Da habe ich mich so lange für den großen Jahresrückblick zurückgehalten und jetzt wirds irgendwie stressig. Morgen ist irgendwie gefühlt schon genug Programm und jetzt wollte ich eigentlich ins Bett. Aber mich hielt dann ein Computerproblem auf. Ich habe nämlich aus Versehen das gelöscht, was dafür zuständig ist, dass ich hier am Laptop Ton habe. Jetzt läuft aber alles wieder. Ein kühles Bierchen steht neben mir, jetzt muss ich mir nur noch überlegen wie ich den Jahresrückblick angehe. Chronologisch? Thematisch? (Mir schweben Themenblöcke wie Männer, Familie, Partys, Job vor). Mh. So oder so muss es jetzt schnell gehen, denn mehr Bier wird nicht aufgemacht und ohne mag ich nicht schreiben. Aber der Ansatz, sich kurz und bündig fassen zu müssen - aus welchen Gründen auch immer - ist schon mal gut um sich auf das Wesentliche zu konzentrieren. tbc in a minute.




Genaugenommen läuft in meinem Hinterkopf schon seit einigen Tagen oder vielleicht sogar Wochen das Jahresrückblickprogramm. Und deswegen haben ich den lieben jungen Mann auch gestern angetextet.

Ja was war denn da so in 2012? Der Start ins Jahr war im Bett des kleinen Bruders der Bierfreundin. Es war schön. (Er ist mittlerweile in einer festen, anscheinend gehaltvollen Beziehung und das ist auch gut so.)

Meine Mutter hielt ihren Kopf nicht mehr aus und kam ins Krankenhaus. Ich brach zusammen als ich sie das erste Mal völlig abgeschossen sah. Die Bierfreundin sammelte mich ein. Die Oma mütterlicherseits starb. Mein Vater brach neben dem Grab zusammen. Ich fuhr mit fünfzig Leuten nach Hamburg, besuchte auf dem Hinweg das große Schiff, welches zu dem Zeitpunkt innen ausgebaut und lackiert wurde und mittlerweile schon über die großen Meere schippert. Ich stand neben einem rieseigen nagelneuen Flugzeug, ich sah zum ersten mal die jungen Mädchen die sich auf der Reeperbahn verkaufen und fing irgendwas mit dem alten Mann an. Mein erster Fick über vierzig. Ich war in K*öln auf B*rauereitour.

Ich tanzte in den Mai und nahm den schönsten jungen spanischen Mann mit in mein Bett, der mit den Thrombosestrumpf).

Ich stand meiner Mutter bei ihrem ersten epileptischen Anfall zur Seite und lernte die junge Frau kennen, die den Rest ihres Lebens schwerbehindert bleiben wird.

Ich hatten einen traumhaften Urlaub auf der Lieblingsinsel und habe mich seit dem wieder ziemlich fit trainiert.
Ich tanzte engumschlungen und verdammt heiß bei Kalkbrenner mit der Freundin (die mit den Kindern).
Ich tanzte eine komplette Nacht durch, auf gefühlten hundert Tanzflächen, alles in einer Nacht und versackte bei einem alten Kommilitonen (der übrigens immer noch studiert).

Ich trank zu viel in diesem Jahr. Ich knickte betrunken um und keiner hielt mich fest und der Fuß verdrehte und ich habe gelernt was es bedeutet, wenn der Körper nicht mehr das mitmachen kann, was man eigentlich mit ihm machen möchte. Ich habe gelernt was es bedeutet, wenn irgendwas am Körper über längere Zeit nicht mehr funktioniert.

Ich habe einen Mann für drei Stunden für männerliebend gehalten, dadurch war jeder Flirt im Keim erstickt und so konnte ich mich drei Stunden einfach interessant unterhalten. Der Sex danach mit ihm war der Fick des Jahres. Und da konnte auch später Mr. Erfolgreich von der Arbeit nicht mithalten (Essen mit Chef wurde übrigens abgesagt) und Mr. Megaerfolgreich (2. Ü-Vierzig-Fick btw.) auch nicht. Auch wenn das Date in der Sauna witzig war.

Ich war viel in der Sauna. Und so viel ich mich auch in diesem Jahr vergiftet habe, genauso viel habe ich auch für meinen Körper getan. Ich habe angefangen alleine in die Sauna zu gehen, überhaupt habe ich so viel einfach alleine gemacht. Und es ist ok. Ich weiß jetzt, dass ich das wirklich kann und auch genießen kann.

