Sonntag, 13. November 2011
In Brokkoki ist ein Stoff enthalten, der Silber anlaufen lässt. Ich konnte es an meinem großen silbernen Lieblingslöffel letzte Woche genau beobachten. Er ist richtig angelaufen, verfärbt. Habe ihn gerade aufpoliert. Das Tuch wurde schwarz. Jetzt glänzt er wieder. Wenn ich mal Langeweile oder viel Zeit haben sollte, werde ich mein komplettes Besteck aufpolieren, aber ich habe gerade nachgeschaut: dem restlichen Besteck geht es gut. Also alltägliche Lebensmittel wie Nutella oder Honig sind völlig harmlos für Silber. Wir halten das mal so fest. Rotkohl ist auch kein Problem, konnte ich gestern und heute eruieren.

Ich esse nur noch mit Silberbesteck, btw. Schweres Silberbesteck in meinen Händen. Ich liebe es. In meinem Haushalt wird den Rest meines Lebens nur noch mit Silberbesteck gegessen. Ich habe zwei Silberbestecke. Ein sehr schönes, aber nicht sehr mengenmäßig, ich glaube nur für sechs oder acht Personen und eins für große Gesellschaften, ich weiß gar nicht genau wievielteilig es ist, ich nehmen an, für zwanzig Personen oder so. Mit unzähligem Zusatzbebör wie Suppenlöffel, Tortenheber, Zangen etc.

Warum ich das Silberbesteck so sehr wertschätze? Weil "auch die Dinge haben Tränen". Letztes - oder war es sogar vorletztes Jahr - habe ich die Häuser meiner Großmütter leergeräumt. Beide hielten das "gute Besteck" nur für besondere Anlässe bereit. Ich schätze jeden Tag als besonderen Anlass. Das Leben ist zu kurz um nur die besonderen Anlässe zu feiern.

Blick nach vorn.



Mittwoch, 9. November 2011
Ich bin dermaßen angefixt von der Stellenanzeige, dass ich mir innerlich heute die Kündigung ausgesprochen habe. Schon mal vorab innerlich kündigen ist gut. Da kann dann schon mal der Prozess des Verabschiedens beginnen. Erinnert mich spontan an letztes Jahr im Frühling, als ich mich vom Nerd getrennt habe. Da sprach ich auch erst mal eine innerliche Trennung aus, habe mich dann in Ruhe verabschiedet, und als ich durch war konnte ich einfach sagen: das mit uns hat aus meiner Sicht keine Zukunft mehr.
Das Anschreiben für die Bewerbung wird gerade durchs vertraute Netzwerk gejagt und es ist unglaublich, wie viel Hilfe ich gerade bekomme. Jeder überlegt wie man was noch besser formulieren kann oder ob man jemanden aus dem Unternehmen kennt. Mir wurde sogar angeboten ein Zeugnis über eine nie bekleidete Position zu schreiben. Aber sowas mag ich nicht. Morgen Abend dann das große Finale, ich muss meinen Lebenslauf optimieren, brauche ein neues Layout etc. Das wird nochmal ein hartes Stück Arbeit. Wenn das mit der Stelle nichts wird, werde ich weiter angreifen. Ich brauche so oberdringend einen neuen Job, ich bin so dermaßen durch mit dem Saftladen. Sie, werte Stammleser, konnten dies ja in den letzten Jahren verfolgen. Wie oft wurde ich mies gemobbt, von Vorgesetzten belogen und habe einfach nur geweint. Woanders ist auch scheiße, sagt mein Vater, ja, sicherlich, aber vielleicht nicht so sehr. Handel!, sagt eine andere Stimme, das ist ein schweres Pflaster. Ach, schweres Pflaster, ich glaube ich bin nach den Jahren in dem Saftladen mit allen Wassern gewaschen. Ich kann mir wirklich nicht vorstellen dass man jobmäßig noch mehr Scheiße erleben kann. Wenn das mit der Stelle klappen sollte, wird es Schlag auf Schlag gehen. Ich könnte mir sogar vorstellen dass ich freigestellt werde. Wenn einer Grips in dem Laden hätte, dann auf jeden Fall, aber die sind ja alle so hohl. Da wird keiner checken dass ich die letzten Tage mit Datenklau verbringen werde. Vielleicht sollte ich einfach schon mal morgen damit anfangen. Für alle Fälle.



Sonntag, 6. November 2011
Heute Mittag leicht verkatert am Frühstückstisch sah ich die Zeitung, die ich gestern morgen nicht ausgelesen hatte. Ich blättere durch, habe Spaß daran Sonntags die Fußballprognosen von Samstags zu lesen, blättere weiter in den Lokalteil, lese von meiner mittlerweile abgerissenen und im Neuaufbau befindenen Schule, schaue welche Jahrgänge gestorben sind und kenne mal ausnahmsweise keinen von denen die geheiratet oder ein Kind bekommen haben. Ich lege mir das Sudoku und das gr Kreuzworträtsel beiseite, überfliege die Gesundheitstipps und als mir die Stellenanzeigen untergeraten, schaue ich durch, wohlwissend dass da eh nie was aus meinem Bereich bei aber, aber hey, ich habe burnout, ich kann nicht mehr in der Firma, also mal schauen. Und plötzlich lese ich MEINE Stelle. Original die Stelle, die ich seit Jaaaaaaahren suche. Es ist der Knaller. Nach langem Lauf in der Mittagssonne formuliere ich ein Anschreiben, jage es durch meinen Optimierungs-Email-Verteiler und höre am Telefon Sätze wie: die sind doof wenn sie dich nciht für die Stelle nehmen.

Vielleicht gehts bergauf. Jedenfalls ist wieder Bewegung im Spiel.