Fünf Wochen nach der Verletzung fange ich an mich via Internet in die Anatomie des Fußes, Diagnosearten und physiotherapeutischen Übungen einzuarbeiten. Erster Eindruck: alles ok soweit! Im Krankenhaus wurde der klassische Fehler einer sogenannten offenen Röntgenaufnahme gemacht wodurch das Band wahrscheinlich endgültig gerissen ist. Mit der sogenannten Schubladenmethoden hat die Orthopädin des Vertrauens am Tag darauf dann aber anscheinend die richtige Diagnose gestellt. Nach sechs Wochen Schiene (one to go!) kann dann mit Physiotherapie begonnen werden. Weitere sechs Wochen später ist es dann möglich sportliche Aktivitäten "nach Augenmaß" zu beginnen und zu steigern.
Was das mit dem Augenmaß bedeuten soll, habe ich jetzt nicht verstanden, ist ja auch egal, mache ja die ganze Zeit schon wieder Sport. Jedenfalls bin ich nun irgendwie beruhigt. Das Ganze dauert einfach, braucht seine Zeit. Ich liebäugel aber nach wie vor mit einer weiteren Aufnahme. Ich will genau wissen was da wie sehr kaputtgegangen ist. Ich will nichts verschleppen.
Unbedingt bierfreie Woche starten. Die Vorräte sind aufgebraucht und mir ist schlecht von gestern. Chancen stehen also gut.
Verkatert gönne ich mir gegen Mittag ein Essen in der großen Mensa. Einmal Nudeltheke. Was ist das hier so chaotisch voll, wo kommen all die Menschen her? Semesterstart! Ungewöhnlich lange stehe ich an der Nudeltheke an, gezwungenermaßen beochachte ich nicht nur wie sich die jungen Menschen nicht nur nicht entscheiden können zwischen vier Nudel- und vier Soßensorten, sondern auch, wie entnommene Salatschälchen einfach zurückgestellt werden. Kurz überlegen - mit vorherigen Blick auf meinen Kontostand - in all dem Getümmel meinen alten, vergilbten Studentenausweis vorzuzeigen um nicht den vollen Preis zahlen zu müssen und irgendwie einen Bonus für dieses Chaos zu erhalten. Endlich an der Kasse angekommen - habe mich in diesem Chaos nicht getraut wie sonst nach einer Extrakelle Soße zu fragen - siegt meine Ehrlichkeit dennoch und ich zahle ordnungsgemäß den vollen Preis und bin dabei auch die einzige, die der Dame an der Kasse ein freundliches Lächeln und ebenfalls ein schönes We wünscht.
Ich sitze alleine, schaue mir die Erstis an und schaufel mir genüßlich die Nudeln mit zuwenig Soße rein.
Bei der Tablettabgabe fühle ich mich beobachtet und schon werde ich angesprochen: der junge Mann von Silvester, der, der genau zehn Jahre jünger ist als ich und sein Jurastudium unterhalb der Regelstudienzeit abschließt lächelt mich freundlich grinsend an. Er ist aber auch ein Goldschatz!
Draußen erzählt er, er hätte mich just gestern noch anschreiben wollen, man können ja mal einen Wein, ein Bier oder einen Sekt zusammen trinken! Ja, hauptsache Alkohol, erwidere ich leicht ironisch. Ich erzähle kurz von Stress, von Weiterbildung, von Fußverletzung. Also wenn es nach ihm ginge könne man sich ja auch einfach bei mir oder bei ihm treffen, einen Film zusammen schauen. Ich erspare mir die Erklärung warum ich keine Filme schaue und sage direkt, dass das nicht ginge weil das dann direkt so einen intimen Touch hätte. Also da sei er flexibel antwortet der junge selbstbewusste direkt: man könne so oder so!
Ich halte viel von ihm weil er so selbstbewusst ist. Umarme und verabschiede ihn, ohne konkretes Date.
overloaded am 06. Oktober 12
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Ha! Ganz im Rahmen von gtd heute Abend "mal eben" eine Tafel an die große Küchentür gezaubert. Veut dire: den ganzen Abend mit rumüberlegen, ausmessen, abkleben und letztendlich lackieren verbracht. Et voilá: meine Tür in der Küche ist nun als Tafel beschreibar. Das endgültige Resultat ist dann zwar erst morgen sichtbar, aber immerhin habe ich den Abend nicht nur mit Biertrinken verbracht. Fotos folgen.
Selbstbild als verletzter Profifußballer, bei dem die Rückkehr dieses Jahr nun doch unwahrscheinlich wird.
overloaded am 03. Oktober 12
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Es ist letztendlich immer wieder dieses Gefühl, dass für mich kein Platz auf dieser Welt, in diesem Leben ist. Für alle ist Platz, aber für mich nicht.
Die liebe neue Kollegin erzählt mir vom Wochenende, dass sie in Berlin war, beim Marathon den besten Freund ihrer neuen Liebe mit ihm zusammen anfeuern. Sie erzählt, sie sei zu Tränen gerührt gewesen.
Es gibt eine App mit der man Nachrichten bekommt, wenn der zu Anfeuernde die und die km-Marke durchlaufen hat, man fährt mit der U-Bahn hinterher: Ist er schon vorbei gelaufen? Nein, nein da hinten! Da kommt er! Man läuft mit, man feuert an, die Leute feuern an, auch Fremde, alle feuern an, die den Namen gerade sponatn auffangen, alle, einfach alle, alle rufen plötzlichen den Namen, feuern mit an. Eine unglaubliche Stimmung, erzählt die liebe Kollegin, und plötzlich liefen ihr die Tränen, berichtet sie weiter.
Ich kann es gut nachvollziehen. Sie sitzt neben mir an meinem riesigen Schreibtisch, in meinem riesigen Chefbüro, ich will ihr eigentich was wegen der Exceltabelle, der sql-abfrage erklären. Sie erzählt, immer noch völlig ergriffen von diesem Ereignis, ich fühle mich, höre aufmerksam zu und am Ende ihres Berichts schaue ich sie an, überlege noch was zu sagen, kann aber nicht und schiebe stattdessen meinen Kopf zu ihrem, ganz vorsichtig, und kann nicht anders als sie zu küssen. Sie ist älter als ich. Sie kennt sowas nicht. Sie hat viele Bekannte die sie in Notsituationen unterstützen, da ist einer der die Winterreifen aufzieht und da ist die, die was unterschreibt zu ihrem Vorteil, und da sind überhaupt eine Millionen Leute. Aber da ist keine Freundin. Eine Freundin, die einfach umarmt, die einfach küsst, die einfach zärtlich ist wenn es angebracht ist.
Irgendwann im Sommer hatte ich kurz Sorge schwanger zu sein. Von irgend so einem - ach lassen wir das. (Sie ist alleinerziehend.). Unter Tränen sagte ich ihr, dass ich das nicht durchziehen könne, ich habe keine Mutter mehr die mich unterstützen könne. Nein, das nicht, antwortete sie, aber Sie haben Freunde.
Ich finde sie sehr schön, und das ist eine von diesen schönen Menschen, die das auch im Herzen ausstrahlen. Überhaupt: ich mag sie, sie ist eine von den Guten.
Was ich eigentich schreiben wollte: