Orrr, ich werde bekloppt wegen dem älteren Kollegen auf der Arbeit! Zum Glück ist gerade nicht Zyklusmitte sondern -anfang, sonst würde ich ja mitsamt den Hormonen völlig verrückt werden und ihn mal eben, während wir ein der langen Flure zusammen entlanggehen, in eine Nische ziehen und vernaschen und könnte gar nicht mehr klar denken! Und ich muss feststellen: klar denken klappt in dem Fall selbst bei Zyklusanfang nicht.
Ich habe ihn mir heute nochmal - genaugenommen mehrmals - genau angeschaut. Er ist klein. Und zierlich. Er trägt immer fünfnulleins plus Hemd plus Pullover. Ich mag das wie er sich kleidet. Er hat leicht silbernes Haar, schon ein bißchen schütter (sagt man das so?). Seine Brille ist rund. Ich kann nicht einschätzen wie alt er ist. Vielleicht irgendwas mit vierzig, vielleicht irgendwas mit fünfzig. Wahrscheinlich irgendwie um die fünfzig.
Wir schauen uns viel in die Augen. Eigentlich immer wenn wir uns sehen. Sei es auf dem Flur, sei es beim Mittagessen mit Kollegen, sei es in einer Besprechung, sei es wenn wir alleine zusammensitzen.
Letzte Woche habe ich ihn angefasst. Wir unterhielten uns zu dritt (wieder mal dieses bei jemandem im Büro vorkommen zum quatschen). Zweimal die Woche sitzt jemand mit in meinem Büro, ein netter Kerl (tbc) - nicht mehr und nicht weniger. Die beiden kennen sich gut und lange, teilen ein Hobby. Der Bürokollege erzählte von einer Situation als der ältere Kollege ihn vor mehrern Kollegen bloß gestellt hatte (so fühlte sich das jedenfalls für den Bürokollegen an) und der ältere Kollege stand da so klein und süß wie er ist und sagte ganz naiv: "ja aber das hattest du doch vorher schon so zu mir gesagt, da konnte ich das dann doch auch allen sagen!" In dem Moment flippte ich aus, sprang von meinem Bürostuhl auf, packte ihn kräftig bei den Schultern und schüttelte ihn. Das war schon irgendwie seltsam wie ich den kleinen zierlichen Mann da so spontan und kräftig packte und durchschüttelte und dabei sagte, dass ja genau das die Sache sei, dass wenn man ihm was erzählt das nicht bedeutet dass man das allen erzählen möchte. Und dass ich das nicht mag wenn - nein, unterbrach er mich, mir würde er ja die Worte im Mund umdrehen! Ja, nein, genau!!!!
tbc in a minute...
Er sieht schwarz und an jeder Wand den Teufel gemalt. Und dabei strahlt er zwischendurch so sehr und sagt von sich selbst, er sei Optimist.
Ein bißchen foppen, das würde doch Spaß machen, sagt er völlig durchgeschüttelt und lachend der Situation entsprechend. Ich werde ernst und sage dass ich das nicht so sehe und dass ich so mit Menschen nicht umgehe und das ich sowas nicht mache und auch nicht möchte, dass man das mit mir macht. Uff, das saß. Ich bin sowas von klar und direkt geworden - nicht nur in dieser Schüttel-Situation sondern generell. Das genieße ich so sehr mit mir. Ich stehe kaum noch neben mir, ich bin fast nur noch ich, voll und ganz.
Danach ging ich nach Hause. Am Tag danach bot er mir das Du an. Als ich bei ihm mal auf einen Kaffee im Büro vorbeiging (habe mich schon eins a dort eingelebt und angepasst :-))
Und ich hätte fast zum ersten mal in meinem Leben ein Du ausgeschlagen. (btw: Mein Nachfolger auf der alten Stelle hat das übrigens mit der ätzenden Kollegin gemacht, hehe.). Ich wurde zögerlich und vorsichtig, und reichte dabei meine Hand und nannte meinen Vornamen. Danach zeigte er mir ein Bild. Es ging darum, dass ich dringend ein aktuelles Foto von mir für das Intranet brauche da das was da gerade angezeigt wird zwar aktuell, aber völlig murx ist. Er fotografiert viel und gerne. Er schlug einen Bildband von einem renomierten Fotografen auf während er erklärte dass er keine Erfahrung hat in Menschen abzulichten und dass er nicht blitzen kann und dann zeigte er mir das Foto in dem Bildband: auf Englisch stand dort erläutert wie man eine El*fe fotografiert. Das Foto ist genial. So irgendwie müsste man mich fotografieren, murmelte er....Ich war baff. Nur das mit der Kapuze könnte man so nicht mit mir machen, fuhr er deutlich und nicht mehr murmelnd fort, dann sähe man ja meine schönen blonden Locken nicht.