Noch was zur Arbeit. Ich bin verdammt gut geworden. Endlich genug Mut und Selbstvertrauen mich anders auszurichten. Der Knaller war tatsächlich die Präsi die ich nicht kannte aber spontan halten sollte und dann nicht lief. Ach aber auch mit dem Chef das dicke Projekt, wie viel Vertrauen er mir geschenkt hat.

Naja, zu Weihnachten machte mein Vater dann noch die gr Familienzusammenführung, er, seine Freundin, die Tochter seiner Freundin, ich und vor Kopf am Tisch meine sterbenden Mutter. Nun denn.

Und gerade als ich jetzt aufhören wollte mit dem Jahresrückblick und es mir irgendwie schon spanisch vorkam dass da doch gar nicht so viele ons bei waren, fällt mir noch der eine ein, der junge Mann mit den langen Haaren, also dem Pferdeschwanz, das große Minus im Karmakonto: bester Freund vom Patenkind. Ähem. Ja. Also dann, gute Nacht.

*schäm

Nach einem langen Shoppingtag mit der Lieblingsfreundin mit anschließendem Essen beim Lieblingsitaliener, kam ich kurz auf die Idee noch eben das späte Samstagsspiel gucken zu gehen, ich war ja quasi schon in Fußballkneipennähe. Ich weiß es nicht mehr genau aber ich glaube Schalke spielte und verlierte (man könnte das jetzt recherchieren, ich hätte auch gerade beim Jahresrückblick alles schön verlinken können....aber ist halt hier nicht so.) Nee, Moment, ich recherchiere das jetzt tatsächlich mal eben...tbc

