Donnerstag, 11. Juni 2015
Eine alte Arbeitskollegin, eine von den Guten, sagte mal: genieße jetzt, jetzt ist dein Leben, jetzt stehst du mittendrin, du kannst die jungen und die alten Männer haben, du kannst jetzt alle haben, du siehst gut aus, du bist fit, du kennst deinen Job jetzt, du musst jetzt das Leben genießen, jetzt ist die beste Zeit.

Sie war knapp zwanzig Jahre älter als ich und ich erinnere mich oft an ihre Worte. Ja, ich genieße. Und es läuft. Nur zwischdurch hakt es, wenn ich Frauen sehe, die so alt sind wie ich oder jünger, mit kleinen Kindern oder schwanger unterwegs, dann packt mich die Panik. Ach ja, ist doch jetzt auch egal, seit mein Psychologe, ob sie mit Ende dreißig oder vierzig Kinder bekommen, die ein zwei Jahre machen den Kohl doch auch nicht mehr fett. Ich habe einfach nur Angst dass das "aus Verssehen" an mir vorbeigeht, ich den Zeitpunkt verpasse. Und mit dem Herzmann ist alles ok soweit, aber Familiengründung doch gerade entfernt....



Ich hatte heute zum ersten Mal einen Termin in dem (eigentlich ja nicht mehr) neuen Job vor dem ich Muffensauen hatte. Die Präsentation stand gestern abend noch nicht....Im Vorbereitungsstress wurde mir irgendwann klar, dass ich das Thema beherrsche, aus dem lameng präsentieren kann, der clou wird sein, mit welcher Einstellung ich in die Präsi gehe. Die Einstellung war schnell gefunden und die Präsi wurde mit der heißen Nadel noch gut gestrickt. Worauf ich mich nicht richtig eingestellt hatte: das Publikum bestand aus Ingenieuren. An meinem Vortrag sehr wohl interessiert, aber dennoch Ingenieure.

Ich wuppte das ganze Ding ziemlich gut. Wie klasse das ist wenn man irgendwann routiniert sowas kann! Am geilsten mein Einwurf ziemlich zu Anfang: Sie sind Ingenieure, sie sehen und lauschen seit Jahrzehnten Präsentationen die voller Zahlen, voller Kurven, voller Messergebnisse sind - daher habe ich mir was besonderes für Sie ausgedacht: eine Präsentation die vollkommen ohne Zahlen auskommt! Mal was wirklich neues für Sie!

Es lief gut. Es lief verdammt gut. Und ich stelle fest: ich muss mir nciht so viel Sorgen machen, alles läuft doch, alles läuft doch gut.....

panta rhei



Sonntag, 7. Juni 2015
Ich möchte weinen und irgendwie fehlt der letzte Tropfen der das Tränenfass zum überlaufen bringt. Krass, wie gut ich schon im positiv denken getrimmt bin mittlerweile.

Sie hat Geburtstag heute. Es kamen wenig Gäste. Die besten Freunde von meinen Eltern kamen und ich habe mich sehr gefreut. Wieder weinte die Freundin beim Abschied - es würde so weh tun sie so zu sehen (mittlerweile hängt sie nicht mehr nur auf halb acht im Rollstuhl sondern es läuft auch aus dem Mund raus..). Und es wäre für sie so schwer mit ihr und einer anderen Frau (der Dicken) an einem Tisch zu sitzen. Ihr Verstand würde ihr sagen, dass das ja gut und ok mit der Dicken für meinen Vater ist, aber ihr Herz sträubt sich. Ich weiß, sage ich, ich habe keine andere Wahl als bei dem was auf dieser Bühne hier geht mitzuspielen. Wir umarmen uns feste und es tut sehr gut.

Ihre Schwester kam nicht. Ich textete sie an und fragte ob sie kommen (mein Vater hatte sie eingeladen). Nein, ihr ginge es nicht gut. Die alten Schulfreunde kamen auch nicht. Die Nachbarn auch nicht. Die anderen alten Freunde auch nciht. Es kommt keiner mehr und ich nehme an, sie kommen nicht weil es zu weh tut sie so zu sehen.

Die Dicke war natürlich da. Als später, viel später noch ihre Tochter plus Freund kommen, gehe ich. Eine liebe Pflegefrau von früher war auch da. Und später kam noch die Schwester von meinem Vater. Lange habe ich mich nicht so oberflächlich unterhalten.

Jetzt bin ich fertig, das war ein anstrengendes Wochenende.

Die Sonne scheint. Der Sommer fängt an. Ich krame meine Röcke und Sandalen hervor und freue mich.



Sonntag, 31. Mai 2015
Das Gefühl nicht wahrgenommen zu werden hängt nach. Wir telefonierten heute und sprachen nochmal kurz darüber, dass wir uns immer besser gegenseitig kennenlernen und dass da was passiert. Am Ende sagte er, dass er den Knall aus dem Urlaub aber immer noch nicht verstehen würde. Ich könnte kotzen.

Meiner Mutter geht es zunehmend schlechter, ich war heute dort. Sie kann immer seltener gut schlucken. Krass: sie nimmt mich wahr.