Ich war baff weil ich mich erkannt fühlte.
Am Montag fing er mich beim Rauchen ab. (Er raucht auch). Er hätte gemerkt dass ich sehr zögerlich beim Du gewesen werde. Und wir müssen nichts machen was ich nicht will*. Und deswegen hast du das ganze we gegrübelt, frage ich foppend. Er lacht. Ich werde ernst und nicke wissend und schweigend. Er schaut mich fragend an. Ich halte das Schweigen aus bis er nachfragt. Ich sage, dass er das dann jetzt ja gesagt hat was ihn beschäftigt. Mehr nicht. Ich bin so minimalistisch geworden in dem was ich sage oder frage. So geil. Wir haben ausgeraucht gehen rein, er so fragend stehendgelassen von mir. Drinnen halte ich ihn fest und sage, dass ich mir aber das ganze We Gedanken über seinen Streit mit der anderen Kollegin gemacht hätte, weil völlig unnötig. Es handelt sich um die Kollegin die ich mag, eine sehr intelligente Frau, die zweite, der ich von meiner Mutter kurz erzählte (nur der oberaufmerksame Leser kommt jetzt noch mit....). Ich kann das jetzt alles gar nicht mehr aufschreiben aber letzten Endes ist es so: da sind nur Ingenieure. Ich bin eine wirkliche Bereicherung. Und ich werde mittlerweile von den ein oder anderen mittlerweile vertrauten Kollegen schon angefragt in diesem oder jenem Streit zu vermitteln - so auch zwischen den beiden. Man muss sich vorstellen: die ticken da alle so wie mein Vater!! Und nach fast fünfunddreißig Jahren Felderfahrung und ein paar Fortbildungen kann ich von mir behaupten: Ingenieure kann ich.
*Ist das eigentlich so ein typischer Männerspruch wenn Mann eine Frau ins Bett kriegen will? Hatte ich irgendwie sofort damit assoziiert....
Er ist intelligent. Überhaupt: die meisten der Kollegen sind sehr gebildet (in ihrem Fach) und extrem intelligent. Und das tut so gut. Denn sie sind wissbegierig und sie begreifen schnell.
Sie himmeln mich an ob meines Spezialwissens (Stabsstelle - ich bin dort wirklich in meinem Bereich Wissensmonopol). Wahrscheinlich weil meine Kompetenzen so weit entfernt sind von ihrem. Dass ich sie um ihr Wissen beneide, checken sie übrigens nicht. Und dass dort fast nur (leicht) überdurchschnittlich Intelligente rumlaufen macht mir bei meinen Aufgaben so viel Spaß - das macht es so easy meinen Job erfolgreich zu machen. Es ist so herrlich. Nicht mehr diese vielen Hohköppe wie in der alten Firma..
Also der ältere Kollege. Ich bin so vorsichtig, so skeptisch. Triggert mich da irgendwas an? Ich bin hellwach und klar.
Anfang des Jahres hatte ich diesen tollen Trip nach HH, als ich diesen einen alten Kollegen kennenlernte mit dem ich mich so verdammt gut verstand und was hängen blieb: er war verdammt bemüht gut zu sein, auch mit seinem Körper denn er hatte irgendwo aufgeschnappt, dass Mädchen im Alter von ca. acht Jahren ihren Vater genau beobachten und sich in dem Alter ihren Männertyp generieren. Und seine Tochter ist gerade in dem Alter. Und jetzt schau ich mir den älteren Kollegen an. Und ich bin erinnert an meinen alten Chef. Und ich könnte noch den Ami von damals als ich sechszehn war aufzählen (und auch den Ami aus dem Sommer) und noch den ein oder anderen und .-----------to put it in a nutshell: mein Vater auch, klein und zierlich, fünfnulleins und so....und hilfsbedürftig (Job den meine Mutter immer übernommen hatte.
Orrrrr, ich sag ich: ich werde noch bekloppt!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!
(Der ältere Kollege lud mich zum Kaffee bei sich ein, nachdem wir gestern und heute nur zusammen rauchen waren...)
Weiter gehts.
Ich weiß mittlerweile dass er Anfang fünfzig ist. Mein Bürokollege hat das erzählt, nachdem er mir aufgrund meines Single-daseins-Gejammere sagte, dass der ja auch Single sei. Ich habe ganz cool geantwortet, dass er zu alt sei für mich. Jetzt frage ich mich natürlich ob ihm das zufällig so einfiel, dass der auch Single ist oder ob die über mich gesprochen haben. Naja, egal. Ich habe mir jedenfalls ihm gegenüber nichts anmerken lassen.
