Ich überlege über Weihnachten/Geb/Silvester wegzufahren. Ich hatte auch überlegt dieses We wegzufahren. Alleine. Weil keiner mitkommt. Freunde haben entweder kein Geld, oder keine Zeit oder fahren mit ihrem Partner weg. Eigentlich wie schon im Sommer.
Ich habe für dieses We nichts geplant und gebucht. Und jetzt, als ich gerade für die Feiertage im Dezember kurz über mögliche Ziele nachgedacht und Interessantes entdeckt habe, fällt mir auf, warum ich für dieses We nichts gebucht habe und warum ich vielleicht auf für Dezember nichts buchen werde: ich möchte nicht mehr schöne Momente alleine erleben. Das war genug im Sommer. Ich habe Angst dass es nur noch mehr weh tun würde wieder alleine genießen zu müssen.
Ich bin alleine. Viel zu viel. Viel zu lange mittlerweile. Das war gut, eine Zeit lang, das tat auch gut, eine Zeit lang, und jetzt nicht mehr.
Ich unterhielt mich heute nachmittag lange mit einem Kollegen. Er kam einfach bei mir im Büro vorbei. (Man kommt dort einfach mal bei Kollegen zum Quatschen im Büro vorbei. Irgendwie unterhält man sich eh viel. Alle haben unendlich viel Zeit, kommt mir so vor). Ich mag ihn gern. Es ist der, der mir beim Vorstellungsgespräch am unsymphatischten war und ich habe ein paar Wochen gebraucht um zu checken dass er das ist. Er sah im Vorstellungsgespräch anders aus (keine Brille, Anzug an etc.) und verhielt sich auch anders, unfreundlicher, als im Alltagsgeschäft. Ich habe ihm das neulich erzählt und wir haben gelacht. Jedenfalls unterhielten wir uns heute auch über meine Stelle. Die Stelle ist ja neu geschaffen. Ich gehöre nirgends zu, zu keinem Team, zu keiner Abteilung, ich habe nichtmals einen Chef (zwei quasi-Vorgesetzte, aber die sehen sich nichtmals als diese). Und ich stelle fest: mir gefällt das sehr, diese Unzugehörigkeit. Ich genieße die neue Stelle sehr. Als ich heute morgen mit einem anderen lieben, sehr kompetenten Kollegen einen sehr schwierigen Termin eins a gewuppt habe, tauschten wir uns danach noch aus und es war auch ein sehr gutes Gespräch. Wir thematisierten auch diese Unzughörigkeit kurz und ich spürte wie sehr ich diesen Austausch genoss, der ja auf fachlicher Ebene doch sehr rar ist, eben weil ich nirgends zugehöre und das was ich mache, nur ich mache, alle anderen dort machen was anderes; ich bin wirklich Außenseiter. Oder wie man sagt: Stabsstelle. Der Kollege heute morgen checkte das als ich irgendwann was sagte bzgl wie gut mir der Austausch tut und dass mir das doch manchmal fehlt; dieses verbunden fühlen. Nachmittags mit dem anderen Kollegen ging es dann irgendwann irgendwie wieder um meine Position und wieder kam ich auf die Nachteile bei dieser Postion kurz zu sprechen und er sagte irgendwas und plötzlich wurde mir klar: deswegen auch hat das mit der neuen Stelle geklappt, deswegen bin ich dort auch so gut eben weil ich das gut kann: alleine da stehen, nirgends zugehören, Außenseiter (wie Außerirdischer) sein, eben dieses keinen Platz haben auf dieser Welt haben, dieses alte Gefühl in dem ich mich mittlerweile so gut auskenne. Es kommt mir plötzlich zu Gute da ich das für diesen Job können muss. Irgendwie fügt sich gerade alles. tbc
Ein alter quasi-Kollege aus der alten Firma ist übrigens auch dorthin gewechselt. Er könnte vom Alter her mein Vater sein. Wir sehen uns bei der neuen Stelle selten, er kam aber neulich in meinem Büro vorbei (wie gesagt...man kommt mal einfach Kollegen im Büro besuchen...) Er weiß um die schwierigen Bedingungen im Saftladen und freut sich sehr für mich wegen der neuen Stelle. Er sagt er hätte sein Hobby zum Beruf gemacht und schaut mich fragend an und sagt: Und sie jetzt auch wenn ich das richtig verstanden habe.
