Samstag, 1. Oktober 2011
Wie gern würde ich ihm eine sms schicken "Zusammen Sonne am We genießen?" aber ich kann nciht, es geht nciht. Es ist deplatziert. Er ist zu verkorkst. Mir würde es letzten Endes nur weh tun. Er schafft das nicht. Er kommt auf so Gefühle nciht klar. Aber wie gerne würde ich morgen oder übermorgen eine Radtour mit ihm machen und mich verbunden fühlen. Mich verbunden fühlen, dass ist was mir gut tut, finde ich mit dem Psychologen raus. Aber da ist niemand. Klar, dir guten Freundinnen und die sind auch gut. Aber letzten Endes komme ich nach Hause, und da ist niemand. Und langsam bekomme ich Panik, denn ich bin keine Zwanzig mehr.



Warum ist da niemand wenn ich für ein langes We nach Hause komme? Ich bin nicht falsch oder schlecht. Oder unattraktiv.

Ich laufe mein Pensum von früher, zehn km in weniger als sechzig Minuten. Meine Beine sind muskulös, man sieht, dass ich sowas laufen kann. Ich höre wieder Musik beim Laufen - ahja, so ging das mit dem hohen Tempo. Ich laufe und laufe und ich kämpfe und kämpfe, aber es gibt keinen Preis.

Meinem Vater tut es weh dass er mich belügt. Bilde ich mir ein.

Langes We. Ich bin nicht allein aber ich fühle mich einsam. Mein Knie blutet, mein Arm wahrscheinlich auch. Ich spüre nichts mehr.

Der Körper rebelliert, das Herz schmerzt - overloaded, alles zu viel.



Freitag, 30. September 2011
Mein Vater und ich telefonieren, meine Mutter fragt im Hintergrund mit wem er spricht, er nennt meinen Namen, sie kann ihn nicht einordnen. Erst als ich mit ihr spreche weiß sie dass ich es bin. Bilde ich mir ein. Der nächste der in meiner Gegenwart einen Witz über Alzheimer macht, bekommt von mir einen so derben Spruch, dass er drei Tage vor schlechtem Gewissen nicht schlafen kann. Und ich habe verdammt gute kommunikative Kompetenzen.

Ich werde wieder agressiv, und das ist gut so. Viel zu selten mache ich meinen Mund auf und verteidige mich, viel zu oft nehme ich einfach alles hin. Aber ich habe auch oft keine Kraft mich mit Idioten auseinander zu setzen. Aber mittlerweile gehe ich doch viel zu oft den Weg des aus dem Weg-Gehens. Andere fangen dann an, mit einem zu machen was sie wollen.

Twitter macht mir Spaß, raubt mir aber Anonymität befürchte ich. Kann nicht längst allem folgen was ich gern würde mich auch nicht in lokale Diskussion einmischen. Nun denn, was solls.

Ich finds krass wie oft ich in letzter Zeit gehört habe, dass der Begriff "emotionale Abhängigkeit" nicht verstanden wird.



Mittwoch, 28. September 2011
Alles zu viel, Absturz, mit Tränen eingeschlafen, mit Tränen aufgewacht. Immer wieder der Gedanke mich einweisen zu lassen.

Ich habe ja letzten Sommer die Biografie von Robert E. gelesen und ich muss immer wieder sagen: das ist die beste Beschreibung von suizidalen Depressionen. Die Sache ist nicht, dass man nicht mehr leben möchte, es ist viel mehr, dass man sich selbst nicht mehr aushält. Es ist furchtbar. Man hat Angst um sich selbst. Jede Zelle im Körper schmerzt.

Im Büro wollten die Tränen weiterlaufen, doch gerade als ich anfing über die Option nachzudenken, jetzt rüber ins Büro vom Chef zu gehen und Bescheid zu geben, dass ich burnout habe, jetzt leider gehen muss, und nicht so schnell wieder komme, kam so viel Stress auf, dass ich meine Gefühle verdrängen musste. Telefon, Emails, Beschwerden, Dinge die geklärt werden müssen, Stress. Chef setzte sich zu mir, nachdem er im Vorbeigehen fragte, ob das We am Strand gut gewesen sei und ich nur antwortete, dass es schlecht gewesen sei und als sich unsere Blicke kurz trafen, als ich kurz vom Bildschirm aufsah, kämpfte ich noch mit den Tränen. Er setze sich zu mir. Ich ging direkt auf die Dinge ein, die wir zusammen klären mussten, nachdem ich in drei Sätzen vom We erzähle und damit beendete, dass ich auf Zickenkrieg nicht kann.

Ich burnoute wieder, denn ich da ist zu viel Arbeit. Ich depremiere wieder, denn das We tat mir nicht gut. Und dann fällt mir wieder nichts anderes ein, als mit Bier das alles runterzuspülen und so irgendwie die nächsten Tage zu überstehen.