Donnerstag, 21. Februar 2013
Nun ja, es hört nicht auf. Weiter auf Hochtouren. Ich knirsche schon tagsüber mit den Zähnen. Und ganz nebenbei wuppe ich irgendwelche Termine mehr oder weniger mit links. Vertrieblermaske auf und funktionieren. Zwischendruch bemerke ich, dass ich zu overkonzentriert bin, zu hart rüberkomme, vllt auch zu schnell spreche. Ich lege eine Pause ein, frage nach Frage und generiere mein Vertrieblerlächeln neu. Ich finde es unglaublich wie ich eigentlich schon gar nicht mehr kann, reif für die Klappse bin und dennoch aufrecht stehe. Wie krass ich funktionieren kann. Wie stark ich bin. Ich muss aufpassen dass ich das nicht zu sehr ausreize.

Ich brauche eine Umarmung. Bald. Von irgendjemanden aus dem inner circle. Sonntag abend mit einer Freundin zum Theater verabredet, fällt mir gerade ein. Die kann gut umarmen. Vielleicht auch morgen von meinem Vater, vielleicht auch Samstag in der Muckibude. Aber Sonntag ist sie mir gewiss. Das sind Aussichten.



Mittwoch, 20. Februar 2013
Ich kann kaum noch aufhören zu weinen. Immer wieder füllen sich die Augen mit Tränen.

Der Chef meldete sich am Morgen auf meiner Mailbox krank. Völlig paralysiert rief ich eine Vertraute von ziemlich "weit oben" in der Firma an. Sie checkte sofort meine Lage und half mir kurzfristige Entscheidungen zu treffen. Es ist sowas von unglaublich was in dem Saftladen gerade abgeht und ich befürchte dass das jetzt wirklich der Untergang sein könnte. Ich bin heute kaum ans Telefon gegangen, habe einfach alles auf Mailbox laufen lassen und versucht die Termine für heute Abend "richtig" zu koordinieren. "Richtig" ist zurzeit stündlich anders in dem Saftladen.

Ich habe in dem Laden schon öfters Pferde kotzen gesehen, aber dieses Mal kotzen die Pferde ihr eigenes Fleisch.

Reamonn - Star nach wie vor seit gestern in Schleife. Und zwischendurch lese ich die schöne Nachricht von dem jungen Mann.

Und irgendwo ganz tief in mir drin brennt er lichterloh, dieser Funke Hoffnung.

Hoffnung ist eben nicht Optimismus, es ist nicht die Überzeugung dass etwas gut ausgeht sondern die Gewissheit, dass etwas Sinn hat, egal wie es ausgeht (Vaclav Havel)



Dienstag, 19. Februar 2013
Plötzlich ganz neue Entwicklungen in der Firma und ich überlege zu kündigen. Checke meine Konten und überlege erneut ob ich mich notfalls nicht mit Escortservice bestens über Wasser halten könnte. Mit Tränen die Konferenz verlassen (zum Glück Konferenz am Telefon), stundenlang weiter geweint. Auch vorm Chef beim Mittagessen.
Später ein langes Telefonat mit der Lieblingsfreundin, dessen Herz just gebrochen wurde. Es tut mir sehr leid.
Eine sms von dem jungen Mann, der kreatives Schreiben studiert hat, in der u.a, steht, dass es sehr gut sei, dass wir uns wieder gesehen haben und dass er mich wieder sehen möchte, bald.
Ein paar (Leicht)Bier und Reamon - Star in Schleife.

Später werde ich so einen Tag vllt als "ganz normalen Tag damals" benennen. Aber heute gehe ich mit dick verweinten Augen ins Bett.

Die lockigen Haaren sind mitlerweile so lang, dass ich sie am Rücken mit den Händen fassen kann. Erinnerungen an Kindheit: wenn die Haare so lang gewachsen sind, dass man sie hinten fassen kann, also am Rücken von unten quasi.