Verdammte Zyklusmitte!! In der Muckibude ziehe ich eine Runde Klimmzüge so locker durch, dass alle schauen und der Sohn des Muckibudensinhaber so genau hinschaut, dass er dann auch noch was dazu sagt: verdammt gut, Klimmzüge sind das ehrlichste workout überhaupt. Ich pumpe alle Kilos weg als sei das nichts. Später in der Sauna sehe ich, dass ich alle Blicke auf mich ziehe. Um nicht ganz so toll dazustehen, bestelle ich Bier und rauche. Frauen in meinem Alter (oder wahrscheinlich fünf oder zehn Jahre jünger) fangen an mich böse anzuschauen, weil ihre Freunde mir hinterherstarren. Ich denke mir: gehe doch auch trainieren. Kann ich ja auch nichts für wenn sich andere junge Frauen nicht um ihren Körper kümmern.
Die Jungs in der Muckibude möchte ich hormonbedingt einen nach dem anderen ausziehen. Bei dem Knusprigsten nicht nötig, da er sich selbst das Shirt auszieht.
Später beim Bier im Kneipenviertel mit dem Fußballfreund bemerkte ich, wie meine Gedanken immer wieder zu dem älteren Kollegen abwandern. Diese ganzen jungen knackigen Männer, die hatte ich alle schon. Die lagen alle schon in meinem Bett. Ein Satz, der mir seit Tagen durch den Kopf geht: die hatte ich alle schon, mit denen bin ich wirklich durch.
Der ältere Kollege hat mir neulich kurz was darüber erzählt, wie er drauf war als er fünfunddreißig war. Wären wir gleichalt hätte ich meinen Freundinnen erzählt: ja, klar, er ist nett, er ist toll, aber was soll ich mit dem Typen???
Ich mag ihn so wie er jetzt ist. Alt. Silber. Erfahren. Lebenserfahren. Sich selbst erfahren. Und dabei nicht langweilig oder gesetzt. Die Hormone malen mir "ein Kopfkino, dass größer als das Imax am Potsdamer Platz ist" wenn ich mir vorstelle, er hole mich genau jetzt vom Küchentisch ab und ginge mit mir ins Bett.
Mein Körper ist übrigens nicht perfekt, lediglich trainiert. Das Sixpack wird von echten Sixpack übermalt und mein Po ist faltig. Das nur kurz zur Richtigstellung zu dem, was ich gestern in überheblicher Bierlaune schrieb.
Und auch die Euphorie mit dem älteren Kollegen wurde heute etwas getrübt. Diese langen Sonntage alleine lassen einen alles nochmal mindestens viermal überdenken. Der lange Lauf hielt mich von Depri-Modus aber ab. Schön gelaufen bin ich heute. Als ich merkte dass das Knie wieder Zicken machen will, lief ich konzentrierter, trapp trapp trapp, ein langer, schöner, sonniger, bewusster Lauf. Manchmal frage ich mich, wie Menschen die keinen Sport machen überhaupt überleben können. Gebildete, hochintelligente Menschen können wahrscheinlich so viel mit ihrem Kopf anfangen, dass Körper ausgeschaltet werden kann, bildungsferne Menschen spüren da wahrscheinlich eh kein Fehlen. Der alte Mann aus der Muckibude sagte mal, dass er annehme dass ich mich ohne Sport wahrscheinlich schon längst umgebracht hätte. Ja, kann gut sein. Immer wiederkehrend dieser Satz in meinem Leben: ich brauche die Muskeln um mich herum damit ich nicht zusammen breche; ich brauche sie um zusammengehalten zu werden. Wenn ich platt auf dem Rücken liege, liege auf Muskeln gebettet. Es ist ein Gefühl von einer Mischung aus Herrlichkeit und Beängstigung.
Der ältere Kollege....ich mag ihn wirklich sehr sehr gerne (ich wiederhole mich :-) und dennoch: mir gefällt manches nicht, wie er in dem Laden agiert. Schon beim Vorstellungsgespräch fiel er mich auf. Negativ. Da saßen zehn Leute vor mir und nach zehn Minuten war mir klar: alle kein Problem, bekomme ich alle überzeugt, können mir alle nichts tun, außer er. Ich dachte: auf den da vorne rechts, auf den musst du aufpassen, von dem kommt noch irgendwas unerwartetes, irgendein Hieb, eine Frage, auf die ich keine Antwort weiß, ein Trick vielleicht, irgendwie sowas, den musst du im Auge behalten, der könnte schwierig werden. Er machte den Eindruck, als sei er gegen meine Stelle (es gibt ein paar Postionen die meine Stelle als überflüssig und Geldverschwendung sehen). Im Nachhinein stellte sich raus, dass er einer derjenigen war, die diese Stelle initiiert haben.
Die Musik die er mir zu Weihnachten geschenkt hat, läuft in Schleife. Jetzt auch.
