Wer viel Scheiße erlebt kann viel kämpfen.
Ich laufe auf dem Laufband, im Leerlauf. Mit Musik laufe ich wieder locker zehn kmh, ich laufe eine halbe Stunde. Ich falle auf. Rechts von mir wird geflirtet, ein Typ läuft langsam, zwei Mädels sitzen daneben, sie quatschen irgendwas, ich nehme nur Fetzen wahr. Hätte ich nicht gedacht dass du erst neunzehn bist. Links von mir ein kleiner Mann der versucht schnell zu laufen. Wie lange er das Tempo wohl hält. Ich drehe meine Musik auf und halte das Knöpfchen gedrückt bis ich im Tempo von zehn kmh laufe. Ich sehe mich in den Fensterscheiben gespiegelt. Meine Brüste wippen deutlich trotz Sport-BH und trotz geringer Größe. Ich höre ein bißchen
---------raus. Der Mann rief jetzt an-------verquatscht, über Gehalt, Rente, Ärzte, Geschlechtskrankheiten, son Zeugs halt-----------
Sunshine Reggae, denke an den Mann, wie gut sich alle Berühungen mit ihm anfühlen und wie sehr er doch ein Klassiker ist, ein Schubladenmann für mich, einer der unverbindlich mit mir ist und wie gutund vertraut sich trotzdem alles anfühlt und dann zappe doch weiter auf irgendwas Elektronisches, klare Bässe, schneller Beat und meine Beine laufen schneller als alle anderen Beine zum gleichen Zeitpunkt auf den Laufbändern rechts und links neben mir. Ich schaue in die Fensterscheiben, was da so rumläuft im Fitnessstudio. Erkenne nicht viel. Männer. Ich spüre tropfende Schweißperlen. Schaue mich wieder im Fenster gespiegelt an: meine Haar sind zu einem strengen Zopf zusammengebunden, Lockenlöwenmähne gebändigt, die wippenden Brüste und der Rest des Körpers mittlerweile komplett angespannt, mein Gesichtsausdruck hart. Ich kämpfe. Die Perlen und der Typ rechts neben sind längst weg und auch Mr. Schnelllauf von links hat nach wenigen Minuten aufgegeben. Ich bin die Verrückte, die da immer weiterläuft. Wer viel überstanden hat, kann gut kämpfen. Ich glaube Kämpfen ist das einzige, was ich wirklich gut kann. Andere können gut Klavier oder Tennis spielen, ich kann kämpfen. Manchmal kann ich nicht mehr, dann ist alles zu viel, dann will ich in keinen neuen Kampf mehr gehen, dann will ich zusammenbrechen aber---------
nicht in der Zyklusmitte!!!!!!!!! :-)
Werte Leser! Seine Sie auch in zwei Wochen wieder dabei wenn es heißt: Bei pms hilft nur Bier.
overloaded am 06. Oktober 11
|
Permalink
| 0 Kommentare
|
kommentieren
Die Augen sind noch geschwollen und fühlen sich schwer an. Weinend eingeschlafen, weinend aufgewacht. Jetzt, am Frühstückstisch sitzend, mache ich eine Bestandsaufnahme meines Zustandes um danach den Tag zu planen und auch um eine Strategie zu entwickeln, wie ich die nächsten Tage gut über die Runden bringen kann. Was hat mich dermaßen runtergezogen in den letzten Wochen? Die Nähe mit dem Mann? Sicherlich komme ich nicht gut klar auf sowas, aber ich hatte schon eine ganze Zeit lang das Gefühl, ich hätte mich dabei im Griff. Aber dann kamen wieder zu viele zehn zwölf Stunden Tage auf der Arbeit. Und keine Wertschätzung. Und dann floss wieder zu viel Bier. Und dann verliere ich mich.
Die Hiobsbotschaft gestern bei meinen Eltern. Kam einfach noch obendrauf.
Der Mann rief mittendrin an, ich konnte nicht sprechen, wimmel ihn ab. Und dabei hatte ich mich so gefreut dass er sich meldete. Eben rief er wieder an. Ich glaube er lag noch im Bett. Will mit mir heute Sonne genießen. Ich bin mit der Urlaubsfrau verabredet. Ich sage ihm, dass es heute wahrscheinlcih eh nicht schön wär mit mir, ich bin fertig, erzähle nur ganz knapp, dass es mir nicht gut geht. Ach das sei doch nicht schlimm, dafür sei man doch da, dass man auch in schlechten Zeiten und so. Ich konnte nichts darauf erwidern, staunte mit offenem Mund über seine Worte.
