Ha! Der ältere Kollege war gar nicht beleidigt, vielmehr dachte er, ich sei beleidigt! Eigentlich auch total begründet, denn das war ich ja auch und er hatte angefangen mit doofen Spruch drücken. Aber von vorne:
Ich erzählte kurz dem Bürokollegen (der ihn ja besser kennt), dass ich annehme dass er beleidigt sei. Ach, du machst dir um zu viele Sachen einen Kopf, warum soll der denn beleidigt sein, wegen [unwichtige Situation]? Ich ließ vorsichtig durchblicken, dass ich den älteren Kollegen mag
Natty - Change. now playing
Vielleicht wird doch alles gut. Neuer Zyklus, neues Glück!
Und da sitzt er beim essen, ist schon fertig, ich setze mich genau gegenüber, überlege zu füßeln, er bleibt sitzen, ich esse, wir reden, zwei andere Kollegen sind dabei, das Gespräch ist gut und wir lachen. Nach ersten vorsichtigen Blicken strahlen wir beide uns an wie sonst. Ich liebe es in seine braune Knopfaugen zu schauen. Danach rauchen wir zusammen, er überlegt was er mit mir bereden wollte, ich merke er stellt irgendwas zurück und schiebt ein dienstliches Thema vor. Ihm ist kalt, ich habe meinen warmen Mantel an. Ich überlege ihn in meinen Mantel einzuladen, dieser kleine zierliche Mann passt locker noch in meinen Mantel, nach der Zigarette gehen wir also rein, stehen im langen Flur und reden weiter. Wir haben so viel zu bereden, zu erzählen. Im unendlich langen, leeren Flur stehen wir angelehnt an der Wand und reden. Mein Büro ist nur zwei Türen weit entfernt aber wir kommen nicht auf die Idee dort reinzugehen - dort sitzt der Kollege. Wir beiden kleinen Menschen stehen da auf dem langen Flur. Ein lieber Kollege kommt aus seinem Büro, neben welcher Tür wir stehen. Zwei drei liebe Sätze zu dritt ausgetauscht, dann sind wir wieder alleine. Ich erzähle von meinen Projekten, er von seinen, es geht um die Schnittstellen. Ich genieße. Schließlich schlendern wir Richtung meine Bürotür. Plötzlich kommen wir auf die Situation am Mo zu sprechen, quasi im letzten Moment in dem man noch was zusammen alleine bereden kann. Ich weiß gar nicht mehr wie wir darauf kamen, ich glaube ich habe das Gespräch dahingelenkt (ich kann dort so easy Gespräche lenken, da sind nur Ingenieure und Naturwissenschaftler, die können einfach null Kommunikation). Ich sage aber nicht viel. Ich sage generell nicht mehr viel. Er fängt direkt an sich zu erklären. Er war Dienstag krank (war Mo schon kränkelnd) und hatte Mi volles Programm (wusste ich ja). Ich sage dass er sich nicht vor mir rechtfertigen muss. Und irgendwie rutscht mir raus, dass ich dachte er sei sauer auf mich. Er ist erstaunt. Er hätte es genau umgekehrt gedacht. Ich habe die Türklinke in mein Büro in der Hand, wir schauen uns an, beide überrascht ob dieses Sachverhalts dass jeder dachte der andere wäre beleidigt und er sagt dass wir das noch bereden werden. Völlig neben mir stehend gehe ich in mein Büro, sage dem Kollegen, dass er nicht sauer ist.
Die Lieblingsfreundin sagt später kurz am Telefon: ja, war ja auch so, du warst sauer. Wieso kommst du überhaupt darauf dass er sauer sein könnte? Er war doch der, der zuerst ätzend war.
Ich schaue in seine braune Knopfaugen. Ich will einen Schritt näher gehen. Ich will vorsichtig meinen Kopf an seinen lehnen. Ich will von seinen Händen angefasst werden. Ganz vorsichtig. Ich will seine Nähe spüren. Will meine Hüfte vorsichtig an seine schieben. Und tief durchatmen. Und mich fallen lassen.
