Ich finde meiner Mutter geht es schlechter. Sie schläft viel. Sie hängt durch. Und wieder: sie erkennt mich. Mein Vater ist erstaunt.
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Eigentlich regiert pms, aber ich bin da irgendwo auf Wolke sieben unterwegs. Gestern haben wir ab Mittag einfach blau gemacht. Beide fast zeitgleich abgehauen, an der Tanke dann wiedergetroffen, in Kolonne zu meiner Stadt gefahren, mein Auto abgestellt, mit seinem weiter gefahren, hundert Kilometer in eine große Stadt. Wanderschuhe shoppen. Ich habe keine gefunden. Und auch keine neue Hose. Zurück in meine Stadt. Zum Spanier. Ich ein paar Bier, er eins. Und dann standen wir da draußen, an einer der hässlichsten Ecken in meiner Stadt, ganz eng beieinander und ich schob mein Gesicht zu seinem Ohr und sprach. Und dann konnte ich nicht anders (ich habe mich echt bemüht, aber ich konnte einfach wirklich nicht anders) und kuschelte mein Gesicht in seinen silbernen Bart. Große Erstaunung, wie weich dieser Vollbart ist. Das erste mal mein Gesicht in einen mausgrauen Bart gekuschelt. Stehen ganz nah beieinander. Ich spüre seine Hüfte an meiner nachdem ich meine zu seiner geschoben habe. [Irgendwas mit Distanzlosigkeit.]
Ein weiteres Mal kuschel ich mein Gesicht in seins, vor meiner Haustür, unterm Vordach, es schneeregnet. Alleine falle ich völlig overloaded ins Bett.
Gehts dir besser, fragt die liebe Kollegin heute, als wir uns kurz sahen. Ich bin gut gelaunt, aber mein Körper spinnt immer noch etwas rum. Aber du siehst viel besser als gestern aus!, sagt sie, du strahlst so! Ich sage nichts. Ich kann ihr davon noch nichts erzählen. Umarme sie feste - heute ist Weltumarmungstag!, sage ich strahlend, und ich habe mir heute morgen direkt gedacht dass ich dich feste umarmen möchte!, ergänze ich ihr während ich sie perfekt umarme. Sie kennt sowas nicht, auf jeden Fall nicht von der Arbeit. Ein schöner Moment. Immer mehr stelle ich fest, dass sie zu einer Freundin wird.
Es ist (natürlich!) nicht so, als sei die Sache mit dem älteren Kollegen einfach. In meinem Kopf spuken Zweifel rum, was ist Liebe, was ist das mit ihm, was ist das mit mir und läuft das alles in den richtigen Bahnen. Dass er ebenfalls spinnt, macht die Sacher nicht leichter. Oder vielleicht auch doch. Wir können reden. Zwar nicht telefonieren, aber reden. Gestern telefonierten wir abends zum ersten Mal und es endete in einem Desaster. Heute sahen wir uns kurz und konnten darüber reden. Danach großes Strahlen beiderseits. Er spinne, sagte ich ihm, und ich würde ebenfalls spinnen, fügte ich hinzu. Und auf dem Weg zur Arbeit heute, fragte ich mich, erklärte ich ihm, wer mehr spinnen würde, er oder ich, und ob das dann überhaupt noch was ausmachen würde, dass einer vielleicht even more spinnt oder ob das gar nicht fragwürdig sei. Und ich nannte ihm ein Beispiel für sein Spinnen.
Die ganze Sache fühlt sich nach entweder oder an. Entweder wird das was, was ganz Großes, Langes, wirklich Ernsthaftes oder ich spinne gerade einfach nur. Ja, no risk no fun. Ich habe mich noch nicht entschieden.------------------Schwachsinn, ich habe mich längst entschieden, ich werde riskieren. Aber ich zögere das so lange raus wie möglich.