Es ist überstanden. Ein schaler Nachgeschmack bleibt, ich werde ihn morgen mit Champagner löschen.
Ich mag mich nicht reinschreiben, mag nicht aufzählen was alles passiert ist. Wie die Bierfreundin einen Tag vor Weihnachten bei mir mit ihrem Freund im Wohnzimmer saß und mir (im Team mit ihm) über eine Stunde meine Defizite aufzählte, so dass ich später schwer weinend ins Bett fiel. Wie meine Mutter und ich eigentlich nur noch Gäste in meinem Elternhaus sind - die andere Familie kam nicht nur kurz zu Besuch, sondern blieb das ganze Weihnachtsfest mit Übernachtung - mein Vater hat sich eine neue Familie gesucht. Und gefunden. Wie ich alles cool überstanden habe. Auf ätzende Gespräche einfach nicht einging. Und noch fahren konnte und den besten Wein einfach mitnahm. Ich habe ihn zu Hause nichtmals ausgetrunken. Und wahrscheinlich werde ich es irgendwann bereuen dass ich nicht alles haarklein aufgeschrieben habe, irgendwann später, wenn ich zurückblättere...so geht es mir manchmal wenn ich wissen will wie das und das nochmal genau war, ich zurückblättere, und es nicht genau aufgeschrieben ist.
Letzten Endes regiert nach wie vor und noch viel stärker als je das Gefühl, dass es für mich keinen Platz gibt. Jeder kümmert sich um sich, alle sind versorgt, ich blieb im Laufe der Jahre auf der Strecke. Ich weiß noch wie damals, lange lange her, die chilenische Freundin sagte, ich solle aufhören mich so in die Familie einzubringen, es wird mir nie jemand danken und es wird nicht gut für mich sein. Ja, jetzt weiß ich was sie befürchtete.
Heute beim Sport habe ich mir noch überlegt: ich hatte bei dem alten Job nie wirklich einen Kopf für mein Privatleben, jetzt kann ich es mir in Ruhe anschauen und: es ist völlig kaputt. Ich bin fertig. Ich bin nicht (mehr?) beziehungsfähig. Es fühlt sich an könne ich nur noch diesen tollen Job (und ich bin echt gut dort!!) und ein bißchen Sport. Es ist unglaublich wie gut ich beim Sport die Zähne zusammenbeißen kann. Ich schalte den Kopf irgendwann einfach aus und ziehe durch. Mein Körper nimmt es dankend an.
Später in der Muckibude dachte ich dann: hier mein Ort, hier ist mein Platz, hier ist meine Welt in Ordnung. Vielleicht gehe ich nächstes Jahr statt ein - besser zweimal die Woche hin. Die Atmosphäre ist so klasse. Es tut gut Sport zu machen und dabei nicht alleine zu sein. Hier ein netter Gruß, da ein nettes Helfen, und zwischendurch ein freundlicher smalltalk.
Summasumarum ist es leicht zusammenzufassen: es ist alles zu viel. Wie immer. So ist das halt.
Meine Mutter hört nicht auf mich zu erkennen. Und kauen und schlucken kann sie noch.
Ihre Mutter war bestimmt sehr, sehr froh, dass Sie da waren.
Ja, das war sie bestimmt. Und sie würde jetzt sagen, dass ich nicht heulen soll wegen all dem Scheiß sondern mich über den neuen tollen Job mit den vielen klasse Kollegen freuen soll, und über die netten Menschen in der Muckibude und über die anderen lieben guten Freunde die es neben der Bierfreundin gibt und die mich sehr gern haben und mir meine Defizite nicht aufzählen wenn es mir schlecht geht, sondern mir konstruktives Feedback geben, wenn ich dafür aufnahmebereit bin.
Wie scheußlich die Situation mit der Bierfreundin und deren Freund war, kann ich mir lebhaft vorstellen. Mir ist so etwas Ähnliches auch einmal passiert, es war eine Freundin aus Kindertagen, die ich zuvor viele Jahre lang nicht mehr gesehen hatte, die mich gebeten hatte, ihre Trauzeugin zu sein. Ich sagte zu, obwohl wir uns auseinander gelebt hatten und einander fremd geworden waren. Am Tag nach der Feier bekam ich von beiden - den Typen kannte ich vorher gar nicht -, aufgezählt, was alles verkehrt sei an mir. Ich konnte mich nicht einmal entsprechen dagegen wehren, sonst hätte ich vor ihr ansprechen müssen, dass ich meinerseits seine Anmachversuche am Vorabend der Hochzeit äußerst unpassend fand. Der Kontakt schlief bald danach ein, wir hatten nur noch wenige nichtssagende Briefe gewechselt.
