Montag, 19. Januar 2015
Ich bin erschöpft. Alles etwas zu viel gerade, und das ohne pms. Wenn ich jetzt schreibe, schreibe ich mich rein, denke ich mich rein, heule ich mich rein.

Und dabei ist so viel aufzuschreiben. Vom Kind, mit dem ich heute unterwegs war und eine warme Winterjacke gekauft habe, dann mit ihr und ihrem Opa/meinem Vater essen war, wie anstrengend es für mich war und wie sehr ich mich bemüht habe, mich nicht verantwortlich zu fühlen. Wie ich ihrer Mutter also meiner Schwester vergessen hatte zum Geb zur gratulieren (Tag danach kurze Nachricht geschickt) obwohl ich den ganzen Tag an sie gedacht hatte. Und davon, wie ich dann heute mitbekam, dass mein Vater ihr gar nicht gratuliert hatte, weil er es wirklich vergessen hatte.
Und auch von der Arbeit möchte ich schreiben, wie ich heute zum ersten mal in meinem Leben eine Abmahnung aussprechen musste und eigentlich hätte ich sie auch direkt rausschmeißen können (hätten andere in dem Fall gemacht). Und von der Besprechung heute, die eigentlich ganz gut war. Und wie ich auf einmal anfange zu zweifeln, ob ich den tollen Job wirklich so toll ausfülle.
Und von ihm und unseren Reiseplänen. Und von Geld. Und darüber möchte ich auch schreiben, dass wir kein Haus kaufen werden, weil wir es nicht können, weil er schon so alt ist und wir keine Finanzierung über zwanzig oder dreißig Jahre mehr machen können. Ja, davon, wie das ist, mit diesem großen Altersunterschied. Wie es mich gefühlt alt macht. Und so weiter, und so fort....



Donnerstag, 8. Januar 2015
Man liegt am Boden. Erschöpft. Völlig fertig. Nichts geht mehr. Man betäubt sich. Man wundert sich nicht mehr, wenn es noch schlimmer wird. Völliger Zusammenbruch. Keine Auswege in Sichtweite. Alles Mocke, alles Schlamm und man selbst mittendrin. Als würde das Moor einen aufsaugen. Als würde man selbst das Moor werden. Über Jahre. Man versteht auch nicht mehr, warum man es überhaupt noch schafft weiterzuleben. Und man steht auf.
Und fällt wieder hin. wieder völlig erschöpft. Fertig. Rien ne va plus. Betäubung. Schlimmer geht immer. Überlegungen sich selbst einzuweisen. Nur schwarze Wolken und dichter Nebel. Selbst der Sumpf. Tag für Tag.

"Man muss sich immer wieder am eigenen Schopf aus dem Sumpf ziehen.", sagte eine Frau zu mir.

Je öfter man sich selbst aus dem Sumpf zieht, desto stärker werden die Arme. Irgendwann sind sie so stark, dass fünf lange Klimmzüge gar nichts mehr sind. Und dann ist irgendwann der ganze Körper so stark, dass er nicht mehr zusammenfallen kann. Alles wird stark zusammengehalten. Stark und aufrecht. So wie manche auf Eis tanzen können, können manche übers Moor spazieren. (Manche können beides.)

Eine Verwunderung. Ein Genuss. Lange. Ausgiebig. Dankbarkeit. Freude. Ein Tanzen.

Und dann kommen sie. Die Luxusprobleme! Bin ich zu fett für den Bikini für vier Wochen Mauritus? Ist das Haus wirklich das richtige zu kaufen oder sollen wir doch lieber eine Wohnung über zwei Etagen erwerben? Ob die Waschanlage dem guten Lack am (gefühlten) Porsche wirklich keine Macken reinhaut? Komme ich Freitag um drei oder doch erst spät und um vier aus dem Büro?

Es geht mir gut.



Sonntag, 4. Januar 2015
Bin sehr gespannt auf das neue Grönemeyeralbum. Habe bisher noch nicht viel davon gehört.



Mir ging es besser, als es mir schlecht ging, dachte ich heute.
Besser ist wohl nicht der passende Ausdruck, vielmehr bekannter, heimischer - irgendwie so. Mir geht es nicht gut, mir schwirren seit Wochen schlechte Gedanken durch den Kopf. Sie gipfelten vorgestern in einem Albtraum: Todesfälle und Beerdigungen. Ich wachte schweißgebadet und mit Tränen in den Augen auf.

Als mir klar wurde, dass ich zwischen den Jahren nicht zu Hause sein werde und mich somit nicht wie üblich mit dem Jahresrückblick in der Zeit in Ruhe befassen können werde, begann ich schon Anfang Dezember im Hinterkopf immer wieder mal das Jahr Revue passieren zu lassen. Für das vergangen Jahr hatte ich mir vorgenommen einfach mal glücklich zu sein und das Leben zu genießen. Und so tat ich es auch. Es war ein sehr gutes Jahr für mich. Ich habe dich, seitdem wir uns kennen (Anfang Studium) noch nie so glücklich erlebt wie jetzt, sagte die Lieblingsfreundin neulich noch. Mit dem Rückblick auf dieses gute Jahr schlichen sich aber auch langsam und heimlich die schlechte Gedanken ein. Es ist so, dass non-stop Erinnerungen durch meinen Kopf schießen, Erinnerungen an Situationen von meiner Kindheit an bis jetzt, in denen was nicht gut war. Ich nicht, oder weranders nicht, oder eine Situation für jemanden nicht. Irgendwas ungerechtes. Irgendwas verletztendes. Es ist unglaublich an was ich mich alles erinnere. Von anderen höre ich oft: daran kannst du dich noch erinnern?? Ja. Viele erinnern sich ja kaum an ihre Kindheit. Ich weiß noch alles. tbc