Küche geputzt. Oder vielmehr die Truhenbank aufgeräumt. Frische Tischdecke rausgesucht, Kissen gewaschen. Ich bin jetzt immer so früh zu Hause, erzähle ich meinem Vater, ich weiß gar nichts mit den langen, einsamen Winterabenden anzufangen. Tränen in den Augen ob meiner Einsamkeit. Ja aber ist doch gut, antwortet er, renoviere deine Wohnung oder so, mache Sachen zu denen du sonst nie gekommen bist; und weiter: es ist so wichtig und gut dass du nicht mehr angekotzt und völlig fertig von der Arbeit kommst.
Er habe sich ein Monatsticket für Dezember gekauft, eins, das ab neun Uhr gilt. Er werde einfach keine Termine (beim Arzt oder Physiotherapeuten) vor neun machen und hat sich das genau ausgerechnet. Es sei besser mehr mit der Bahn zu fahren, vor allem jetzt, wenn man in der Stadt noch auf dem Weihnachtsmarkt einen Glühwein nimmt. Du musst dich erst mal an dein neues Leben als Renter gewöhnen, umorganisieren, was? Ja.
Die liebe Pflegefrau ist schlicht gestrickt, stellt er erneut fest. Doch hat er sich vor ein paar Monaten noch darüber aufgeregt, sieht er jetzt was sie alles gut macht (-> meine Mutter pflegen) und organisiert sich um, versteckt zb Vorräte von Pflegemitteln für meine Mutter (ich erspare dem Leser Details) weil er weiß, dass sie nicht rechtzeitig vor Ende des Verbrauchs Bescheid gibt.
Er war im Krankenhaus am Samstag, erzählt er mir gestern Abend am Telefon (btw: wie ist der Tatort ausgegangen?? Nicht dass ich den gut fand, aber das Ende würde mich jetzt ja doch noch interessieren...). Für einen kurzen Moment bin ich verletzt, dass ich das erst jetzt erfahre, dass er hohes Fieber hatte aber später wird mir klar: wir belästigen uns gegenseitig nicht mit "um den anderen kümmern" wenn wir auf andere (in dem Fall seine Freundin) zurückgreifen können. Wir rufen uns erst zur Hilfe, wenn es hart auf hart kommt. Wenn wir alleine keine Entscheidungen mehr treffen können. Wenn wir uns wirklich brauchen.
Vater-Tochter-Beziehungen sind unglaublich und einmalig. Und wahrscheinlich für beide unendlich wichtig. Ein Leben lang.
Ich überlegte direkt vor Weihnachten wegzufahren, zu verreisen. Heute fiel mir ein: ab ersten Weihnachtstag, ok. Aber Heiligabend werden mein Vater und ich zusammen mit meiner Mutter verbringen. Wir fangen morgens um sieben an und gehen zusammen einkaufen, die letzten Sachen, das was man frisch braucht und Blumensträuße für die alte liebe Nachbarin von meinem Elternhaus und für meine lieben Nachbarn oben. Wir sind verkatert und haben beide eine Fahne, sind aber die ersten im Einkaufszentrum. Und wenn ich genau überlege: ich will auch am ersten Weihnachtstag mit ihm zusammen sein. Zusammen kochen, einen guten Aperitif nehmen, in der Küche, er mit weißem Hemd und Schürze, ich liebe diesen Moment wenn das hervorragende Essen brutzelt, wir in der Küche (klein, keine Sitzmöglichkeiten) stehen, einen formidablen Drink in der Hand halten, er mir in die Augen schaut und sagt: Frohe Weihnachten.
