Schwer verkatert früh aufgewacht, einfach nur irgendwas angzogen und ohne Zähne zu putzen zu meinem Elternhaus gefahren, Schnee geschippt. Sofort danach wieder zurückgefahren, wieder hingelegt, was von der Firma geträumt, gegen Mittag wieder aufgestanden, gefrühstückt, wieder zu meinem Elternhaus gefahren, Mutter gekuschelt, mit der Pflegefrau Kaffee getrunken, beim Gehen noch kurz meinen Vater getroffen, zum Sport gefahren, ohne Schiene trainiert, dem Chef der Muckibude diese runde Wackelplatte zum Sprunggelenkstraining abgequatscht, von ihm noch kurz einen Wirbel einrenken lassen, gespürt dass ich mir schon letzte Woche was am linken Oberarm verzerrt habe, mich vom Coach bekochen lassen, nach Hause gefahren, Müll rausgebracht, Wäsche sortiert, gespült und jetzt einfach nur müde. Unendlich müde, kaputt und traurig. Jetzt nur noch das Konterbier austrinken.

Das Fußballspiel muss gut gewesen sein. Verpasst. Heute ist der zweite Advent. Verpasst. Das We dient der Erholung. Verpasst.




Der Chef von der Muckibude ist ein klasse Typ. Ein super netter Mann. Er teilt non stop aus, ist aber nie verletzend. Ein großer, bäriger Mann. War neulich für zwei drei Wochen nicht da sondern im Krankenhaus, heute war er aber wieder da und ziemlich fit dabei. Er ist oberlustig. Läuft da so rum, trainiert die deutschen Meister, verteilt hier und da einen Spruch, schaut zwischendurch auf mein Fahrrad, drückt einfach zwei mal auf die + Taste damit es für mich schwerer wird mit der Begründung, er hätte da jetzt gerade Bock drauf, lacht laut, schnauzt einen jungen Mann an er hätte einen Buckel, so könne man nicht trainieren, zeigt ihm wie es besser geht, renkt mir zwischendurch einen Wirbel ein, geht in sein Büro ganz hinten und sagt was strenges zu seinem Hund (ein wunderschöner Schäferhund), schreit den deutschen Meister an der Sausack solle sich jetzt mal endlich bemühen und die soundsoviel Kilos heben, steht am Fenster und schaut sich an wer wie falsch parkt, ist immer gut gelaunt, kann alles was man dort können kann, massiert mal eben irgendwelche Muskelverletzungen weg, setzt die Brille auf und schaut auf den Fernseher in den Videotext wie es im Fußball steht, ist Schalker, ist lieb, hat eine nette Frau die er liebt und - und jetzt kommt´s: hat einen supernetten Sohn! Ha! Habe ich mich doch jetzt selbst erwischt ;-) Gehts hier doch letzten Endes wieder mal um einen potentiellen vom-Küchentisch-abholer. (Ich glaube es gibt sogar zwei Söhne, aber ich kenne glaube ich nur den einen.) Dieser ist natürlich auch super nett, kann auch alles was man in der Muckibude können kann, guter Kampfsportler glaube ich, sehr freundlich, ziemlich fit und durchtrainiert, teilt auch aus, aber weniger als sein Vater und ist dabei aber auch nie verletzend. Diese ganze Familie, das sind Leute, die sind einfach in Ordnung. Ob es bei denen nicht auch ein Kreuzchen gibt, ganz nach dem Motto "Jedes Häuschen hat sein Kreuzchen", frage ich mich... Ich weiß nicht genau wie alt der Sohn ist, ich schätze ein kleines bißchen jünger als ich, vielleicht aber auch noch nicht mal dreißig, schwer einzuschätzen. Er ist groß und kräftig, hat große starke Hände (ich liebe es wenn wir uns zur Begrüßung die Hand geben), ein eher kleines Gesicht, kurze dunkle Haare. Heute beobachteten wir uns gegenseitig (bilde ich mir vielleicht auch nur ein). Er schaute neulich schon mal genau hin als ich an den Stahlbalken sprang und Klimmzüge machte. Ich glaube das sieht auch einfach wirklich gut aus. Ich bin schon eher zierlich und dünn als massig muskulös. Die Muskeln an meinen Armen, Schultern, Rücken und Beine sind definiert, man könnte mich quasi zur Anschauung bei einer Physiotherpeutenschule einstellen.
Als ich heute reinkam schaute er mich fast erstaunt an. Ich kam mit offenen Haaren (wilde Locken) rein. Die Leute dort kennen mich fast nur mit Zopf. Das ist dann schon ein Unterschied. Ich glaube er weiß mich nicht einzuordnen und ich habe festgestellt, dass man dort munkelt, ich sei die Affäre vom Coach. Der Coach und ich unterhalten uns auch viel beim Trainieren. Über alles mögliche. Kunst, Gesellschaft, Politik, Literatur, Generationen und manchmal auch über Mann/Frau und Sex. Ein blinder, junger, intelligenter Mann trainiert auch dort. Heute machten wir wieder zwischen jedem Gerät fünfzig Hampelmänner. Letztes Mal fragte der Blinde, was wir da machen würde. Der Coach sagte einfach nur: ficken. Wir lachten. Heute fragte der Blinde wieder nach, weil wir uns zwischendurch Anweisungen gaben und die Hampelmänner variierten. Der Coach stöhnte einfach laut im Rhytmus mit bis ich sagte: komm Baby, sprich´s schon aus was wir hier gerade machen. Er sagte ich würde ihm gerade einen blasen. Wir lachten alle, das ist jetzt Situationskomik, ich weiß nicht ob man das so nachvollziehen kann, aber es war lustig.

Es ist einfach schön dort. Es ist zurzeit mein Lieblingsort. Ich mag die Menschen dort und ich glaube dass es allen anderen dort ähnlich geht. Es ist einfach ein Ort, an dem man Spaß hat, wo es einem gut geht. Und das liegt an der Atmosphäre die dort herrscht und das wiederum kommt eben von dem Chef dort. Als der Blinde heute ging, wollte er noch kurz seine Getränke beim Chef bezahlen und die beiden redeten noch kurz miteinander. Dann führte der Chef ihn zum Ausgang, wo hasse denn deine Schuhe wieder hingestellt?, fragte er ihn, ja hier, ja ja ja, hier hasse, hier ich mach dir die Tür auf, ich habe extra Licht angemacht, fügte er hinzu, damit du wat siehst, is ja schon dunkel. Und der Blinde ging fröhlich raus. Man geht dort immer fröhlich raus.