Sonntag, 6. November 2011
Heute Mittag leicht verkatert am Frühstückstisch sah ich die Zeitung, die ich gestern morgen nicht ausgelesen hatte. Ich blättere durch, habe Spaß daran Sonntags die Fußballprognosen von Samstags zu lesen, blättere weiter in den Lokalteil, lese von meiner mittlerweile abgerissenen und im Neuaufbau befindenen Schule, schaue welche Jahrgänge gestorben sind und kenne mal ausnahmsweise keinen von denen die geheiratet oder ein Kind bekommen haben. Ich lege mir das Sudoku und das gr Kreuzworträtsel beiseite, überfliege die Gesundheitstipps und als mir die Stellenanzeigen untergeraten, schaue ich durch, wohlwissend dass da eh nie was aus meinem Bereich bei aber, aber hey, ich habe burnout, ich kann nicht mehr in der Firma, also mal schauen. Und plötzlich lese ich MEINE Stelle. Original die Stelle, die ich seit Jaaaaaaahren suche. Es ist der Knaller. Nach langem Lauf in der Mittagssonne formuliere ich ein Anschreiben, jage es durch meinen Optimierungs-Email-Verteiler und höre am Telefon Sätze wie: die sind doof wenn sie dich nciht für die Stelle nehmen.

Vielleicht gehts bergauf. Jedenfalls ist wieder Bewegung im Spiel.



Donnerstag, 3. November 2011
Nach dem langen Treffen fahre ich einen Umweg. Ich habe es nicht eilig. Ich fahre aus der Plattenbausiedlung raus, durch die kurvigen engen Straßen und erinnere mich in etwa, wer da so alles früher wohnte. Mir fällt auf: ich kenne mich dort aus. Hatte ich schon fast vergessen. Fahre weiter aber nicht rechts zur Hauptstraße und den direkten Weg, sondern biege links ab und erinnere mich weiter. Rolle langsam den Berg hinab, durschstreife den Stadtteil. Ich fahre den Umweg, weil ich mich erinnern will. Nach ein paar km fühle ich mich um zehn, fünfzehn Jare zurückversetzt. Fasse routiniert an mein Kassettendeck, doch da läuft nichts. Ich fahre weiter den nächsten Umweg, fahre den nächsten Stadtteil ab, fahre durch eine nächste Epoche aus meinem Leben. Die Straßen leer und dunkel. Ich fühle mich verloren. Wie ein verlorenen Kind. So, wie ich mich in letzter Zeit viel zu oft fühle. Früher hatte ich diese Gefühl seltener. Sehr selten. Auch wenn alles schlimm war zu Hause, hatte ich doch immer das Gefühl einen Platz auf dieser Welt zu haben. Es ist als hätte sich dieses Platzlosgefühl erst jetzt herausgeschält, als wäre es früher noch einfach mehr ummantelt werden können. Vielleicht passt dazu was ich damals immer sagte zum Kiffen: die Tüte abends legt einen Mantel über alles Schlimme und man kann endlich zur Ruhe kommen. Alkohol ist anders. Alkohol schält. Alkohol ist eine ehrliche Droge. Alkohol ist eine harte Droge.



Dienstag, 1. November 2011
Nachdem sie erfuhren, dass er mit mir ein paar Nächte verbracht hatte, wollten sie ihn auch. Sie fingen an sich für ihn zu interessieren, nahmen ihn plötzlich als Mann wahr.

Und dann stehen sie wie Hyänen vor ihm, himmeln ihn an, begrabschen ihn. Ich schaue mir das Schauspiel an und empfinde Abschaum den Frauen gegenüber. Ihnen steht der Neid im Gesicht.