Jahre später bekam ich plötzlich einen Brief von ihr, wie schade es doch sei, dass wir gar keinen Kontakt mehr hätten, sie wisse gar nicht, warum usw. usf. Ich steckte damals mitten in einem Umzug und hatte keine Zeit, ihr zu antworten und später auch gar keinen Nerv mehr. Wenn sie den Grund wirklich nicht kannte, hatte es auch gar keinen Zweck. Ich habe es nie bereut, den Kontakt veersanden gelassen zu haben, die Freundschaft hatte sich schon lange totgelaufen. Und wenn ich mich richtig entsinne, äußerten Sie schon vor einiger Zeit ihre Zweifel an der Freundschaft zur Bierfreundin.
Meinen Sie, Ihr Vater hat mitbekommen, wie es Ihnen an den Feiertagen ging und dass Sie inzwischen den Eindruck haben, außen vor zu sein?
Seltsam aber so ist es wohl: manchmal entfremdet, entfreundet man sich halt mit manchen Menschen...hatte ich ja auch schon zuvor...
Nein, er weiß er nicht. Ich habe mir nichts anmerken lassen.
Und wenn Sie es mal bei Gelegenheit ansprechen?
Geht nicht mehr, der Zug ist abgefahren. Er fängt an Sachen, die ich ihm (vertraulich) erzählt habe, ihr zu erzählen.
Es wird einen showdown geben, bald, denn wir haben geplant mit mehreren Leuten im April zu seinem Geb zu meiner Insel zu fahren. Es kristallisiert sich raus, dass alle abspringen (weil zu teuer) und nur sie mitkommt. Das kann ich nicht und das mache ich nicht es sei denn ich bekomme den heißen Italiener für die Zeit akquiriert. Ich werde ihm sagen dass ich nicht dabei bin, wenn nur er, sie und ich fahren.
Es könnte sein, dass er sie dann abwirft, weil er lieber mit mir die Insel erkunden möchte als mit ihr. Könnte wirklich passieren. Aber ich werde es nicht drauf ankommen lassen. Soll er mit ihr schöne Zeit verbringen. Er kann mit ihr machen was er was, und sie auch mit ihm. Und jetzt was ganz krasses: solange sie nicht heiraten/es um mein Erbe geht. Da gehts um viel Geld und es ist einfach so: das steht mir zu, dafür habe ich bereits gezahlt und dafür zahle ich immer noch. Möchte ich mir doch wenigstens den Rest meines Lebens einen Psychologen leisten können.
fünfmal verbessert/aktualisiert! Jetzt aber!
Dass es dabei um viel Geld geht, macht die Sache noch schwieriger als sie eh schon ist. Man kann nur hoffen, dass Ihr Vater beizeiten ein gutes und eindeutiges Testament gemacht hat und es nicht noch zu Ihren Ungunsten ändert.
Ihre Schilderungen von Daheim lese ich mit sehr zwiegespaltenen Gefühlen. Einerseits ist es ja schön, dass Ihr Vater jemanden hat - aus dem Freundes- und Bekanntenkreis meiner Mutter weiß ich, wie allein sich pflegende Angehörige von MS-, Demenz- und Alzheimerkranken fühlen und wie sehr sie das nicht nur körperlich, sondern auch emotional aufreibt. Andererseits wirkt es nicht gerade rücksichtsvoll, es wird so getan als bekäme Ihre Mutter eh gar nichts mehr mit, sondern wäre nur noch eine Art Möbelstück, das halt da ist. Was Sie erzählen, klingt aber nicht so, als bekäme Ihre Mutter tatsächlich überhaupt nichts mehr mit, darum befällt selbst mich als Außenstehende ein großes Unbehagen.
Zu meinem Geburtstag schickt sie mir eine Mail mit einem eingescannten Foto von mir, heute vor 35 Jahren, ich frischgeboren im Arm meiner Mutter. Ist sie nicht toll - sie hat ein Foto für mich eingescannt!!!!!
Ich könnte im Strahl kotzen. Schütte mir aber lieber noch einen Sekt ein, drehe die Musik auf und freue mich auf die Freunde, die später kommen. Schmecke den Salat noch ab, die Suppe, stelle Champagner kalt und überlege, dass ich jetzt, wo der Fuß wieder verheilt ist, ja die hohen endgeilen Schuhe heute abend mal wieder anziehen könnte.
Mein Vater war gegen Mittag hier (sie ist ja zu Hause und kann auf meine Mutter in der Zeit achten - omg, wie krass das alles ist) und es war schön. Die neuen Teppiche fand er sehr stilvoll ausgesucht und meine letzten Badreperturen fand er gelungen. Er brachte frische Suppe, Oliven aus Kreta und guten Wein. Es war schön. Es war schön dass er mal wieder bei mir zu Besuch war. Ich glaube er war seit einem Jahr nicht hier....
Herzlichen Glückwunsch und alles Gute zum Geburtstag!
arboretum überreicht einen Strauß Winterjasmin
Klopfen Sie sich 'mal selbst dafür auf die Schulter, was Sie in den vergangenen zwölf Monaten alles erreicht haben und lassen Sie sich ordentlich feiern. Ich erhebe heute Abend auch mein Glas auf Sie.