overloaded am 03. Oktober 11
|
Permalink
| 0 Kommentare
|
kommentieren
Ich bin gestern gestürzt! Knie aufgeschlagen, Arm auch, ganze rechte Seite lädiert, richtig über den Asphalt gerutscht. Darüber wollte ich eigentlich gestern Abend noch schreiben, aber dann kam Bier dazwischen und so reichte es nur noch für Depriworte. Jetzt aber. So ein Sturz mit Schürfwunden hat was Nostalgisches! Bierfreundin war sogar neidisch auf mein Erlebnis. Und das war so: Ich war laufen. Schnell, mit Musik, mit Laufrausch, mit langen Beinen fast gesprintet. Ich bin lange nicht mehr so schnell gelaufen. Die Fußballer auf dem Sportplatz waren auch verdutzt, fragten sich wohl, was mich denn gestochen hätte, ich ziehe ja sonst meine Runden immer recht ruhig und gleichmäßig durch. Es hat so einen Spaß gemacht! Die Musik machts. Ich erinnere mich wieder: ich bin früher nur mit Musik gelaufen, so also schaffte ich zehn km in locker unter einer Stunde. Als ich dann gestern meine Runden runtergesprintet hatte, rief ich die Bierfreundin an, ich käme jetzt direkt zu ihrer Straße gelaufen, dort könne man dann ja auf der Bank ein Bierchen trinken. Ein paarhundert Meter vorm Ziel kam eine Ampel und ich bin nicht über rot gelaufen, da Eltern mit ihrem Kind an der anderen Straßenseite auf grün warteten. Das Kind saß im Rollstuhl, ein Bein schwer eingegipst und hochgelagert und ich spürte einen Stich in meinem Herz. Das Kind da im Rollstuhl gefesselt und ich in meinen kurzen Laufhosen, mit langen trainierten Beinen und einem glücklichen Gesichtsausdruck nach dem guten Sprint. Ich habe das öfter, wenn ich laufe und dann auf behinderte Menschen treffe, die nicht laufen können. Ich stelle mir immer vor, wie es ihnen weh tun muss mich so zu sehen. Anders ist es mit alten Menschen. Da lächel ich einen alten Herren gern an und mache ihm gern eine Freude durch meine Erscheinung. Also ich blieb an der Ampel stehen, das Herz stichte, und ich bemerkte dass die Schleife des linken Schnürsenkels fast aufgelöst war. Ich wägte kurz ab, jetzt bücken oder die letzten Meter so noch eben weiterlaufen. Ich lief bei grün weiter. In meinen Ohren ertönte "Halt an deiner Liebe fest". Und dann passierte es. Ich trat mit dem rechten Fuß auf den linken Schnürsenkel, der linke Fuß blockierte und ich flog mit voller Wucht. Ich flog erst mal, dann rutschte ich auf dem Pflaster weiter. Es dauerte bis ich endlich still lag. Mein erster Gedanke: liegen bleiben, damit ich den Moment des nicht-Aufstehen-können und der Realisierung der Verletzung noch kurz hinauszögern kann. Zwei Menschen stehen vor mir, fragen ob alles ok ist. Ich antworte ja, ich müsse nur mal eben schauen ob ich aufstehen kann. Stehe auf und sehe meinen Nachbarn mit seinem Freund da stehen. Ein Radfahrer kommt hinzu, fragt ob alles ok ist. Es muss echt dramatisch ausgesehen haben. Mein Nachbar schaut mich besorgt an. Fragt, was ich denn hier mache, wir würden doch da hinten (andere Richtung) wohnen. Ich erzähle kurz den Bierplan und laufe weiter. Als ich an mein Bein runterschaue, sehe ich Blut laufen. In dem Moment schießen Tränen in meine Augen. Seltsam, was? Zu sehen dass man blutet muss irgendeine chemische Reaktion im Körper auslösen. Ich glaube Kinder weinen auch immer erst wenn sie sich bluten sehen oder eine hysterische Mutter "Es blutet!!" schreit. Ich komme an der Bank an, wir gehen in den Kiosk zum Bier kaufen und ich sage, schau mal, irgendwie bin ich verletzt. Im Licht sehen wir das blutende Knie, den blutenden Arm und die anderen Schürfwunden. Bierfreundin schlägt vor Wunden mit Bier auszuwaschen. Wir trinken. Wie lange hatte man sich schon nicht mehr auf die Fresse gelegt! Wie lange hatte man schon keine Schürfwunden mehr! Wir rechnen kurz durch und kommen auf locker fünfzehn Jahre. Ein junger Mann trifft uns, wir trinken weiter, ich blute weiter.
Wer kein Blut sehen kann, nicht in den Kommentar klicken.