Freitag kurz vor Feierabend (im öffentlichen Dienst....) komme ich auf die Idee mit ihm noch Kaffee zu trinken. Er setzt einen Kaffee auf, ich komme ich sein Büro, setze mich auf meinen Platz und wir trinken zwei Stunden lang Kaffee. Wir haben so viel zu bereden, die zwei Stunden fühlen sich an wie ein Tropfen auf einem heißen Stein. Er sagt, er sei überrascht gewesen dass ich dachte er sei sauer auf mich, denn er glaubt nicht, dass ich ihn verärgern könnte denn dazu würden zwei Dinge gehören: Boshaftigkeit und noch irgendwas und das könnte er sich nicht vorstellen, dass sowas von mir kommen könnte. Vielmehr sei er traurig und verletzt gewesen, [so fühlte ich mich] denn er hätte gemerkt dass er was gesagt hätte was mich verstört hätte und er wüsste nicht was das gewesen sei. Ich bin erstaunt. Sage was es war und wir dröseln die Situtation kurz auf. Es ist gut. Es ist ein gutes Gespräch. Ich sage wenig. Er erzählt worüber er sich Gedanken gemacht hatte, besonders in der letzten Woche, nämlich dass er merkt dass er manchmal Sachen sagt, die andere verletzten obwohl er das so gar nicht meint, er aber überlegt hat, dass er das macht wegen Distanz. Um Distanz herzustellen? Oder aufrechtzuerhalten? Oder wie? Frage ich völlig klar im systemischen Modus. Herzustellen und aufrechtzuerhalten, antwortet er völlig reflektiert und weiter sagt er dass er das aber gar nicht möchte, er möchte gar keine Distanz, er möge mich sehr gern--------mein Herz schmilzt dahin. Er zieht seinen Pullover aus, steht auf, legt ihn auf seinen Schreibtischstuhl, ich starre ihn, beobachte völlig hin und weg wie dieser (alte!) Mann sich vor mir auszieht und ich erwische mich dabei wie ich seinen Körper anstarre, versuche irgendein Stück Haut zu sehen, auf seinen kleinen Hintern in der coolen Jeans starre während er sich da vor meinen Augen bewegt. Wir schauen uns in die Augen. Ich schaue in seine kleinen Reh-Knopf-Augen, er in meine anscheinend leuchtend Blauen. Tiefe Blicke.
Ich kann nicht einschätzen ob alles verdammt gut oder verdammt in die falsche Richtung läuft. Ich weiß nur ich muss die Füße still halten. Und noch weiter mindestens eine Runde die Zähne zusammenbeißen. Und ich kann doch schon so lange nicht mehr......................----------------------------
Heute auf dem Heimweg fiel mir plötzlich ein was mit mir in Bezug auf ihn los ist. Es liegt es so klar auf der Hand und ich wundere mich fast, dass ich erst jetzt drauf komme:
Er sagte ja, dass er nachgedacht hatte und ihm einfiel, dass er Menschen auf Distanz hält, auch Menschen die er mag, Menschen, bei der eigentlich keine Distanz will. Ich bin kompletto angetriggert, es kommt genau mein Muster hoch: ich mag jemanden, derjenige mag mich auch, derjenige hält mich aber auf Distanz und dann flippert mein Kopf rum, dann meine ich, dass ich Nähe herstellen muss, so extrem, dass es nicht gesund oder normal ist. Schwer zu beschreiben.
Es ist dieses Nähe-Distanz-Thema. Wie witzig, dass es auch sein Thema ist, fällt mir gerade, bei ihm ist es nur umgekehrt.
Ich weiß woher es bei mir kommt. Fast fünfzehn Jahre Therapie - da kennt man sich schon recht gut (hilft aber auch nicht viel weiter, btw.). Es ist dieses "alles tun um Liebe zu bekommen". Merkte der Fußballfreund samstag abend noch an, dass er sieht dass es mir wieder schlechter geht, und er beobachtet, dass ich wieder Bestätigung von außen suche. Wir überlegen ein bißchen hin und her und uns fällt ein, dass Sport meine Medizin ist, dass ich gut zurechtkomme, solange ich nur fast täglich Sport mache. Es fällt uns wie Schuppen von den Augen dass ich seit Oktober/November abends nicht mehr laufen gehe (weil dunkel). Und ich selbst habe ja auch schon neulich gemerkt, wie sehr mir Körper fehlt.
Samstag war ich laufen, gestern in der Muckibude, heute Schwimmen und in der Sauna. Es tut so gut. Ich hoffe ich bekomme den Dreh wieder im Winter abends zu Hause auf den Heimtrainer oder den Crosstrainer zu steigen. Diese Woche wird das wohl nichts...Geh doch abends unter der Woche auch in die Muckibude, schlägt die liebe Freundin in der Sauna vor. Ich mag nicht, weil ich weiß dass ich dort mehr pumpe als Ausdauertraining zu machen. Mal sehen, vielleicht schaffe ich es ja doch (ab Januar)...
Ich weiß, dass Sie sich beim Sport gerne auspowern, möchte Sie dennoch fragen, ob Sie schon einmal überlegt haben, Yoga zu machen. Vielleicht täte Ihnen das gut, gerade weil es so konträr ist - und Sie sich auch permanent selbst so unter Druck setzen. Die meisten Sportstudios bieten inzwischen Yoga-Kurse der unterschiedlichsten Art an, von Hatha, über Iyengar und Vinyasa bis Power (wobei man das echt erst machen sollte, wenn man die Übungen präzise drauf hat, die Verletzungsgefahr ist dabei doch sehr hoch. Außerdem pfuschen viele bei der Ausführung, weil sie die Basics nie korrekt gelernt haben). Es könnte Ihnen helfen, sich selbst etwas zu entstressen.
Yoga hatte meine Mutter mir auch immer vorgeschlagen. Sie hat selbst Yoga gemacht und versuchte mich immer zu überreden mitzukommen, bis zuletzt. Ich bin nie mitgeganen--------------------------------------------------------------------Könnte aber eine ihrer besten Freundinnen anrufen und fragen ob ich jetzt mal mitkommen könnte....