Review!
Was war denn so in zwanzigdreizehn? Ich habe weiter viel zu viel und viel zu oft getrunken und offen gesagt: ich habe eben eine Flasche Sekt aufgemacht. Jetzt eine Runde schreiben, dann eine Runde schlafen und dann auf eine Party auf die ich überhaupt keine Lust habe. Wir wissen: das werden immer die besten Partys. Deswegen gehe ich ja auch hin. Ich bin gut, ne?
Ich bin gut. Das war zwanzigdreizehn.
Das erste Halbjahr war in der Erinnerung nur Depress und viel zu viel Arbeit in dem Saftladen. Viele lange Tage, viel Wochenendarbeit. Und ich war gut. Wenn auch am Ende völlig kaputt. Als cut kam der Alleine-Urlaub im Juni. Viele einsame Momente, viele schöne Momente mit anderen, dem Italiener, dem Ami, der netten Jungsclique, der alten amerikanischen Lady, dem alten Mann aus Hamburg, die netten Leute in der Bar und so viele mehr. Sport, laufen, das war auch viel in diesem Jahr. Zig Kilometer mit dem verheilten Fuß wieder auf der Strecke. Ich glaube ich war nie durchtrainierter als jetzt. Und auch die Haare waren lange nicht so lang gewachsen wie in diesem Jahr. Und die Nägel lange nicht so schön und regelmäßig lackiert. Gute Musik hat mit begleitet. Erstmal daftpunk einlegen.
Das Vorstellungs- und das Kündigungsgespräch waren die beiden kommunikativen Höhepunkte. Nie zuvor war ich so klar, so definitiv, so gesprächführend. Trotz Restalkohol.
Meiner Mutter erging es um Längen schlechter. Ich weiß gar nicht genau ob sie dieses Jahr noch einmal was definitives zu mir sprechen konnte. Aber das macht auch nichts. Vorhin noch, als ich dort war, gab sie mir noch ein Zeichen. Und ich nehme an wir werden verbunden sein bis sie stirbt. Wir brauche keine Worte.
Da waren wenig Männer dieses Jahr. Spontan erinnere ich mich an zwei mit denen es intim wurde, lass es drei oder vier gewesen sein. - Nee, Moment, jetzt aber richtig: also da war der Italiener im Urlaub im Juni, der Tag am rockybeach, als meine Mutter Geburtstag und ich einen Orgasmus nach dem anderen hatte. Dann kam noch kurz der Düsseldorfer dazwischen und dann traf ich im zweiten Trauminselurlaub den Italiner nochmal wieder - das wars! Ha! Das war der Vorsatz für zwanzigdreizehn: aufhören mit diesen kurzscheinigen Geschichten. Wow, ich bin fast selbst erstaunt über mich. Ich war wirklich gut dieses Jahr.
Der neue Job. Omg, wie wichtig war eine berufliche Veränderung. Und dann noch dieser Jackpot. Unbefristeter Traumjob im öffentichen Dienst. Ich glaube besser geht nicht. Es ist unendlich heilsam.
Ein paar Falten sind hinzugekommen. Verbrauchsfalten. Und heute in der Muckibude schaute ich in den Spiegel und dachte mir beim Anblick meines Körpers: cool bleiben, für fünfunddreißig verdammt gut gehalten. Ich könnte locker für siebenundzwanzig durchgehen.
Jetzt kam erst das neue Lebensjahr und nun kommt das neue Jahr. Wie oft höre ich Mitleid ob meines Geburtstags zwischen den Jahren - ich finde es hervorragend. Außerdem noch neuer Zyklus.
Ich werde mich daran gewöhnen dürfen, dass Job was tolles ist, schon zwei Kongresse in Aussicht plus mindestens eine Veröffentlichung. Sachen, die vor einem Jahr noch unmöglich, unerreichbar schienen. Ich werde weniger trinken möchten, ich möchte einfach glücklich werden. Möchte weiter klar bleiben bei mir, bei meinen Aussagen, bei meinem Handeln. Die fünfunddreizig fühlt sich an wie ein cut - jetzt ist es soweit, jetzt lebe ich mein Leben. Sei es mit Hund oder Mann oder keins von beiden. Plötzlich fühlt sich alles machbar an. Wird schon. Nach den sieben mageren Jahren folgen jetzt die sieben fetten. Gott lässt sinken, aber nicht ertrinken, sagte meine Mutter immer.
Das klingt gut. Es wird schon, Sie werden sehen.