Und wenn ich wieder Bier trinke, schreibe ich auch wieder. In der Küche sitzen, Bier trinken, rauchen, schreiben. Wie seit Monaten läuft Gentleman live in Schleife. Ich plane am neunten neunten nach Hagen zu fahren, Gentleman wirklich live, aber ich muss wohl alleine fahren, alle die ich gern dabei hätte, können nciht (das sind aber auch nciht viele). Ich würde selbst mit dem Auto fahren, nichts trinken, oder wenig, und vielleicht wäre es das Nachholen vom Konzert vor Weihnachten, bei dem ich auch alleine war, aber es war fußläufig und ich trank und ich kippte irgendwann um, am Ende des Konzertes, und während ich umkippte dachte ich noch: mist, bin alleine hier und kippe jetzt um. Irgendwie halfen mir sofort ein paar Menschen auf und irgendwie bin ich auch noch alleine nach Hause gelaufen, aber mein Steiß war gestaucht oder vielleicht sogar angebrochen und so quälte ich mich mit Schmerzen durch die letzten Tage des Jahres.
Eins ist klar: dieser Winter darf nicht werden wie der Letzte. Noch ein Winter in dem ich nur trinke und den ganzen Sommer brauche um wieder auf die Füße zu kommen schaffe ich nicht. Man wird ja nicht jünger. Aber ab morgen ist September, ab morgen ist Herbst in meinem Empfinden, ab morgen ist Spätsommer und aus Erfahrung weiß man: wer jetzt alleine ist, wird alleine bleiben, den ganzen Winter. Ich habe noch keinen Plan, kein Konzept wie ich den Winter verbringen will. Viel Fitnessclub, viel Sauna, aber nur im Leerlauf auf dem Laufband wird mich nicht glücklich machen. Ich muss mal schnell noch irgendeine Fortbildung buchen oder mir ernsthaft vornehmen vier Kilo abzunehmen und zur Kampfmaschine zu werden - tja, das war eigentlich der Plan für diesen Sommer....mal sehen....
Ich fahre viel Auto zurzeit. Ich gehöre mittlerweile zu denen, die im Businessoutfit auf der linken Spur mit hundersiebzig Sachen und Headset im Ohr von Termin zu Termin hetzen. Nach dem letzten Termin heute habe ich das sogar in den Baustellen auf der linken Spur durchgezogen. Linke Spuren bei Baustellen sind ekelig. Man muss cool bleiben. Die Spuren sind schmal und man überholt nonstop LKWs. Nicht nach links, nicht nach rechts gucken, Spur halten und durchziehen. Wie eiskalt ich geworden bin dass ich das jetzt mitmache. Und dann der Gedanke, dass ein Blitzer nciht schlimm ist, ich habe noch keine Punkte. Mir gefällt das nicht. Ich gefalle mir so nicht. Nicht für das Gehalt, nicht für den Saftladen. Chef findet das natürlich toll. Wie ich mitziehe. Ach Chef, gib doch zu du genauso heulend mit Bier abends zu Hause sitzt wie ich. Ach Chef, gibt doch zu dass du neidisch bist auf mich, dass du den ganzen Scheiß da nur weiterdurchziehst weil du Familie hast und dich viel lieber treiben lassen würdest. Ach Chef, setz dich doch einfach für meine nächste Gehaltserhöhung ein. Wir klären das noch. Wenn die Kollegin im Urlaub ist. Und du weißt, wenn du mir oben in den Rücken fällst, gehts nicht gut für dich aus, denn "oben" mag mich einen Ticken mehr.
Bier leer. Ab ins Bett.
overloaded am 01. September 11
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Es wieder soweit: mir platzt der Kopf - alles zu viel. Zwölf Stunden gearbeitet. Morgen dasselbe Programm, Donnerstag auch, Freitag vielleicht nicht, aber Samstag dann wieder auf jeden Fall. So viel Arbeit für so wenig Geld, und schlimmer noch: so viel Arbeit mit sovielen Idioten. Menschen die einem Leid tun sollten. Weil sie ihre eigene Unstimmigkeit am Job auslassen. Diese Machtgeilheit um irgendein Defizit auszugleichen. Und dabei sind sie nicht mal gut. Ich kotze immer mehr in diesem Saftladen. Ich will da weg. Ich habe keine Lust mehr auf großes Unternehmen, auf Zuständigkeiten und eine sich selbst verschlimmernde Unternehmenskultur. Der Fisch fängt am Kopf zu stinken an.