Oh, es war tatsächlich Schalke, aber sie gewannen. Wahrscheinlich war es ein gutes Spiel und ich war deswegen auch gut drauf, so dass mir dann einfiel, dass da ja noch das Abschiedsbiertrinken von einem guten Freund von der Bierfreudin in einer anderen Kneipe (etwas abseits) war, da er nach Berlin ging. Die Bierfreundin war auf Schüleraustausch und so fühlte ich mich irgendwie verantwortlich dort in unserem Namen nochmal eben schnell ein Abschiedsbier trinken zu gehen. Mehr als eins konnte ich aber auch nicht mehr. So schlenderte ich mit meinen Einkaufstüten und dem zu dem Zeitpunkt noch wirklich kaputten Fuß zu dieser anderen Kneipe. Es sollte um neun losgehen und ich war oberpünktlich. Der Freund saß dort mit zwei Männern. Einer wirklich hetero aber Null mein Typ. Der andere so hübsch, dass mir direkt klar war, dass das ein aktueller Lover des Freundes sein musste. Der Freund ist nämlich sehr hübsch und intelligent und in der Szene wohl sehr angesagt. Das ist in meiner Stadt hier mit der gr Uni diese Szene der - ich nenne sie mal "neue möchtegernAvantgarde" - jungen schönen promovierenden Leuten, viele homosexuell, viele bi. Alle unheimlich intelligent und hip. Ich kann da mit meiner Coolness gut mithalten und wer Sowi studiert hat, kommt auch bis zu einem gewissen Grad in deren akademischen Gesprächen gut mit. Also er saß da mit diesen beiden jungen Männern. Ich mag ihn übrigens sehr gerne, wir verstehen uns gut, waren schon mal spontan zusammen tanzen und haben Heteropärchen gespielt und so. Er ist echt in Ordnung. Ich bestellte direkt ein gr Bier, weil für mich ja klar war, dass ich mehr nicht mehr schaffen würde und bei kl Bieren verliert man schnell den Überblick. Wir smalltalkten schnell ne Runde und plötzlich kamen unheimlich schnell unheimlich viele andere Leute dazu. War dann halt irgendwann kurz nach neun. Wir zogen um an einen größeren Tisch und der vermeintliche Liebhaber und ich saßen nebeneinander (wie auch immer das kam). An unserer Ecke stellten wir fest, dass wir uns nicht kannten und stellten und kurz vor. Ich stellte mich einfach als Freundin von [Name der Bierfreundin] vor, die kannten diese Freunde von dem Freund natürlich, [Name der Bierfreundin]!, die große! die Lehrerin!, ach ja genau! und man hielt mich wohl für ihre "Freundin". Ich glaube in einigen Köpfen ging ein Licht auf, warum man die Bierfreudin nie mit einem Mann an ihrer Seite sah und ich hatte Spaß an meiner Rolle. Ich meine, ich habe ja nciht gelogen, nur ein bißchen verwirrt. Wir stellten uns also alle so vor und erzählten diese und jenes, dass die und die und ich uns wohl dann bald beruflich da und da treffen werden usw. Der junge Mann an meiner Seite stellte sich als stillen Vertreter heraus. Ich band ihn natürlich ins Gespräch mit ein. Nach und nach ergab es sich, dass nur noch er und ich uns unterhielten. Er erzählte dass er kreatives Schreiben studiert hätte, jetzt noch Master, Auslandsemester in Frankreich, der Abschluss würde dort auch erfolgen, aber vorher noch ein zwei Semester in H*ildesheim. Ich weiß nicht worüber wir uns stundenlang unterhielten, irgendwas über sein Studium, er sagte mir ein Gedicht auf Englisch auf von (orr Fuck, Name der Schriftstellerin schon wieder vergessen), wir redeten über Familie über einfach alles mögliche. Und ich trank natürlich doch noch ein paar kl Biere weiter. Er auch, obwohl er sonst eher Wein trinke, erklärte er mir. Wir unterhielten uns irgendwann gar nicht mehr mit den anderen sondern waren voll und ganz auf uns fixiert. Und während wir uns da so gut unterhielten und ich weiter Bier trank, dachte ich mir, wie ärgerlich, so ein toller Mensch, so ein toller Mann, und ich kann ihn nicht haben, er steht auf Männer. Irgendwann kamen wir auf das Thema Sex zu sprechen, ich weiß nicht mehr ob er fragte ob ich lesbisch sei, vielleicht im Zusammenhang mit der Bierfreundin oder was, ich weiß es nicht mehr. Ich sagte dass ich das nicht mag wenn man sexuelle Orientierung in Kategorien packt, ich mag einfach Menschen und ich finde es schön, wenn man dann auch körperlich blabla sowa halt (so sehe ich das nun mal wirklich). Mit seinen blauen Augen schaute er mich groß an und verkündete mit seiner lieblich zarten Stimme: wirklich? also ich kann mir gar nciht vorstellen was mit einem Mann zu haben. Ich schaute ihn an, schaute auf mein Bierglas, schaute ihn noch mal an, dachte mir: welchen Teil habe ich jetzt verpasst?, sagte ihm ins Ohr ich hätte das akustisch nicht verstanden weil es hier so laut sei, er wiederholte seine Worte und in meinen Ohren erklang ein Klingeling - Jackpot!!!!!!!!!! Ich blieb natürlich cool. Schaute nochmal auf mein Bier und sagte, dass ich jetzt gleich gehen würde, ich sei den ganzen Tag unterwegs gewesen. Mh, was ich denn zu Hause machen würde, fragte er. Musik hören, Abend ausklingen lassen. Zehn Minuten später saßen wir im Taxi. Ich platzierte ihn auf meine Couch, legte frz Chanchons ein, irgendwann küssten wir uns oder gingen ins Bett. Ich sei so lieb. Du bist noch zehntausend mal lieber, ich mache mir ehrlich gesagt Sorgen, wie du durchs Leben kommen willst. Ich blute dooferweise. Scheiß-timing. Es stört uns nicht. Ich sitze auf ihm und er strahlt mich an. Wir schlafen nicht. Wir reden über seine Narbe am Kopf. Er liegt auf mir, plötzlich so männlich und dennoch zart, er fasst an meine Hüfte. Ich erinnere mich noch genau wie er mich angefasst hat, seine Hand da an meiner Hüfte. Jedesmal wenn ich zum Klo gehe nehme ich Kondommüll mit und dam nächstn Tag gibt es immer noch welche zum Wegräumen. Wir liegen bis Mittags im Bett weil wir irgenwann auch mal schlafen müssen. Ich biete Frühstück an und schmiere ihm Nutellabrote. Er nimmt noch ein zweites. Im Radio läuft Mumford and Sons, I will wait, hör mal, das Lied mag ich. Er kennt es nicht, aber es gefällt ihm. Ich spiele irgendwie die Coole. Er sagt, dass das was besonderes sei, wenn sich zwei so liebe Menschen treffen. Ich platziere ihn mit Zeitung auf den gr Sessel, muss mal eine Runde alleine in Ruhe im Bad verbringen. Gegen Nachmittag fahre ich ihn zu dem Freund. Telefonnummer?, frage ich. Ja gerne, aber ich bin nicht oft hier in dieser Stadt. Aber wenn doch, dann meldest du dich, ja? Ja, auf jeden Fall. Ich fahre in den Park und treffe die liebe Kollegin mit ihrem Freund. Wir sitzen auf der Decke, ich schicke ihm eine sms. Er antwortet. Und dann schrieb ich gestern zurück.