Ich selbst merke mir aber was an: große Freude wenn ich ihn sehe. Jeden Blick in die Augen, jedes ausgetauschtes Wort, jede Sekunde Nähe mit ihm genieße ich unglaublich. Sowas hatte ich wirklich lange nicht. Jahre.
Cool bleiben. Den ganzen Winter über.
Orr, er macht mich wirklich verrückt und da mittlweile die Zyklusmitte erreicht ist, konnte ich gestern (oder vorgestern) nicht anders, als ihn anzufassen. Ich musste ihn einfach anfassen. Ich warnte ihn, dass ich ihn gleich wieder schütteln müsste (aus dem Gespräch heraus, er fing an was zu erzählen wie er ein bestimmtes Projekt angeht und ich sehe das völlig anders). Und dann war es soweit und ich sprang auf, diesmal nicht so dynmisch wie letztes Mal und eben auch mit Vorwarnung, und ich sprang auf und machte einen Schritt zu dem Stuhl auf dem er an meinem Schreibtisch saß und packte ihn wieder bei den Schultern. Meine Güte, ist er knochig. Ich war so erschrocken darüber, dass mein Schütteln deutlich harmloser ausfiel als letztes Mal.
Und überhaupt: ich kann mich auch kaum noch zurückhalten zu flirten. Wir hatten irgendwas dienstliches geklärt und er wollte aufstehen und gehen. Ich sagte spontan: Nicht gehen! und wir schauten uns an und lachten und ich schob hinterher: omg, habe ich das jetzt wirlich laut gesagt? Wir lachten die ganze Zeit. Und er blieb natürlich. Irgendwann gingen wir zum Abschluss noch eine rauchen und verabschiedeten uns auf dem langen Flur in zwei verschiedene Richtungen und ich musste ihn wieder berühren, am Arm irgendwie.
Wir lachen viel zusammen. Wir strahlen uns nonstop an und lachen und reden und überlegen (über Projekte) und schweigen nachdenklich zusammen und lachen wieder usw. Mein Herz hüpft. Fange da nichts direkt an, sagt die Lieblingsfreundin mit Nachdruck, schaue ihn dir genau an, mindestens bis Ende der Probezeit, lerne ihn kennen - sowas geht bestens auf der Arbeit. Und weiter: das ist nicht irgendein Typ den du dir jetzt schnell klarmachen musst, auf der nächsten Party weil sonst weg(vergeben), nein, er ist da, jeden Tag auf der Arbeit, bei deinem tollen neuen Job, der Typ ist über fünfzig, für den bist du ein sechser im Lotto, der wird abwarten, genieße einfach. Die Lieblingsfreundin kennt mich gut. Und Männer. Und mich und Männer. Und so genieße ich. Ich saß heute in seinem Büro, wir besprachen was dienstliches, und ich genoß einfach, einfach da mit ihm zusammen zu sein, zusammen zu arbeiten, zu lachen, zu überlegen. Ich genoß es wie einen schönen Moment auf der Trauminsel.
Es ist, als spiele mir der neue Job in so vielen Bereichen einfach zu. Mit dem Trinken zb, da reiße ich mich seitdem wirklich zusammen, und es fällt kaum schwer. Einfach deswegen, weil der Job so klasse ist und ich so gern dort die Probezeit überstehen und dort bleiben möchte. Und mit dem Männerding auch: wahrscheinlich schaffe ich es endlich mal wieder (seit Jahren) eine interessante Begegnung einfach erst mal wirken zu lassen, einen Mann einfach erst mal kennenzulernen und nicht direkt ins Bett zu ziehen. Herrlich.
Und damit mein Kopfkino nicht völlig ausartet, stelle ich mir auch keinen Sex mit ihm vor. Ich schaue ihn an, genauestens. Das Gesicht, seinen Körper, seine Körperhaltung wenn er dann doch irgendwann nach tausend Klingeln ans Telefon geht, seine Arme, wenn er seine Ärmel hochschiebt, seine zierlichen Hände. Seine Finger. Seine Fingernägel. Frage mich, wie sich das anfühlen würde wenn er mich anfassen würde. Frage mich, wie zart sein Körper sein mag. Frage mich, wie sich eine Umarmung anfühlen würde. Frage mich, wie es sich anfühlen würde mein Gesicht an seins zu kuscheln. Frage mich, wie er nackt aussieht. Wie sich das anfühlen würde, ihn nackt zu spüren. Und ob da eine Zukunft möglich wäre und wie die aussehen könnte.
Wir gehen einen der langen Flure zielstrebig entlang. Ich lache ihn an. Was ist jetzt, fragt er. Gestern (oder vorgestern) in so einer Situation entschuldigte ich mich, heute sagte ich, dass nichts sei, dass ich mich einfach freuen würde.