Dachte ich vor ein paar Tagen noch, wie gut mir der Urlaub tat, wie gut es mir tat mit ihr soviel Zeit zu verbringen, zu lieben und geliebt zu werden, wie mich das wieder auf die Füße gebracht hat, wie ich wieder festen Boden unter mir spüre, wie ich wieder das Gefühl habe, alles in Griff zu haben und auch mit mir wieder glücklich sein kann. Eigentlich ist alles gut, ich brauche anscheinend nur wirklich einen neuen Job. Aber wo? Ich schreibe keine Bewerbungen. Ich sehe Stellenanzeigen, auch interessante Jobs, finde Promotionsstellen die zu mir passen könnten, aber dann ist das eine zu weit weg und beim anderen ist es dann doch wieder ein Großunternehmen. Und bei den noch anderen, ist mir klar: da habe ich eh keine Chance.
Habe heute einen Vortrag gehört. Ich höre viele Vorträge. Jobbedingt. Meistens geht es um Motivation und was man wie erreichen kann, stets vorgestellt anhand des Redners Lebenslauf. Heute wieder. Er ist ein Jahr jünger als ich. Er ist erfolgreich. Er hatte ein paar Mal Glück im Unglück, sicherlich, aber er hat auch hart gearbeitet. Mir wird klar: ich habe noch nie hart gearbeitet. Ich habe irgendwie Abi gemacht und ich habe irgendwie ein Studium abgeschlossen. Ich habe mich nicht so sehr bemüht dass mir eine Stelle in der Uni als studentische Hilfskraft angeboten wurde. Klar, ich habe Praktika gemacht, Gute auch, und wurde stets übernommen als stud. Mitarbeiterin, aber ich habe mich nie in irgendwas so sehr reingehangen, dass ich irgendwas erreicht hätte. Ich kann auch nichts wirklich richtig gut. Kein Instrument, keine bestimmte Sportart, keine Sprache. Sicherlich spiele ich einige Instrumte anhörlich und sicherlich kann ich mal eben zehn km joggen oder gezielt ein paar Muskeln trainieren, und genauso kann ich auch in zwei drei Fremdsprachen ne Runde quatschen, aber wirklich gut kann ich von alledem nichts. Ich habe schon mal darüber nachgedacht woran das liegen mag. Haben mir meine Eltern keinen Biss mitgegeben? Habe ich nicht gelernt zu üben, dranzubleiben, weiterzumachen so lange bis irgendwas richtig gut läuft? Mit Misserfolgen umzugehen? Ich glaube dafür war einfach keine Zeit und keine Kraft da. Zu viel andere familiäre Herausforderungen.
Aber ich kenne auch meine Kompetenzen, das, was mir mit in die Wiege gelegt wurde. Ich bin repräsentativ. Ich weiß nicht mit wie vielen Menschen ich heute gesmalltalked habe (das ist mein Job - Vertrieb halt!) - fünfzig, vielleicht auch mehr, aber ich bin mir sicher, jeder von denen würde diesen Text hier nicht mir zuordnen. Von außen betrachtet bin ich super. So hübsch und so nett und freundlich, nie muss man sich in meiner Gegenwart platzlos fühlen. Ich beziehe jeden ins Gespräch mit ein und jeder kann sich willkommen fühlen.
Neulich hatte ich ein Schlüsselerlebnis. Ich kam vom Laufen, war im Endspurt, hörte Radio mit Stöpeln im Ohr, die letzten zwei km. Eine Großmutter mit ihrer Enkeltochter ging in meine Richtung. Das kleine Mädchen sah mich, in meiner engen Läufterhotpants mit meinen für meine Körpergröße langen trainierten Beinen, die lockigen Haar hochgesteckt, durchgeschwitzt und lief mit. Ich hörte die Großmutter sagen, ja läuftst du mit, ich zog mir die Stöpseln aus dem Ohr, schaute laufend zu dem nun neben mir laufendem kl Mädchen, sie lachte und ich spornte sie an, für hundert Meter, ja klasse, du läufst mit, jetzt noch, der steige Berg, schaffst du das, ja, ja, und oben auf dem Berg riss ich die Arme hoch und jubelte. Und sie jubelte mit. Ich winkte und lief weiter. Ja, kleine Mädchen wollen sein wie ich, wenn sie groß sind.
