Donnerstag, 15. September 2011
Die zwölf-Stunden-Tage nehmen kein Ende. Und heute fühlte es zwischenzeitlich sich an, als steuere ich auf das nächste burnout zu. Ich bin leicht ausgerastet, vorm Chef geflucht und Bescheid gesagt, dass ich unheimlich schlechte Laune hätte. Ich schaute ihn an: seine Augen feuerrot, ihm ging es wohl auch nicht besser. Was denn los sei. Zu viel, zu viel, zu viel. Ich verrate mich nicht mit einem alles-zu-viel, ich tue so, als wären die jobtermine zu viel. Bei meinem Gehalt ist mein Stundenvolumen auch ein Witz. Ich brauche eine fette Gehaltserhöhung und genau das werde ich dem guten Mann auch nächste oder spätestens übernächste Woche eröffnen. Jetzt wirklich. Und ich muss dringend Steuern einreichen (sprich den fertigen Briefumschlag zum Steuerberater bringen) und Fahrkosten abrechnen. Bin recht pleite. Naja, was ist schon Geld, halb so wild. Habe nie Daddy angepumpt und ich weiß andere Väter gleichen regelmäßig Dispos zu "guten Konditionen" aus. Und ich habe noch nie gehört, dass das zurückgezahlt wurde. Also wenn alle Stricke reißen: Papa, aber natürlich wird es nie dazu kommen, denn dafür bin ich dann ja doch zu klasse und natürlich bekomme ich sowas immer wieder alleine hin. Wahrscheinlich rechnet er damit ;-)

Also irgendwie mal wieder kurz vor alles-zu-viel und es liegt nahe zu fragen, was denn da noch ist außer zu viel Arbeit, was ja schon seit Jaaahren in diesem Saftladen bei mir unter normalen Zustand abbuchbar ist. Was ist noch? Klar, ein Mann. Ein alles-zu-viel-Mann, ein Klassiker! Ich habe es mal wieder geschafft einen Klassiker aufzureißen. In wenigen Worten: einer, der nicht genau weiß. Bingo, Volltreffer, kennen wir ja. Und er ist natürlich ganz toll. Und wir verstehen uns natürlich blendend. Und jede Berührung fühlt sich natürlich unglaublich gut an, und natürlich habe ich sowas noch nie erlebt. Und er ist natürlich sehr intelligent, er ist natürlich hochbegabt. Ja, sagt die Lieblingsfreundin, sie wisse schon, ich ginge ja nur mit Hochbegabten ins Bett, und sicherlich sei ihm diese Hochbegabung gar nicht bewusst. Ja, richtig. Ist aber auch wirklich so. So Männer landen bei mir. Nicht die Streber. Die lonely-cowboys, die, die zu viel wissen um klar zu kommen.

Ich bleibe cool. Mein Blick ist klar. Er flashed mich, keine Frage. Aber ich komme klar. Bin bei mir. Bin nicht fixiert. Steigere mich nicht rein. Sehe der ganzen Sache entspannt entgegen. Mal sehen. Und dieses Gefühl ist klasse. Und ich spüre immer noch: seit dem Urlaub stehe ich wieder mit beiden Füßen fest auf dem Boden. Das ist gut, das ist verdammt gut, das war nötig. Ich genieße mich.

Ja, ich werde bald den Urlaub aufschreiben und selbstverständlich gibt es dazu dann auch wie immer das entsprechende Foto. Und ich möchte schreiben, über die Jugend von heute, über die süßen Jungs die auf twitter lese und von denen ich viel halte, und wie es mir erging als ich achtzehn war und ich möchte aufschreiben was ich letztes Jahr im Sommer erlebt habe, die Story ist schon seit c. überfällig und ich möchte erzählen wie mein Jobplan für 2012 aussieht und und und-----------------