Aber ich muss was planen für danach, meinen Geburtstag (omg, es wird die fünf..) und Silvester. tbc
Ich werden nicht alleine verreisen. Ich schaffe das nicht nochmal in diesem Jahr alleine zu genießen, ich schaffe serendypity nicht nochmal. Klar ist es toll, klar lernt man interessante Menschen kennen, erlebt viel, aber es bleibt dann doch dem Zufall überlassen ob man zauberhafte Momente teilen kann oder alleine genießt. Ich habe heute was passendes dazu gelesen: "Happiness ist only real, when shared."....Ein Trip in die Sonne täte mir gut, wird aber vorraussichtlich nicht möglich mit Begleitung. Möglich wird aber Sonne im Herzen, Menschen treffen mit denen ich mich verbunden fühle. Ich stelle fest: meine Freizeit mag ich nur noch alleine oder mit Menschen, mit denen ich mich verbunden fühle, verbringen. Gestern was Trauriges gespürt: mit der Bierfreundin fühle ich mich nicht mehr verbunden. Sie erzählt viel...ich komme kaum zu Wort....und ich stelle fest: sie weiß weder was für einen neuen Job ich mache noch was ich sonst so treibe. Sie hört mir nicht mehr zu, schon lange nicht mehr, schon das ganze Jahr nicht mehr. Ich mache mir Gedanken was Freundschaft für mich bedeutet. Und ich höre mit wem und wie sie ihre Freizeit verbringt. Und ich merke: da sind Welten zwischen unseren Wahrnehmungen und Bedürfnissen. Es ist so verändert zwischen uns seit ihrer neuen Beziehung. Und ich frage mich, ob ich zu viel erwarte. Und ich denke mir: ich kategorisiere nicht zw zu viel oder richtigen Erwartungen, ich gehe nur nach meinem Gefühl vor. Und nach einem ganzen Tag mit ihr bin ich depri, mag am Ende des Tages kein Bier mehr mit ihr trinken. Ich weiß irgendwas ist nicht richtig an meinen Wahrnehmungen, liebt sie mich doch sehr, sind ihre Anmerkungen zu dem einzigen Thema was ich erzählen durfte (der ältere Kollege) doch bereichernd. Aber mir fehlte es an verbunden fühlen gestern, wie schon seit Monaten. Es fühlt sich an, als sei ich nur noch die (Freundin), mit der man gut in die Sauna gehen kann, so wie andere (Freundinnen?) gut sind um sich auf ein Bier oder zum Häkeln zu treffen (bin ich nicht). Irgendwie opportunistisch.
Ähnlich fühlt es sich auch mit einer anderen Freundin an, die über die Lieblingsfreundin erfuhr, dass ich Bock auf Lissabon habe. Sie textet mich an, dass sie dabei sei. Sie schafft es nicht anzurufen, oder dass man sich vor Weihnachten trifft, denn sie ist total verplant ("Da ist dieser großer Bekanntenkreis der bedient werden will") Ich könnte kotzen. Mit mir Urlaub machen scheint attraktiv, was ich immer so erlebe. Ja, aber ich erlebe das auch nur, weil ich mich treiben lasse und ----------so irgendwie.
Die Freunde mit den kl Kindern sind mir im Moment am Liebsten. Da ist die Freundschaft kein Mittel zum Zweck, da spüre ich wirklich Liebe (tbc)
Was so klasse ist: die beiden Kinder spiegeln das total. Wenn ich bei ihnen vorbeikomme und die Freundin vorher erzählt hat dass ich vorbeikomme, stehen die Kinder schon lange vorher an der Haustür (aus Glas) und warten. Dann fallen sie über mich her. Samstag abend saß ich mit dem kleinen Mädchen zusammen auf der Couch vorm Sandmann. Wir starrten beide auf den Fernseher und irgenwann schaute sie mich an, streichelte meinen Arm und strahlte mich an als wolle sie sagen: schön dass du da bist. Meine Freunde gingen zu einer gr Familienfeier und da es eine Familienfeier war, waren keine Großeltern zum Babysitten verfügbar. So blieb ich bei ihnen auf der Couch. Das kleine Mädchen schlief tief und fest, wachte nicht auf, ich fand das Bier im Keller und häkelte ein Kleidchen für das nackte Püppchen.
Irgendwann schlief ich nach ein paar Bieren das Babyphone anstarrend auf der Couch ein. Stunden später wurde ich streichelnd geweckt. Ich konnte gar nicht nachdenken oder realisieren, ich spürte einfach nur vier Hände liebevoll meinen Körper streicheln. Ein liebevolles über mich herfallen.
Für den Geb und Jahreswechsel gibt es mehrere Möglichkeiten: der Ami kommt nach Europa, die Freundin aus Frankreich, die Traumfrau aus dem Studium. Dreimal soul-mate. Ich werden anfangen zu planen.
Wegen allein verreisen: Läuft denn nicht eh noch Ihre Probezeit?
