Samstag, 29. Oktober 2011
Um den heterogenen Teil des Abends kurz zu machen: er war nicht da. Eine Beobachtung noch kurz anbei in diesem Zusammenhang: in Zügen von Norden nach Süden sitzen Freitags Abends schöne Männer. Viele schöne junge interessante Männer. Anschauen, Blick halten, aber kein Gespräch angefangen, war zu fertig.

Die Partnerinnen von lesbigen Frauen scheuen mich. Habe ich jetzt schon mehrfach wahrgenommen. Heute auch wieder. Je jünger sie sind, desto mehr sehen sie mich als Bedrohung. Heute Abend gab es zum Glück nur reifere Frauen, keine jungen Dinger. Die Frau von der Frau die mich heute eingeladen hatte beispielsweise. Ich glaube wir haben uns noch nie unterhalten, kennen uns nur vom sehen und sie mich wahrscheinlich noch ein bißchen mehr aus Erzählungen. Mit ihrer Frau bin ich end-dicke. Sie hielt eine Rede und ich hatte gar nicht damit gerechnet, dass ich mehrfach erwähnt wurde. Zweimal ganz deutlich und alle schauten zu mir. Die Frau von der Frau lächelte mich an. Sie hat Respekt, sie findet mich interessant, keine Frage, aber sie ist selbstsicher genug, dass ich ihr nicht das Wasser reichen kann. Sie hat einen Lehrstuhl, gehört zu den Topwissenschaftlern in einem bestimmten Bereich im deutschsprachigen Raum. Und dennoch: sie nimmt mich wahr. Ich finds gut. Ich hätte mich gern mal heute mit ihr unterhalten aber es ergab sich nicht, unsere Blicke trafen sich ein paar Mal, wohlwollend, lächelnd, freundlich und wahrscheinlich reicht das auch einfach.

Ich unterhalte mich mit einer Chefin von ganz früher. Ganz früher. ltz. Ich sähe gut aus sagt sie. Klasse, alles richtig gemacht. Man sieht mir den ganzen Scheiß noch nicht an. Wir quatschen eine Runde, entwickeln kurz ein paar neue Angebote, tauschen uns aus und ich fühle mich einfach nur als hätte ich einen Platz in dieser Welt.
Dann treffe ich eine andere Frau von früher und ich freue mich end dass sie ohne ihre Freundin da ist. Sie riecht so unendlich gut. Ich rieche sie durch den ganzen Raum. Ich unterbreche ihr Gespräch mit einer anderen Frau und diese lässt sich von mir unterbrechen, schaut mich genau an, auch wohlwollend, aber genausten. Schließlich kann ich die andere Frau nach draußen ziehen und erfahre: sie hat aufgehört zu rauchen. Wir erzählen wie es uns geht, was das für ein Jahr ist, richtig scheiße oder gut und ich möchte sie einfach nur anfassen. Sie ist fünfzehn Jahre älter als ich. Nach einiger Zeit kann ich nicht mehr und streichel ihr über den Arm, an den Haaren. Ich weiß: wir werden beobachtet. Aber es waren nur korrekte Leute dort. Niemand der tratscht und sich an sowas hochziehen würde. Vielmehr: wer war diese junge Frau die bei Vereinzelten so bekannt, vertraut und geliebt ist.

Zwischendurch habe ich Sekt getrunken, tolle Bilder gesehen, mir das dreistöckige Atelier angeschaut, Bier getrunken, Worte auf Leinwände geschrieben, Fremde kennengelernt, nach einem Fotomotiv gesucht aber keins gefunden, mit zwei Heteromännern geredet, alleine draußen geraucht, eine Olive gegessen, eine junge sehr scöne Frau beobachtet und mir zum Abschied ein Wegbier mitgenommen.

Jetzt zu Hause ist es wieder soweit. Ich habe das neulich schon beim Psychologen durchdekliniert. Nach einem schönen Abend kann ich zu Hause nicht ins Bett fallen. Ich muss noch ein Bier aufmachen, mir den letzten Stoß geben. Es ist irgendwie was von wegen dieses Gefühl festzuhalten.

Jetzt Urlaub. Runterkommen. Und mal wieder im Schnelldurchlauf, innerhalb einer Woche. Aber das schaffe ich schon.

"Nimm dir das Leben und lass es nicht mehr los. Denn alles was du hast, ist dieses eine bloß. Nimm dir das Leben, und gibs nie wieder her, denn wenn man es mal braucht, findet man es so schwer. Wir sind doch keine Automaten, wir sind ein Wunder, du und ich, lass die andern weiterhetzen..........." Udo Lindenberg, unplugged.

