 24. Juni 2011
Heute mehr oder weniger frei. Firmenemails jetzt eine halbe Stunde bearbeitet. Jetzt einen Vormittag mit meiner Mutter verbringen. Habe ich erzählt dass ihr die Haar ganz schäbig verschnitten wurden? Habe vor lauter Verzweifelung bei ihrer alten Friseurin angerufen und für heute einen kurzfristigen Termin bekommen. Hoffe sie kann das noch korrigieren.



Dienstag, 21. Juni 2011
Lieblingslied von meiner Mutter jetzt im Radio. Memories. Wie skuril, fällt mir jetzt gerade erst mal so auf. Kotzen oder direkt schlafen?



Ich mag nicht mehr schlafen, denn ich träume nur von der Arbeit. Je nach Alkoholpegel wache ich nach vier fünf Stunden auf und liege wach im Bett. Ich kann gar nicht mehr abschalten. Ich stehe dann einfach vorm Wecker auf, trinke Tee, lese Zeitung, trinke LaMa, frühstücke, spüle, dusche, bügel, häng so rum. Bis ich irgendwann dann früh ins Büro fahre. Und zwölf Stunden arbeite. Heute habe ich eine Mittagspause eingelegt, bin nach Hause gefahren, habe mich genau eine halbe Stunde hingelegt, tat gut. Da ja privat gerade eh mehr Schmerz als Herz ansteht, ist das gar nicht so schlimm mit der vielen Arbeit. Nur leider verdiene ich nicht angemessen. Nicht annährend. Noch zwei Tage durchziehen und dann langes We. Für das noch nichts geplant ist. Mit einem Traummann abhängen oder wegfahren wäre klasse, gibts aber gerade nicht für mich. Ach komm, denke ich mir, kommen auch wieder bessere Zeiten. Hatteste jetzt doch neulich erst, wenn auch nur für vier Wochen.



Sonntag, 19. Juni 2011
Ich habe also nach einem guten halben Jahr wieder einen neuen Termin mit meinem Psychologen ausgemacht. Übernächste Woche erst, aber ich muss mir Gedanken machen, was ich sage, was ich will. Ich erinnere mich noch an den ersten Termin bei ihm. Das ist ca. fünf Jahre her. Er fragte, was ich antworten würde, wenn jetzt eine gute Fee käme und mich mit einer Feder berühren würde, und danach meine Frage, mein Problem gelöst sei. Woran würde ich am nächsten Morgen spüren, dass sie mich mit der Feder berührt hätte und ich mich gut fühlen würde? Ich erinnere mich wie ich das erste mal bei ihm war, vorab mit ihm telefonierte und auf der Warteliste stand, den Termin ausgemacht habe, im quasi-Wartezimmer saß, ihm das erste mal gegenüber saß. Aber ich erinnere mich nicht mehr, was ich auf die Fee-Frage geantwortet habe. Jetzt muss ich die aktuelle Antwort durchdenken. Ich muss sagen können was ich mit einer neuen Therapie erreichen und auf was ich mich dabei einlassen will. Ich werde mich nicht hinsetzen und einfach rumheulen können. Er ist auch mit seinem Latein am Ende, glaube ich. Und er ist gut. Er ist wirklich gut. Ich habe seit über zwölf Jahren Psychotherpeuten kennengelernt, ich kann das beurteilen. Ende letzten Jahres sind wir auf einen springenden Punkt gekommen als es um meinen Vater ging. Es kam mir vor wie meine Lösung und vllt ist sie das auch aber ich hätte zehn Jahre eher drauf kommen müssen, dann hätte sich darauf nicht noch mehr Schmerz aufgebaut. Ich bin durch mit meinen Eltern, meiner Kindheit. Aber das hat so lange gedauert und in der Zwischenzeit konnten sich diese Traurigkeiten in mein jetztiges Leben so sehr drunterschleichen, dass ich jetzt den Scheiß der letzten zehn Jahre verarbeiten muss. Ach Schwachsinn. Bier exen und ins Bett. Morgen beim Joggen nochmal entspannt weiterdurchdenken.



Ich bin zu müde zum weinen. Ich bin überarbeitet. Ich habe inklusive heute jeden Tag der letzten zwei drei Wochen mindestens zehn Stunden gearbeitet. Ich kann nicht mehr. Heute wäre ich beinahe umgekippt. Habe dann natürlich (!) doch irgendwie durchgehalten. Dann noch eingekauft, joggen gegangen, Sauna, jetzt Bier. Ich würde gern ausgehen, tanzen, flirten, Sommer genießen, aber ich kann nicht. Ich bin zu platt. Es fühlt sich gerade an, als wenn alle das Leben genießen, alle intensiv leben, nur ich nicht, ich habe keine Kraft, ich trinke das Herrenpils aus und bin traurig. Dabei höre ich Radio, irgendwelche Beiträge in denen es um Bonn/Berlin, Fußballfrauenwm und sonst irgendwas Aktuelles geht. Radio hören gibt mir so eben noch das Gefühl am Leben teilzuhaben, nicht ganz abgeschottet zu sein, nicht ganz alleine zu sein. Ich fühle mich unendlich einsam. Radio hören ist gerade besser für mich als selbst Musik auszusuchen. Ich würde mir die Deprischleife bis zum Zusammenbruch reinziehen. Würde mich noch mehr in das ganze schlechte Gefühl reindenken, reinhören, reinleben. Und das will ich ja auch nicht. Nicht jetzt. Wie ein Selbstschutz. Oder auch nicht, was weiß ich, jedenfalls ist es gut wenn ich mich nicht noch mehr in dieses ganz schlecht-fühlen reinsteigere.