Ja.
Ich hätte diese Stelle nie bekommen, ich wäre nie dafür qualifiziert gewesen, wenn ich nicht in meiner Familie diese schwierige Position gehabt hätte, in der ich lernen musstec zu vermitteln, zw vielen verschiedenen Positionen ein Aushandeln zu moderieren. Wenn ich nie Krisen mit mir erlebt hätte und diese bearbeiten musste. Wenn ich nie durch die Hölle gegangen wäre. Wenn ich nicht die sechseinhalb Jahre im Saftladen durchgestanden hätte. Wenn ich mich nicht vom dem ersten Nerd getrennt hätte und das Praktikum am Arsch der Welt gemacht hätte. Die Weiterbildung nicht gemacht hätte uswusf.
Es fühlt sich an wie angekommen, im Job immhin. Die Stelle ist wie gesagt unbefristet, bietet aber unendliche Potentiale in die Richtung in die ich noch gehen wollte. Jobmäßig ist es einfach perfekt. tbc
Und dann liefen gerade ein paar Tränen, als ich das ganze auf mein Privatleben gedanklich übertrug. Bin ich vllt schon viel zu sehr auf Einzelgänger getrimmt und will ich insgeheim vllt deswegen keinen "vernünftigen" Partner finden und lasse mich deswegen nur auf kurzweilige Ficks ein?
Vielleicht sollte ich das einfach zum Programm machen, dieses weiter alleine genießen müssen und dabei dann ein bißchen weinen - überlege ich gerade und denke mir direkt: das ist Quatsch. Lange Zeit habe ich gedacht dass es sehr gut ist dass man alleine glücklich sein lernen muss und dass alleine glücklich sein gut ist. Und jetzt, nachdem ich das eine Zeit lang ge- und erlebt habe, finde ich: es reicht. Es reicht aus. Und ich denke neu: man darf sich jemanden an seine Seite wünschen, der Mensch ist nicht zum alleinsein gemacht. Es ist ok und es ist natürlich. Es ist nicht krank sich jemanden an seine Seite zu wünschen. Es ist nicht krank sich verbunden fühlen zu wünschen.
Auch wenn ich diese Stabsstelle habe, so kann ich mich dort auch verbunden fühlen. Mit der lieben Kollegin, die etwas jünger ist als ich und die wohl zu einer Freundin wird; mit dem Kollegen von heute morgen der einen wirklich krassen Weg hat - der genaugenommen eine Kollegin ist, ganz krasser Umbruch gerade der offen und moderiert und begleitet moderiert wird; mit dem Kollegen von heute Nachmittag, den ich ehrlich gesagt attraktiv finde (viel zu alt!!); mit dem Kollegen, der mir eine Zigarette ohne zu zögern nach dem Essen gab weil ich keine mehr hatte; mit der anderen Kollegin, mit der ich eine lange dienstlich-inhaltliche Besprechung mittags hatte und sie irgendwann ins Private lenkte (sie ist die zweite bei der ich meine Mutter kurz erwähnte) und und und.....
Ich muss mich nicht unverbunden fühlen. Da sind viele Menschen im neuen Job die klasse sind, und die lieben Freundinnen und und und...
Jetzt Füße still halten und darauf vertrauen, dass sich auch die Sache mit jemanden an meiner Seite fügt....Schritt für Schritt....
Wahrscheinlich, wenn Sie am wenigsten damit rechnen. Dann.
Aber krank ist das nicht, das Wünschen.
Nicht mit rechnen und wünschen - das liegt so nah beieinander.