Montag, 9. Mai 2011
Ich habe heute wieder diese Julia getroffen, ich war bei ihr zu Besuch. Sie wohnt formidable. Ich habe lange nicht eine so schöne Residenz gesehen. Ich musste direkt an Bauhaus denken (Architektenkinder sehen direkt Baustile (und auch Baumängel)). Es war direkt zum Wohlfühlen. In ihrer Nähe. Wir saßen in ihrem verwilderten Garten auf einer Decke, sie hat mir vorgelesen, wir tranken Weißbierbowle mit Erdbeeren die sie angesetzt hatte, sie zeigte mir das Haus, wir pflanzten angezogene Sonnenblumen ein die ich mitbrachte, beschnitten ihren Bambus, gingen Döner essen und recherchierten nach Urlaub. Zwischendurch musste ich sie einfach wieder anfassen, berühren: sie hätte ja auch so schöne zarte Fessels, ja, wie du, erwiderte sie und lächelte. Es war ein perfekter Sonntagnachmittag und wäre sie ein Mann, könnte ich schreiben, es war das perfekte Date, es war so, wie man es sich wünscht, alles stimmte. Später zu Hause schicke ich ihr eine sms, dass es wirklich schön war und sie antwortet lange und schön und ich schmelze dahin.
Seltsam, dass wenn man sich in den Zwanzigern für hetero entschieden hat (mehr oder weniger bewusst), es auch keine andere Option mehr gibt, oder? Es ist nicht, dass ich jetzt sagen würde, oh ich will sie voll und ganz und körperlich und was weiß ich, aber ich bin irgendwie ---- beflügelt, verliebt? Jedenfalls gehe ich jetzt glücklich ins Bett. Immerhin ;-)



Donnerstag, 5. Mai 2011
Nicht das innere Ruhe schon wieder verblasst ist, das ist jetzt wieder recht beständig, aber Traurigkeiten bleiben. Einmal Depri, immer depri. Ich traue mich nicht mehr Negatives aufzuschreiben, weil ich Angst habe, dass ich mich dann reinsteiger, quasi reinschreibe. Also in die Zweitbettdecke kuscheln, Grönemyer laut aufdrehen und dann ins Bett bevor mehr Bier geöffnet wird.



Mittwoch, 4. Mai 2011
Ich habe sie wieder, die Ruhe.
Nicht dass ich alles leicht nehme, aber ich kann gerade wieder über vieles stehen. Ich schwebe und stehe dabei doch recht fest auf meinen Füßen. Es fühlt sich an, als hätte ich vieles im Griff was ich beeinflussen kann und auf was ich keinen Einfluss habe, kann ich hinnehmen. Ich mache Abstriche aber ich gebe mir dafür viel. Ich räume auf, sortiere, die Wohnung, den Balkon, die Papiere, den Job, mich. Ich laufe wieder fast jeden Abend. Ich pflege mich. Ich gehe im neuen Job auf, soweit das möglich ist. Ich lächel fremde Menschen an und wünsche der Kassiererin im Getränkemarkt einen schönen Feierabend, ist ja gleich soweit. Ich streichel mich. Ich flirte. Ich habe Spaß an den letzten Bundesligaspieltagen. Ich lese, höre Grönemeyer in Schleife, lunger mit meiner Zweitbettdecke auf dem Sofa rum, lese Zeitung, fahre viel Auto und genieße. Es ist als wäre ich aus dem Winterschlaf erwacht.

Meine Mutter erkennt mich nicht mehr auf anhieb. Ich muss sie ansprechen und umarmen. Sie kann nicht mehr. Sie sitzt da und schaut auf ihre Hände, schaut mich an, mit Tränen in den Augen und sagt, sie wisse nichts mehr. Wenn ich eine halbe oder ganze Stunde mit ihr verbracht habe, lacht sie und singt. Dann nehme ich sie noch mal fest in den Arm, kuschel sie und dann, dann gehe ich.

Das in-mir-ruhen-gefühl ist noch frisch wieder da. Ich versuche es zu halten und zu festigen. Und natürlich ist nicht alles gut. Es ist viel aber gerade fühlt es sich mal an, als wäre es ganz knapp unter zu viel. Jetzt Zähne zusammenbeißen und in den Sommer durchstarten.