Mittwoch, 23. November 2011
Der Countdown läuft. Morgen früh um halb neun werde ich das Vorstellungsgespräch rocken. Die Nägel sind mit der zweiten Schicht nun perfekt lackiert, die Kleidung liegt bereit, das großkotzige Anschreiben sowie die mitgesandten Zeugnisse sind noch mal gelesen, die wichtigsten Notizen gemacht und der Alkoholpegel wurde gering gehalten (ein Pils und ein Radler). Ich war vorhin noch zwei Runden im Fitnessstudio (also in der Sauna) und sehe frisch aus. Die Küche sieht leicht chaotisch aus, aber das Gespräch findet ja nicht hier statt. Den Weg zu dem Laden bin ich bereits abgefahren und weiß wo ich parken muss. Sämtliche Fragen sind im inneren Monolog durchdiskutiert. Jetzt heißt es nur noch cool bleiben, aufrauchen, ab ins Bett und weiterhin das gute Gefühl halten. OMG, wie aufregend....



Dienstag, 22. November 2011
Beim Fingernägel lackieren eben fiel mir was ein. Es fiel mir ein, weil ich hochkonzentriert beim zweiten Bier die Nägel lackierte und es auf anhieb perfekt klappen musste, denn für ausbessern ist heute keine Konzentration und morgen keine Zeit mehr da. Wenn es sein muss, kann ich das aber. Ich kann sogar im Notfall in der Bahn die Nägel auf anhieb perfekt lackieren.

Und so ich erinnerte mich gerade an den tollen Urlaub mit dem Nerd damals, in Griechenland, als ich auch in einer Situation war, in der es in kurzer Zeit mit Bierchen intus auf anhieb perfekt klappen musste. Wir hatten zwei Wochen Traumurlaub hinter uns. Ich habe damals bestimmt darüber geschrieben. Wir hatten einfach eine gute Zeit. Wir fuhren in versteckte Buchten, hingen dort rum, vögelten rum, in den Felsen mit Blick auf Athos, wanderten viel, durchdachten komplett neue Forschungsansätze, gingen studenlang alle statistischen Berechnungen dafür durch, schwiegen, tranken Kaffee, tranken Bier, tranken Schnaps, schauten zdf, machten Fotosessions, nahmen Anhalter mit, lachten, spielten mit den wilden Hunden, kehrten in die besten Bars ein, schauten in den Sternenhimmel am Strand, analysierten die anderen Hotelgäste und haben uns geliebt. Am Ende des Urlaubs schlug er vor, am letzten Abend noch mal richtig schön essen zu gehen. Er kannte das so: am letzten Abend geht man Essen. Ich mag das, dass wenn zwei zusammentreffen, jeder etwas aus seinen erfahrenen Routinen mit einbringt. In seiner Familie ging man am letzten Abend auswärts essen. Wir suchten in den letzten Tagen das entsprechende Restaurant dafür aus. Es war vom Feinsten. Als er vor dem Restaurantbesuch im Hotel duschen ging und ich frischgeduscht im Zimmer Leerlauf hatte, blieben mir nur wenige Minuten um mich in Schale zu schmeißen. Ich zog einfach mein schönstes Kleid an, sonst nichts, legte ein bißchen schlichten Holzschmuck an und lackierte spontan meine Nägel feuerrot. Kein Makeup oder irgend so ein chichi. Nur ich, das Kleid und die feuerroten Nägel. Als er aus der Dusche kam und mich sah, strahlte er. Er hatte verstanden dass ich verstanden hatte, dass man am letzten Abend zum Essen ausgeht.



Ich bereite mich auf das Vorstellungsgespräch vor. Suche Zeugnisse und Zertifikate raus, wasche die Hose vom neuen Anzug, lackiere die Nägel in modernem Rostrot, pflege die neuen Schuhe, suche das moleskine raus, studiere die Internetseite des Ladens und arbeite an meiner coolness.

Die inhaltliche Vorbereitung läuft parallel im Hinterkopf ab seit genau der Minute, als ich die Stellenausschreibung gelesen habe. Ich habe noch keine Notizen gemacht, aber eigentich steht meine Vorstellung schon komplett parat. Das Beste: ich muss nichts lügen, ich kann voll und ganz authentisch sein. Es ist genau mein Traumjob. Der Trick wird darin bestehen, nüchtern ausgeschlafen und in positiver Stimmung dort aufzutreten.