Als ich ihn dann das erste Mal nach Antritt der Stelle getroffen und gesprochen habe, war ich direkt geflashed und habe mich dabei ertappt hinzuschauen, ob er einen Ring trägt. (Als Single Frau schaut man auf sowas, registriert sowas).
Jedenfalls! Er intrigiert. Das ist jetzt alles viel zu kompliziert um es (verschlüsselt) aufzuschreiben. Kommende Woche findet eine wichtige Besprechung statt in der er auch was zu sagen hat (ich nicht, kann aber teilnehmen und auch was sagen). Er erzählte mir von seinem Plan was er dort sagen und wie er dort handeln will (eine Entscheidung boykottieren). Die tolle Kollegin (orr, ich mag sie so sehr, werde mal über sie schreiben) hat mir ebenfalls von der Problematik um und mit ihm erzählt, denn er hat auch mit ihr gesprochen. Und mit allen anderen Entscheidungsträgern. Und sie ist in einer sehr hohen Postition. Sie teilte mir Anfang der Woche ihre Sorgen über ihn mit. Ich sagte spontan, dass ich mich um ihn kümmern werde, innerhalb einer Woche könnte ich es schaffen ihn umzustimmen. Ich habe es vllt auch geschafft. Als wir Freitag noch eine zusammen rauchten, erzählte er mir, dass er ja nicht nur mit mir darüber gesprochen hätte, aber dass die Gespräche mit mir ihn am meisten weiterbringen würden und vllt würde er nächste Woche doch nicht die Entscheidung boykottieren. ---------Mist, alles zu verzwickt um es aufschreiben zu können.............................---------------
Ich kann nicht einschätzen was ihn treibt. Ist er neidisch auf die Postion vom Chef die er auch gern hätte? Oder ist er neidisch auf denjenigen, um den ich bei der Entscheidung geht? Oder ist es der aufgestaute Frust aus den letzten Jahren dort? Oder hat er langeweile weil er außer dem Job und Reisen nichts hat? Und die anderen haben nette Frauen plus Kinder. Oder ist er streitsüchtig? Inwieweit mit sich unzufrieden? Inwieweit reflektiert? Oder hat er Angst vor seiner Zukunft dort? (Die Karten werden dort bald neu gemischt). Mir kann das was dort abgeht sehr egal sein, ich stehe in dem Laden bei alle dem außen vor, meine Stelle ist anders. Aber mir macht das alles Bedenken bei der Einschätzung wie er wirklich tickt.
Ich muss aufpassen. Die Augen aufhalten. Nichts überstürzen. Klappt bisher gut. Muss noch weiter klappen. Das ist mal eine echte Herausforderung für mich! Nicht reinstürzen, nicht in mein Bett ziehen, erst mal genauer kennenlernen. Denn der neue tolle Job ist mir so wichtig, dafür setze ich nicht irgendeinen Typen aufs Spiel.
(Orrrr, Zyklusmitte, er jetzt hier, mich abholend und ins Bett ziehen-----------------ich flippe aus und freue mich auf pms)
Er war gut in der Besprechung heute, brachte zwar viel, aber nur sachliche Kritik. Die anderen leider nicht so, aber egal. Ich habe gar nichts gesagt. Ich war heute morgen erst mal beim Zahnarzt, bin dann nochmal nach Hause gefahren, habe gespült und kurz abgehangen und bin dann in aller Ruhe gen Osten gefahren. Ganz entspannter Tag. tbc
56 Minuten Telefonat mit der Lieblingsfreundin. Ich spüre Liebe.
Wir hätten uns heute beinahe umarmt. Ich habe natürlich dagegengesteuert, denn bis ich erst mal körperlichen Kontakt eingehe - das dauert! ;-) ;-)
Ich bin gut geworden. Wobei ich mir natürlich nichts sehnlicher wünsche, als ihn ganz zu spüren.
Ich zähle der Lieblingsfreundin Kritikpunkte an ihm auf, sie wäscht mir den Kopf ist und ist auf seiner Seite. Ist er so wie dein Vater, fragt sie und trifft dabei den Nagel auf den Kopf, denn genau diese Ähnlichkeit fiel mir heute auch wie Schuppen von den Augen. Und jetzt, frage ich sie, wie soll man mit dieser Erkenntnis umgehen? Vielleicht ist er das fehlende Puzzleteil für dich, überlegt sie.
Wir halten fest, dass ich die ganze Sache weiter locker angehen lasse, eher distanziert, bis zu seinem Urlaub (voraussichtlich kompletter Februar) nichts verbindliches, körperliches eingehe. Dann im März mal weiterschauen.
Bei der Verabschiedung heute sagte er: "Wir sehen uns morgen....oder auch nicht." Ich dachte direkt: oh nein, wie gleichgültig es ihm zu sein scheint ob wir uns morgen sehen oder nicht. Und als ich den Gedanken gerade gedacht hatte, fügte er mich anlächelnd hinzu: "Was sehr schade wäre". Mein Herz schmilzt. Ich trinke kein Bier mehr aus und falle glücklich ins Bett...............