Donnerstag, 1. September 2011
Et läuft. Ein Zwölf-Stunden-Tag jagt den nächsten. Ich hänge permanent am Telefon, telefoniere am Schreibtisch, beim Mittagessen, im Auto. Halte eine Präsi die ich mir kurz im Stau angeschaut habe. Ich glaube es war erfolgreich. Ich bearbeite nebenbei Sachen von der Kollegin. Mrs Perfect kann im Stress nicht cool bleiben, kann nicht wirklich kacheln. Ich erfreue mich. An Sonnenschein. An netten Telefonaten. An einem guten Mittagessen. An die überraschenden lieben Begegnungen mit der achtundsechsziger Familie bei der ich den letzten Sommer verbrachte, an einen Stau, an gute Musik im Autoradio, an Lächeln, ans Telefonat mit der Lieblingsfreundin, an der Nummer im Display der Bierfreundin die heile aus NY zurück ist, an meinen Haaren, an den neuen Schuhen, an die Musik in meiner Wohnung, an meinen gemütlichen Balkon, und daran, dass mein Kleingeld genau die Summe war, die ich für zwei Bier an der Tanke bezahlen musste. Things even out for me!!!



Donnerstag, 1. September 2011
Und wenn ich wieder Bier trinke, schreibe ich auch wieder. In der Küche sitzen, Bier trinken, rauchen, schreiben. Wie seit Monaten läuft Gentleman live in Schleife. Ich plane am neunten neunten nach Hagen zu fahren, Gentleman wirklich live, aber ich muss wohl alleine fahren, alle die ich gern dabei hätte, können nciht (das sind aber auch nciht viele). Ich würde selbst mit dem Auto fahren, nichts trinken, oder wenig, und vielleicht wäre es das Nachholen vom Konzert vor Weihnachten, bei dem ich auch alleine war, aber es war fußläufig und ich trank und ich kippte irgendwann um, am Ende des Konzertes, und während ich umkippte dachte ich noch: mist, bin alleine hier und kippe jetzt um. Irgendwie halfen mir sofort ein paar Menschen auf und irgendwie bin ich auch noch alleine nach Hause gelaufen, aber mein Steiß war gestaucht oder vielleicht sogar angebrochen und so quälte ich mich mit Schmerzen durch die letzten Tage des Jahres.
Eins ist klar: dieser Winter darf nicht werden wie der Letzte. Noch ein Winter in dem ich nur trinke und den ganzen Sommer brauche um wieder auf die Füße zu kommen schaffe ich nicht. Man wird ja nicht jünger. Aber ab morgen ist September, ab morgen ist Herbst in meinem Empfinden, ab morgen ist Spätsommer und aus Erfahrung weiß man: wer jetzt alleine ist, wird alleine bleiben, den ganzen Winter. Ich habe noch keinen Plan, kein Konzept wie ich den Winter verbringen will. Viel Fitnessclub, viel Sauna, aber nur im Leerlauf auf dem Laufband wird mich nicht glücklich machen. Ich muss mal schnell noch irgendeine Fortbildung buchen oder mir ernsthaft vornehmen vier Kilo abzunehmen und zur Kampfmaschine zu werden - tja, das war eigentlich der Plan für diesen Sommer....mal sehen....
Ich fahre viel Auto zurzeit. Ich gehöre mittlerweile zu denen, die im Businessoutfit auf der linken Spur mit hundersiebzig Sachen und Headset im Ohr von Termin zu Termin hetzen. Nach dem letzten Termin heute habe ich das sogar in den Baustellen auf der linken Spur durchgezogen. Linke Spuren bei Baustellen sind ekelig. Man muss cool bleiben. Die Spuren sind schmal und man überholt nonstop LKWs. Nicht nach links, nicht nach rechts gucken, Spur halten und durchziehen. Wie eiskalt ich geworden bin dass ich das jetzt mitmache. Und dann der Gedanke, dass ein Blitzer nciht schlimm ist, ich habe noch keine Punkte. Mir gefällt das nicht. Ich gefalle mir so nicht. Nicht für das Gehalt, nicht für den Saftladen. Chef findet das natürlich toll. Wie ich mitziehe. Ach Chef, gib doch zu du genauso heulend mit Bier abends zu Hause sitzt wie ich. Ach Chef, gibt doch zu dass du neidisch bist auf mich, dass du den ganzen Scheiß da nur weiterdurchziehst weil du Familie hast und dich viel lieber treiben lassen würdest. Ach Chef, setz dich doch einfach für meine nächste Gehaltserhöhung ein. Wir klären das noch. Wenn die Kollegin im Urlaub ist. Und du weißt, wenn du mir oben in den Rücken fällst, gehts nicht gut für dich aus, denn "oben" mag mich einen Ticken mehr.

Bier leer. Ab ins Bett.