Ich erinnere mich an eine Situation vor Jaaahren, ach, bestimmt zehn Jahre her, wenn nicht noch länger. Meine Mutter und ich waren in der Stadt shoppen oder so. Eine andere Mutter ging mit ihrer Tochter vorbei. Meine Mutter sagte: die hat gerade zu iherer Mutter gesagt, dass sie so Haare wie du haben willst. Meine Mutter konnte mir mitgeben, dass ich nicht schlecht bin, konnte mir Zuversicht mitteilen. Leider nur selten. Sie musste schon in andere so viel Liebe und Zuversicht stecken, da blieb nicht mehr viel für mich. Ich weiß, sie kann es jetzt, und ich weiß auch, sie hat alle letzten Kraftreserven stets in mich investiert. Was würde ich darum geben sie jetzt weinend anrufen zu können und mit ihr zu sprechen. Ihr von der ganzen Scheiße in der Firma zu erzählen und dann von ihr zu hören, dass ich Ruhe bewahren soll, weil sie sich sicher ist, dass es für mich auch noch einen anderen Job gibt, und dann hätte sie bestimmt auch direkt eine Idee, bei wem aus meinem Netzwerk ich ja mal wieder anfragen könnte, ob da nicht was geht, jobtechnisch. Aber ich kann sie nicht anzufen, denn es würde ihr das Herz brechen, denn sie würde das alles sagen wollen, könnte aber nicht. Scheiß Alzheimer. Was soll das. Sie ist dankbar. Für jede Minute die ich mit ihr verbringe, für jede Umarmung. So wie ich. Vielleicht auch genau deswegen wertvoll.
Abgeschweift. Schön wenn man keinen Anspruch an "gut geschriebene" Stories oder Followerzahlen hat ;-) Ich mach das doch alles nur zum festhalten. Wollte noch schreiben, dass ich zwar kein Profi in einer Sport, -Musik oder- Sprachsparte bin, aber dass ich all dies mit ganzem Herzen mache. Ich warte nur noch auf dem Moment, in dem mir genau zum Vorteil wird.
Möchte heute Abend gern was aufreißen, möchte mal wieder im Arm einschlafen und morgens nicht alleine liegen bleiben müssen. Am liebsten nicht wer fremdes, eher so mit gut-Garantie. Naja, mal sehen. Jedenfalls müsste ich dafür meine Wohnung wohl mal ein bißchen aufräumen und putzen. Befürchte dann nur Murphy´s Law - wenn ich die Wohnung herrichte wird das nichts mit Übernachtungsgast, wenn ich alles so lasse wie es jetzt aussieht, sind die Chancen vielleicht höher. Was tun? Vielleicht greifen die Gesetze aber jetzt eh schon, weil ich so sehr Lust auf eine zweisame Nacht habe. Und sollte ich wen Bekanntes anrufen und direkt was klar machen oder mich treiben lassen auf die Gefahr hin dass ich nichts treffe? Und wenn ich mich verabrede dann könnte es ja auch passieren, dass dann noch was Besseres dazwischen kommt. Fragen über Fragen, Gedanken kreisen als hätte ich ein Karussel im Kopf. Man rät mir eine Opri zu schmeißen, aber ich zögere das noch ein bißchen raus, so zwei drei Monate.
Ich denke an ihn. Ich denke an ihn seit zehn Jahren, ach was, es sind mittlerweile schon vierzehn. Wie die Zeit doch vergeht, wie alt man doch wird. Wir hatten damals dieselbe Situation. Volljährig, zu Hause wohnend, sich um die Familie kümmern. Ich um meine gehörlose Nichte, er um seine kleinen Halbgeschwister. Wie wurden einfach so eingespannt. Jedes Dach hat sein Ach. Das ist das was uns verbindet. Das ist das warum jeder den anderen versteht. Das ist das. Es hat lange gedauert aber jetzt vermisse ich ihn, wünschte ich könnte ihn jetzt treffen, wünschte wir könnten uns jetzt umarmen.
Wie schwierig doch alles wird, wenn man nicht mehr so jung ist.
Und wieder geht eine Woche zu Ende. Und wieder denkt man letzten Endes nur: TGIF. Scheiß Erwachsen-sein.
overloaded am 20. August 11
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