Erst mal Familie aufmischen.
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Ich habe die Tage geträumt, der Ex, der Nerd sei gestorben. Die Ex-Schwägerin-in-Spe schrieb mir eine sms, vielleicht telefonierten wir auch: N. stirbt! Hör doch, N stirbt! Ich raste zum Krankenhaus aber es wurde gerade evakuiert, wegen dem Sturm, die Aufzüge funktionierten schon nicht mehr. Ich rannte mit meinem kaputten Fuß die kleinen Treppenaufgänge auf und ab, fand ihn aber nicht. Dann stieß ich mit meiner Mutter zusammen. Sie arbeitete in diesem Krankenhaus, war voll und ganz mit der Evakuierung beschäftigt. Entsetzt schrie ich sie an: N. stirbt! Mama, N. stirbt! Oh Gott, wie schrecklich, antwortet sie. Mama, ich finde ihn nicht! Und er stirbt! Plötzlich wussten wir beide dass es schon zu spät sei. Alles um uns herum wurde ruhig, ich wunderte mich noch dass sie da jetzt gerade so gesund und agil ein Krankenhaus evakuieren kann und dabei es noch schafft voller Ruhe zu checken wie schlimm das jetzt für mich sein muss dass N stirbt. Es ist so schlimm, erst T., sein Cousin, und jetzt er! Ja, es ist furchbar,
sagte diese Frau, diese völlig wache, gesunde Frau die da mit der Evakuierung des Krankenhauses beschäftigt war. Ich machte drei Kreuze als der Wecker ging. Der Traum war vor drei Tagen.
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Die Ex-Schwägerin-in-spe textete mich heute nachmittag an: mal endlich wieder ein Bierchen zusammen? Ja gerne, sehr sehr gerne. Dieser Typ, diese Familie, das hängt nach, das geht nicht vorbei, damit bin ich verbunden, da hängt mein Herz dran.
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Der Onkel, dem ginge es nicht gut. Ich telefoniere fast zwei Stunden mit ihm und danach habe ich das Gefühl, ich habe was in meiner Familie gerettet. Aber die Geschichte um den kleinen Bruder meines Vaters ist jetzt zu ausschweifend.
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Familie. Du wirst in eine reingeboren, und es gibt diese anderen, die dich aufnehmen. Ich möchte mich als reich benennen dass ich schon jetzt von zwei Familien zu Weihnachten eingeladen bin, nachdem ich nur kurz erwähnte dass ich annehme, dass wir Weihnachten keine Familie mehr sind. Familie ist da, wo eine Mutter ist. Der Winter fängt gerade erst an und ich kann nicht absehen wie kalt es noch wird.
Viel Sport - es wird fast pervers wie fit ich bin - hält mein Herz warm. Und wieder mal erinnere ich mich an damals, als ich auch so durchtrainiert war und der Freundin damals noch erklärte: ich brauche diese Muskeln um mich herum, sonst breche ich zusammen.
Ich mache aus dem langen Arm fünf saubere Klimmzüge, also jetzt nicht so luschi sondern richtig - ja klar, unterbricht mich die Bierfreundin, ich weiß dass du richtig Sport machst, jeder weiß das!.
Zwanzig echte Liegestützen, fünfzig Situps, vier Platten (zwanzig Kilo?) beim Brustmuskel, sieben Kilo beim Armstrecker, zwanzig beim Beinstrecker - ich weiß das gar nicht genau. Ich haue einfach die dicken Scheiben drauf und trainiere neben zwei deutschen Meistern. Wenn neben mir jemand zwanzig Wiederholungen macht, mache ich fünfzig. Ich spüre wie der Muskel schmerzt, ich atme laut, ich stöhne, ich verziehe mein Gesicht, mein zarter Gesichtsausdruck wird hart und ich stemme einfach was da drauf liegt. Eine Wiederholung nach der anderen. Und der Coach schreit mich an, weil ich schon meine nicht mehr zu können und dennoch fünf Wiederholungen schaffe und er auch nichtmals bei der sechsten siebten achten mir das Gewicht abnehmen muss. Kämpfen, ja, kämpfen kann ich.
Ich beginne einen einfachen smalltalk mit dem aktullen dt Meister in dies und das. Er ist nett. Alle in der Muckibude sind nett. Wir smalltalken alle nett, sportlich nett zueinander. Wie alt er sei, frage ich ihn. Es stellt sich heraus dass wir gleich alt sind. Er ist unattraktiv. Meine Lockenpracht in einem Zopf gebändigt stehe ich in meinen engen Hosen völlig sexy mit extrem traurigen Augen vor ihm: wir sind beide 33, du hast immerhin schon was erreicht. Und für einen Moment wissen wir beide nicht wer hier der Gewinner ist.