Ähem, in Schleife: Tim Ben*zko Seidener Fa*den
Meine Mutter. Mama? *Umarmung, Nähe. Stunden später. Mama? Umramung, mein Vater sagt während er sie liebevoll umarmt: schau mal, *** ist da! Später: Umarmung, Mama?. Stunden später. Mama, ich gehe jetzt. Mama? Mama???? - Jaahaa???? - in einer leicht genervten Attitüde.
Man mag sagen ich spinne. Aber ich weiß: sie hat mitbekommen dass es mich gibt und dass ich da bin. Ich antworte ihr, dass es mir doch so gut tut wenn sie mir antwortet. Ich umarme sie zum Abschied und sie versucht mir ein Küsschen schnell auf die Wange zu geben, so als letzte Möglichkeit irgendein Zeichen abzugeben.
Verstummt all die guten, stundenlangen Gespräche. Damals nachts auf der Treppe wenn wir uns dort fast zufällig trafen weil wir beiden nicht schlafen konnten. Oder nach der Diagnose, als wir wussten dass wir jetzt noch alles schnell bereden müssen was wir irgendwann vielleicht mal bereden wollen. Alles verstummt. Nur noch mein nerviges Gefrage "Mama?". Nur noch ihr letztes Aufbäumen.
Und ich stelle fest: ich habe immer noch nicht wirklich begriffen dass wir uns nie wieder unterhalten werden können. Es tut so weh. Auch wenn ich mittlerweile daran gewöhnt bin - an was bin ich überhaupt gewöhnt????? - es tut weh. Und sie fehlt mir so sehr. Sie fehlt mir so sehr. Und jeder Atemzug hängt am seidenen Faden. Ob sie keine Winter mehr will? Ich auch nciht.
Ich stelle fest dass ich es am meisten genieße mit ihr und meinem Vater allein zu sein. Dienstags möglich. Kein Pflegepersonal da. Nur wir drei. Nur die beiden und das Produkt ihrer einmaligen Liebe.
Ich treffe die Pflegefrau (heute ihr freier Tag) zufällig im Treppenhaus. Ein herzlicher und kurzer Smalltalk. Sie ist wirklich ok. Ich werde die Freundinnen die Tage nochmal anfragen ob sie noch schicke Klamotten ausortieren wollen. Für die Pflegefrau ein Fest wenn sie bei Heimreise über die Feiertage ihren Töchtern was mitbringt aus Deutschland. Und meine Freundinnen sind shopping-süchtig. Letztes mal gab es feine Fummel (noch mit Preisschilder die ich dann natürlich abgerissen habe) mit auf dem Heimweg und sie hat sich sehr gefreut. Ich kann das so verpacken dass es nicht von oben herab kommt. Ich erzähle dann dass die beste Freundin aufgeräumt hat und mir das nicht passt weil meine Taille zu kurz ist oder so. Das geht klar. Und ich bin doch einfach nur froh dass da eine liebe Frau sich herzlich tagtäglich um meine Mutter kümmert.
omg, was mache ich hier eigentlich seit Jahren durch??? Zehn Säcke voll Gold für ein weiteres Gespräch mit meiner Mutter. Oder um sie einfach jetzt anrufen zu können und von der neuen Stelle erzählen zu können. Was mache ich hier überhaupt mit? Achja, jetzt fällt es mir wieder ein: da gab es keine Auswahl-----------