Mein Zustand ist schlimmer als ich selbst annehme. Ich kann zu gut Zähnezusammenbeißen für mich. Seit Wochen, seit Monaten, seit Jahren - ich weiß es nicht. Aber ich weiß, dass es irgendwie nicht gut sein kann, dass ich mit zwei wirklich guten und lieben Freundinnen beim Essen sitze und dabei die Tränen kaum zurückhalten kann und einfach nur wieder nach Hause will. Jedes weitere Bier was bestellt wird schnürrt mir die Kehle zu, jede weitere Zigarette die noch angemacht wird, zögert das zu Hause wieder ankommen noch weiter raus, ich harre aus, fühl mich wie stundenlanges Warten im Wartezimmer beim Arzt, jede weitere Minute ist eine gefühlte Unendlichkeit. Ich nehme einen Flyer vom Tisch und lese von einer anscheinend guten Party in einem Laden den ich mag. Meine letzten Reserven raffen sich auf, ich versuche kurz die beiden zu überzeugen dort noch hinzugehen. Sie wollen nicht, sie können nicht, sie sind müde, sie werden zu Hause erwartet. Ich bin müder als beide zusammen, ich schlafe schon lange nicht mehr mehr als drei Stunden durch; auf mich wartet niemand zu Hause.
Das ist vielleicht der übelste Zustand in einer Depression, wenn man den besten Freunden nicht mehr sagen kann wie schlecht es einem wirklich geht, sondern versucht, sich zu überspielen. Sich vor den Mitmenschen, die man liebt, verstellen muss. Weil man anders nicht kann, weil man denen das nicht zumuten möchte, oder einfach weil man Angst hat, nicht verstanden zu werden. Ist egal warum genau, man ist so sehr mit dem sich selbst aushalten beschäftigt, man sieht nur noch Tunnel oder dicke Mauern, es fühlt sich an, als wenn einem nichts und niemand mehr helfen kann.
Immer wieder krass wie in mir drin da ein zwei Stimmen sind, die versuchen mich hochzuziehen, die so krass an positiven Sachen festhalten, die immer wieder die Augen auf was Schönes lenken. Sie sind super, aber sie kommen nicht gegen die eine Millionen traurigen Stimmen an. Obwohl sie so stark sind.
Tja, was soll ich machen. Zähne zusammenbeißen und auf bessere Zeiten warten. Oder mich so hinnehmen wie ich bin. Geht ja höchstens ein Leben lang so weiter, nicht unendlich.
overloaded am 16. Juli 11
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Ich habe heute festgestellt, dass ich Freizeit im Moment nur noch mit Menschen verbringen kann, mit denen ich voll auf einer Wellenlänge liege. Das schränkt den Kreis der potentiellen Verabredungen extrem ein. Glücklicherweise habe ich so eine Verabredung direkt kommenden Freitag :-)
Nee, ernsthaft, ich bin fertig, ich burnoute nur noch so vor mich hin, ich kann nicht mehr. Gehe trotzdem arbeiten und halte durch, aber wenn ich nicht arbeiten bin, kann ich nichts geben, fühle mich nur noch wohl unter Menschen, bei denen ich nichts geben muss, sein darf wie ich bin, und wenn ich gerade fertig bin, geht das klar mit denen. Heute Abend war eine Herausforderung. Ich habe versucht zu twittern, aber irgendwas funktionierte nicht, konnte das aber jetzt wahrscheinlich im Handy nochmal richtig einstellen. Das Herzstück des Abends, ein
Theaterstück an sich war klasse. War eins a. Aber das menschliche drumherum war extrem anstrengend für mich. Nun gut, immerhin haben mich diese Menschen auf dieses Projekt aufmerksam gemacht und mir so dieses Erlebnis ermöglicht.
Mein Twitterprojekt ist ansich eine gute Sache. Gibt mir ein Ventil wenn ich nicht zu Hause und alleine bin. Offen gesagt ist es allerdings für mich herausfordernd, nur soundsoviel Zeichen zu schreiben, da muss ich mich extrem einschränken. Aber es macht Spaß und tut gut. Und es fängt gerade erst an! Die ersten technischen Mängel merze ich gerade noch aus und dann gehts hoffentlich weiter mit links etc. Die jungen Leute von heute denken sich wahrscheinlich, wie technisch ungeschickt ist die denn?? Ja, die jungen Leute von heute sind auch von Casper geflashed - sie kennen früher nicht. Früher, als man RAG hörte.
overloaded am 13. Juli 11
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Ich habe jetzt offiziell keine "Anpassungsstörung" mehr sondern eine "depressive Episode". Die Krankenkasse zahlt sonst keine Therapie mehr, können sich nicht vorstellen dass jemand sich so sehr nicht anpassen kann. Na gut, mit depressiver Episode kann ich mich auch anfreunden. Später dann "...und nach meinen jahrelangen Anpassungsstörungen erlebte ich dann eine depressive Episode." Geht doch.
Der Psychologe bohrt tief in meiner verwundeten Seele. Die ersten Tränen fließen nach vielleicht zwanzig Minuten, schöner Tag vergessen, ja, so ist Psychotherapie, das ist Arbeit; kein Spass. Er gräbt weiter und als ich kaum noch atmen kann, fragt er mich, ob er weitermachen soll. Ich beschließe schnell nach der Stunde eine Kiste Bier zu kaufen und antworte mit ja. Jetzt mit kaltem Bier den erhitzten Kopf kühlen, Kalkbrenner in Schleife, niemanden mehr sprechen, dem Urlaub entgegenfiebern und dann einfach ins Bett und den Kopf in aller Ruhe im tiefen Schlaf alles sortieren lassen. So lässt es sich gerade gut leben.
Ich freue mich so sehr auf den Urlaub! Ich werde ein paar Nächte durchtanzen, werde nackig am Strand liegen, im Meer baden, zwischendurch was überziehen, an einer Strandbar ein paar Bierchen trinken, die große Tarnsonnenbrille auf und in jedem Moment, in dem ich gute Musik höre einfach tanzen. Und zwischendurch einfach Julia berühren.
overloaded am 11. Juli 11
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