Tatort: Die beste Freundin war's. Aus Eifersucht. Weil sich der Typ, in den sie verknallt war, abends in der Disco vor ihren Augen an das später tote Mädchen herangemacht hat. Da ist sie sauer abgezogen (aber vorher noch ein Foto von Nadine von deren Handy an deren Vater geschickt, damit der mitbekommt, wie sein Herzblatt feiert und säuft). Später hat der Typ das Mädchen vergewaltigt (war nicht das erste Mädchen, das er vergewaltigte) und wollte sie anschließend nach Hause fahren. Sie ließ sich aber mitten in der Nacht lieber da am See absetzen, damit er nicht mitbekommt, aus welcher Gegend sie stammt. Blöderweise war ihr Akku alle, sie rief dann aus der Telefonzelle die Freundin an, damit sie sie abholt. Die kam auch irgendwann, aber es gab Streit wegen des Typen. Sie hat Nadine geschubst, nachdem die gegen den Poller knallte, glaubte die Freundin, sie sei tot und stieß sie ins Wasser.
Der Vater kam in U-Haft, weil er den Ex-Freund seiner Tochter halbtot geprügelt hatte. Die Ehefrau des Kommissars hatte den Autounfall wahrscheinlich überlebt und bekam erst danach das Genick gebrochen. Vermutlich vom Unfallverursacher.
Vielen Dank für die Zusammenfassung!! Auf die beste Freundin wäre ich nicht gekommen....
Ja richtig, bin noch bis Ende Feb in der Probezeit, aber der Laden ist ab dem We vor Weihnachten bis zum 2.1.14 dicht. Ich feiere da offiziell Überstunden ab....
Die Sache mit der Probezeit ist eh son Ding...ich habe Angst die ganze Sache zu vermasseln. Nicht wegen meinen Tätigkeiten - ich mache den Job wirklich eins a, sie haben sich wirklich für die Richtige entschieden. Genau genommen staunen alle non-stop was ich alles mache. Ich fülle die Stelle wirklich optimal. Realistisch betrachtet muss ich mir keine Sorgen machen.
Im letzten Urlaub auf der Insel saß ich einen Abend mit einem lieben Typen zusammen. Er ist Deutscher und wohnt dort. Ich lernte ihn im Juni kennen und wir verstehen uns gut. Er isst jeden Abend im selben Restaurant, dorthin wurde ich eingeladen und so lernten wir uns kennen. Das ist mal ein uriger Typ! Riesengroß, wirklich riesig. Und kräftig dabei. Haare, Bart, Augenbrauen, alles wächst wuchernd und borstig. Man könnte ihn für einen gestrandeten Wrestler halten. Und dann sind da diese lieben Augen. Und er zieht liebe Menschen aus der ganzen Welt an. Das italienische Pärchen mit dem Baby zb - sehr nett. Als ich im August wieder dort war ging ich in sein Restaurant, er freute sich, war überrascht, hatte mich doch erst im September wiedererwartet. Nach dem Essen saßen wir draußen, beobachteten die Leute die dort flanierten. Ich erzählte von dem neuen Job. Ja, das hört sich an als wenn das alles genau richtig ist, das wird klar gehen. Und weiter sagte er nach einer kurzen Pause: nur das mit dem Trinken, das könnte dazwischenkommen. Ich habe die Situation noch genau vor Augen, wie wir da saßen, wie wir feststellten, dass alles gut ist und wie ihm auffiel, dass ich zu viel trinke. Und wie mir das zum Verhängnis werden könnte.
War ich die ersten Wochen im neuen Job so geflashed von den vielen neuen guten Eindrücken, war ich im September und Oktober dadurch so abgelenkt, kehrt langsam ein trauriges Restgefühl ein. Es ist nun mal so: ist das Problem Nr eins gelöst, rückt nach erster Eurphorie das Problem Nr zwei vor auf Platz eins. Und so trinke ich doch wieder viel zu viel und viel zu oft - halt immer, wenn ich hier alleine abends an meinem Platz in meiner Küche sitze, ich keinem von dem tollen Tag auf der Arbeit erzählen kann, niemand da ist mit dem ich mich verbunden fühle, niemand da ist, der mich hier abholt. Es ist tatsächlich so wie mein Herr Psychologe als These anbot: es ist der fehlende Partner.
Heute Nacht war ich aufgewacht, gegen drei, ich schlief auch nicht mehr richtig ein. Zwischendurch stand ich auf und kam abgekühlt zurück ins Bett. Wie sehr sehne ich mich danach, mich in so Momenten einfach wieder an jemanden ankuscheln zu können.