Freue mich sehr darauf das ganze Album zu hören. Urlaub.



Donnerstag, 27. Oktober 2011
Und wenn es das Leben gut mit mir meint, treffe ich Till morgen. Ich werde morgen Abend so einige liebe Menschen treffen die ich lange nicht gesehen haben. Menschen, die mir zeigten dass ich was kann, dass mein Weg richtig für mich ist. Ich peppel mich auf, lackiere sorgfältig die Nägel, suche ein Outfit aus, plane die lange Anfahrt. Sie sollen nicht sehen wie schlecht es mir geht. Ich darf da nicht kaputt rüberkommen. Fertig ja, aber nicht kaputt.

Also Till wird wahrscheinlich und hoffentlich auch da sein. Ich werde nicht trinken. Einen Kontersekt, aber mehr nicht. Das wird natürlich schwierig. Aber ich werde cool und taff rüberkommen müssen. Till sieht mich als Konkurrenz. Ich lernte ihn kennen als er sich selbstständig machte und im Laufe des Tages erzählte ich ihm, dass ich auf kurz oder lang dasselbe vorhabe. Er sagte mir dass er in mir eine Konkurrentin sieht. Ich finde das ist eine sehr gute Ausgangsbasis für whatever. Also besser als Sex. Wobei...Till hat auch eine weite Anreise und man könnte dann ja sponatan ein Hotelzimmer nehmen..........(die guten Freundinnen würden genau jetzt mit dem Kopf schütteln und ausflippen).

Morgen twitter ich dann live: erstens kommt es anders und zweitens wie man denkt.

Es werden auch ein paar lesbige (!) Frauen da sein. Mit Partnerinnen. Diese Partnerinnen kennen mich bisher höchstens vom Erzählen. Es wird spannend! Ich freue mich sehr sehr sehr auf morgen Abend. Und ich habe Angst dass es genau deswegen nicht gut wird. Ach, anyways...Bierchen austrinken und ab ins Bett.

Bei anyways fällt mir jedoch noch ein Story ein...



Donnerstag, 27. Oktober 2011
Morgen ist das große Feedbackgespräch, das Gespräch in dem mir vorgehalten wird, was ich alles nicht erreicht habe und das Gespräch in dem ich die große Gehaltserhöhung bewirken will. Passt schon schlecht zusammen und noch dazu muss ich sagen: ich bin nicht vorbereitet. Ich bin seit Jaaaahren nicht mehr vorbereitet, fällt mir plötzlich auf. Ich bereite mich einfach nciht mehr vor. Nicht bei Präsentationen, nicht bei Vorstellungsgesprächen, nciht bei wichtigen Meetings, nicht bei Gehaltsverhandlungen. Ich führe mir bei so Terminen einen Abend vorher kurz vor Augen was so war und was so gehen könnte und das wars. Mittlerweile trinke ich den Abend davor sogar Bier statt wenigstens entsprechende Kleidung vorzubereiten (raussuchen was (zusammen-)passt, bügeln etc.). Jetzt ganz aktuell stelle ich mir viel mehr die Frage ob ich noch Zigaretten holen gehe oder mit den letzten dreien heute Abend und morgen auskomme (komme ich nicht). Na ja, ich werds mir einteilen.
Ich bereite also nichts mehr vor. Und ich erinner mich an früher, als ich noch vorbereitete. Als ich studierte bereitete ich viel vor. Ich las die entsprechende Texte für die nächste Vorlesung, las sogar quer (also weiterführende Literatur), fasste zusammen, formulierte Fragen über nicht-Verstandenes, bereitete Referate minutiös vor - perfekte Folien, perfektes Handout, perfekte Formulierungen. Ich erinnere mich an Feedbacks von Dozenten, dass DAS ein wirklich gutes Referat gewesen sei. Kommilitonen wollten mit mir zusammen Referate halten weil sie einfach gelangen.

Es fühlt sich an als hätte ich irgendwann an einem bestimmten Punkt aufgegeben. Bin irgendwann nicht mehr mitkommen. Als Alle Richtung Karriere steuerten. Man über-selbstsicher auftrat. Und tolle Jobs bekam. Ich bin ausgestiegen als es anfing nicht mehr Spaß sondern Ellenbogenkarriere zu machen. Das ist knapp zehn Jahre her und ich darf mir eingestehen: ich bin mir treu geblieben. Der Preis ist unendlich hoch, so hoch, dass mir das Gefühl hochkommt, ich kann ihn schon jetzt nicht mehr zahlen.

Morgen mehr Gehalt aushandeln. Und es geht nicht um Geld.