Ich würde gerne alles genau aufschreiben, wie das war, das erste Date außerhalb der Arbeit. Mit dem älteren Kollegen. Es war wundervoll. Ich möchte gern alles en Detail erzählen, wie es dazu kam dass wir nicht in der Stadt der Arbeit (wo er auch wohnt) sondern in meiner Stadt (fünfzig km Entfernung), in meinem Viertel, in meinem barrio ausgingen. Er mich abholte. Ich im ersten Restaurant mich direkt umdrehte und ihn mit einer kurzen klaren direkten Ansage rausschob. Weil ich den Ex, den Nerd, dort sitzen sah. Wie meine Knie weich wurden und ich dann im nächsten Restaurant doch Bier bestellte und die ersten Schlucke so runterexte, obwohl ich mir eigentlich überlegt hatte, den Abend über kein Bier zu trinken. Ich würde gerne aufschreiben über was wir uns stundenlang beim Sushi unterhielten, wie er mich dazu brachte vorsichtig dieses und jenes zu probieren, wie wir uns zwischendurch immer wieder berührten. Wie zart er ist. Wie schön es war neben ihm herzugehen, neben ihm zu sitzen, mit ihm zu sprechen. Wie er danach noch ein richtiges Bier trinken wollte und wir in der Bar saßen, die ursprünglich der alte Sportfreund aufgebaut hatte. Wie ich ihm in fünf Sätzen erzählte, warum ich Angst vor Weihnachten hatte und wo ich herkomme, aus welcher Familie. Wie schön es war in seinem Bus zu sitzen. Wie gerne ich mich einfach dort hinten reingelegt hätte. Wie er zum Abschied sagte, dass das ein sehr schöner Abend gewesen sei. Ob wir das jetzt öfter machen. Und ich mit ja antwortete.

Gern würde ich alles en Detail aufschreiben. Schon alleine um es später, irgendwann, nachlesen zu können. Aber es ist zu viel, zu krass, zu intensiv, zu umfangreich, zu detailreich. Oder einfach nicht in Worte zu fassen.
Ein Gefühl ist mir jedoch wichtig zu beschreiben. Die Lieblingsfreundin hat es in einem kurzen chat direkt verstanden. Es geht um das Gefühl, wie es ist wenn man mit ihm das erste Mal in der Öffentlichkeit unterwegs ist. Und es war in diesem Fall einfach hier, bei mir, wo mich jeder kennt, wo ich jeden kenne. Wie fühlt es sich an sich mit ihm in der Öffentlichkeit sehen zu lassen?
Gerade bei ihm war ich gespannt auf dieses Gefühl - ist er doch nicht irgendein gutaussehender, junger, dynamischer, durchtrainierter Traummann. Oder ein hier bekanntes Gesicht ("Die overloaded war mit dem und dem im [Kneipenviertel] unterwegs"). Ich habe mich das nicht direkt vor dem Date oder so gefragt. Nicht bewusst. Es fiel mir irgendwann später ein. Und ich stellte fest: es war gut. Ich habe gar nicht drüber nachgedacht. Ich habe es einfach genossen mit ihm Zeit zu verbringen, ihm mein Viertel zu zeigen. Und genau jetzt denke ich mir: vllt ist man auch irgendwann durch mit diesem Gefühl. Wobei es dennoch so ist, dass wenn mich jemand gesehen hat, das schon Gerede gibt - um es auf den Punkt zu bringen: man könnte denken ich sei mit meinem Vater unterwegs gewesen. Ach so ein Quatsch, und ist auch egal. Und dennoch: ich mache mir Gedanken. Nicht was andere denken, sondern was das ist (oder auch nicht).

Aber vielmehr regiert zwanzigvierzehn: was sich gut anfühlt ist gut. Gut fühlt es sich an, wenn ich bei mir bin. Wenn ich mein Handeln verantworten kann, wenn ich auf mein Handeln vertrauen kann. Und das geht verdammt gut gerade!! Der Abend war voller Blickkontakt, ein paar Berührungen hier und da, aber! Ich habe ihn weder zur Verabschiedung umarmt noch geküsst noch zu mir nach Hause eingeladen. Als hätte ich letztes Jahr die Übung gebraucht, nicht mehr jeden direkt mitzunehmen und jetzt kann ich von diesem Training zehren.


So irgendwie............




Er kippelt mit dem Stuhl rum, als sei er zwanzig Jahre jünger statt älter als ich. Es ist warm im Restaurant, in der Sushibar, irgendwann zieht er seinen Pullover aus und sitzt vor mir in seinem weißen Hemd und ich genieße den Anblick. Ich schaue ihn genauer an und sehe wie zierlich er wirklich ist. Nackt würde ich mich fast fett neben ihn fühlen. Ich rede wenig, lasse ihn erzählen. Er hat immerhin zwanzig Jahre mehr erlebt als ich.

reb*ekka bak*ken im Hintergrund in Scheife. Hat er mir geschenkt. Zu weihnachten oder zum Geburtstag. Sowas verschwimmt bein meinem Geburtsdatum immer.

Neunzehn Jahre! korrigiert er irgendwann. Er wird also erst dieses Jahr fünfundfünfzig. Konnte ich mit meinem niedrigen iq und Dykalkulie bei lediglicher Nennung des Geburtsjahres bisher nicht ergreifen. Nun ja, ok. Für mich sind es dennoch zwanzig Jahre.

Summasumarum verhält es sich so: vielleicht bin ich nun soweit, mich wieder auf was wirklich ernsthaftes einzulassen, ja, so füht es sich an, so fühle ich mich an, so fühle ich mich. Die ganze Story mit ihm ist aber noch dazu vermischt mit dem neuen tollen Job. Eine einfach auch ganz neue Erfahrung, dass Job toll ist.

Was ich eigentlich seit Stunden sagen wollte: es ist wie es ist: alles zu viel.

Vorsichtig formuliert: vllt kann ich das jetzt, ich, jetzt, mit fünfundreißig, vllt kann ich mich jetzt, vllt kann ich das jetzt beser händeln, dieses alles zu viel, vllt kann ich das jetzt einfach in Glück umwandeln.

Und ich habe auf dem Schirm: wenn es mit ihm nichts wird, dann kann ich das jetzt vllt dennoch und dann kommt wer anderes oder vllt auch: egal, ich bin ok. Wasimmer auch kommt. Oder nicht. Fühle mich so angekommen. Bei mir.

Vllt muss man einfach nur fünfunddreißig werden.