Nun denn. Vielleicht wird da bald wieder jemand sein, vielleicht nicht. Es ist ungewiss.
Ja, das ist mir auch schon oft aufgefallen, dass Sie heftig was wegschlucken und fand es insgeheim auch ziemlich erschreckend. Als Single kann ich Ihre Traurigkeit wegen des fehlenden Partners gut nachvollziehen. Ich fürchte, das Trinken kann Ihnen nicht nur im Job zum Verhängnis werden. Trinker sind für die meisten Menschen als Partner nicht sonderlich attraktiv, das schreckt ab.
Es ist jetzt nicht sooo schlimm wie sich das hier liest, bzw: es war schon mal schlimmer. Seit der neuen Stelle ist es wirklich weniger geworden, weil mir nicht wie bei der alten Stelle egal ist in welchen Zustand ich da morgens auftauche. Der neue Job ist so klasse, da möchte ich gerne gut und fit sein und auftauchen. Und ich möchte auch nie in den Therapiezustand geraten, dass ich gar nichts mehr trinken kann. Die Lieblingsfreundin erläuterte das mal: sie möchte nicht, dass wir später keinen guten Rotwein zusammen trinken können, weil ich trocken bin.
Der Vater von der Freundin mit den kl Kindern ist schwerer Alkoholiker - auch mit ihr habe ich gute Gespräche über Konsum. - Ich kippe nicht verstandslos in mich hinein, ich beobachte das schon genauestens. Ich erinnere mich an früher, als ich en masse und täglich rauchte und ich fragte mich damals, wie ich das den Rest meines Lebens machen will, wenn ich mal arbeite, wenn ich mal Mutter sein werde. Ich pausierte nie (wie die anderen), ich zog immer durch. Und ich hielt mir bewusst vor Augen dass ich Drogen nehme, nonstop, und dass ich deswegen nicht untergehen darf. So hielt ich alles durch, Abi, Studium. Im nachhinein glaube ich sogar das ich genau deswegen alles geschafft habe, eben mit dem Gedanken: du nimmst Drogen, Achtung! deswegen nicht untergehen. Das spornte mich an zu lernen und alles in Regel(studien)zeit zu schaffen. Und dann kam plötzlich der Tag, seitdem ich keine Lust mehr auf das Gefühl der Betäubung habe. Und ich denke im Nachhinein: ohne diese Decke die sich jeden Abend über all die schweren Gedanken gelegt hatte, hätte ich diese Zeit nicht überstanden. Ich mache mir keine Vorwürfe dazu, ich bin froh dass ich diese schlimme Zeit (in meiner Familie) überstanden habe und dabei auch Schule und Studium gewuppt habe. Im Nachhinein: es grenzt an ein Wunder dass ich nicht untergegangen bin. Bei der Biografie hätte ich auch gut in der Gosse landen können.
Ich spreche auch immer wieder auf der Couch das Trinken an. Er verurteilt es nicht. Und ich halte ihn für gut (und ich habe einige kennengelernt...).
Letzten Endes: ich habe es im Blick. Wahrscheinlich wird alles gut gehen. Und danke für den Hinweis. Nach dem Hinweis, dass es meinen Traumjob ruinieren könnte, bin ich dankbar für den Hinweis, dass es auch eine großartige Beziehungen verhindern könnte. Step by step....
Dass Sie sich dessen bewusst sind und es im Blick haben, zeigt sich schon daran, dass Sie es thematisieren (und die Flaschen mitzählen). Ich fand es auch deshalb erschreckend, weil es eben nicht mehr nach Genuss klang, sondern nach Betäubung wegen des Jobs. Es fiel mir aber auch auf, dass es seit der neuen Stelle weniger wurde. Gibt es vielleicht Alternativen, was Sie stattdessen tun könnten, wenn abends daheim die Einsamkeit und Traurigkeit kommen?
Häkeln hilft recht gut. Bild vom aktuellen Projekt folgt in Kürze.
Aber an manchen Abenden ist es auch so, dass ich das will, das Gefühl und dann halt die Betäubung dazu....Ich kann mich ein paar Abende ablenken, aber dann irgendwann will ich das auch spüren.
"Vater-Tochter-Beziehungen sind unglaublich und einmalig. Und wahrscheinlich für beide unendlich wichtig. Ein Leben lang."
Hach... <3
Ja, das ist schön. Und eine gr Verantwortung. Auf beiden Seiten, denke ich mittlerweile...