Ich finde das ein oder andere Zertifikat nicht mehr. Vielleicht liegt was in meiner Schublade im Büro...vielleicht auch nicht. Ich bin mir nicht sicher ob ich den neuen Anzug oder den edlen grauen anziehen soll. Und was drunter? Ich werde es klassisch halten mit einem hellen Top und schlichter Kette. Das ist ein Familienunternehmen, ich komme da im klassisch-spießigem Outfit wahrscheinlich am besten an. Die Nägel. Ich bin gezwungen farbigen Lack aufzutragen denn sonst sieht man die aufgesplitterten Nägel. Mit lackierten Nägeln sehen meine Hände eins a aus. Ich habe schöne Hände. Schlanke lange Finger. Ich hoffe einfach nur rostrot sieht modisch gepflegt und nicht tussig aus. Aber tussig ist wahrscheinlich nur knallrot. Ich habe das moleskine rausgesucht. Habe ich vor Jaahren geschenkt bekommen und nie genutzt. Dort sollen noch meine Notizen rein.

Ich hatte heute einen Termin auf den ich keinen Bock hatte. Ich war mir unsicher ob ich den mal eben so locker abreißen kann. Und dann habe ich an meiner Einstellung gearbeitet. Es handelte sich letztendlich um einen Vertriebler-Standard-Termin. Also Laptop und Beamer unter den Arm, losgestiefelt, Vertrieblerlächeln aufesetzt und mir gedacht: der Termin ist zum Ego boosten. Habe mich mit meinem charmanten Lächeln vor die potentiellen Kunden gestellt und einfach profihaft losgelegt. Wie viel doch die Einstellung macht! In so einen Termin reingehen mit dem Gedanken: das rocke ich! Im Gegensatz zum klein, fett und hässlich fühlen. Ich muss eingestehen, die Zyklusmitte mit den guten Hormonen kommt mir diese Woche zu Gute. Schlussendlich war der Termin wahrscheinlich 100 % erfolgreich und mindestens ein aber wahrscheinlich realistisch von außen betrachtet sogar zwei Flirts kamen auch noch bei rum. Was will man mehr. Der zweite Flirt war sogar richtig gut, allerdings nicht meine Altersklasse. Naja. Mal sehen. Sind verblieben, dass ich morgen noch per Email das und das nachschicke.
Der Flirt war aber wirklich richtig gut. Was denn passieren würde, wenn er sich nicht für mein Produkt entscheiden würde, fragte er. Ich antwortete einfach, dass wir uns dann nicht wiedersehen. Mit tiefem Blick in die Augen natürlich. Herrlich!!!! Nee nee, er will sich schon dafür entscheiden, aber ggf in einer anderen Konstellation. Mir doch egal, ich will mit dem Mann einfach nur-------------------tanzen oder so.

Ja, so ist das. Ich trete mir in den Hintern um positiv nach vorn zu schauen und es klappt recht gut. Bleibt nur die Frage was am Zyklusende bleibt und was passiert, wenn ich den Job nicht bekomme.......................Machen Sie sich auf die üblichen pms-jammer-postings gefasst, aber ich garantiere: es bleibt spannend.



Sonntag, 20. November 2011
Noch mal zu der Sache mit dem perfekten Einparken. Ich konnte gerade feststellen dass das Konzept mit ein paar Bierchen intus nicht gut klappt. Eigentlich wollte ich nur kurz runter zum Parkplatz zum Auto um noch ein Bier aus dem Kasten zu nehmen. Bei all dem Stress gestern war es mir nicht möglich kurz vorm Haus zu parken und den Kasten reinzuholen. Also Auto unten an der Straße auf dem Parkplatz gesetzt. Auf meiner Straße ist schlecht parken. Frau Oka hat das am eigenen Leib erfahren und weiß jetzt wohl als einzige Leserin, was ich genau meine... Ich also gerade kurz runter zum Parkplatz um ein zwei Bierchen zu holen. Zwei Bierchen entnommen, gesehen dass die Scheiben schon beschlagen sind und morgen früh wohl kratzen angesagt ist. Morgen früh heißt spätestens halb acht. Zurück zum Haus gelaufen. Vorm Haus, also dirkekt vor der Haustür einen freien Parkplatz gesichtet. Jackpot! Dirkt zurück gelaufen, ins Auto gestiegen und beim aus der Parklücke rausfahen bemerkt, dass Autofahren heute nciht mehr so wirklich drin ist. Da zählen wir das Bier vor der Sauna und die Bierchen beim Fussek. Die Kutsche (ich fahre einen großen Kombi) irgendwie aber aus der Parkbox raus in die Straße gelenkt. Und dann vor der Parklücke begann das Desaster. Also vor meiner Haustür. Links rückwärts einparken. Schon ansich schwierig weil ungewohnt. Hin und herprobiert. Nicht geklappt. Fast oder vielleicht vorderes parkendes Auto geschrammt. Mann mit Hund läuft vorbei. Versucht aus der engen Situation rauszukommen. Straße weiter hoch gefahren und gewendet. Nun freie Lücke (zum Glück immer noch frei) rechts von mir. Radio aus für bessere Konzentration. Scheiben runter für bessere Sicht. Versucht, gekurbelt, gequält und schließlich den Entschluss gefasst, jetzt so schlecht stehen zu bleiben und zu parken. Mit Blick auf die Situation morgen früh wenn ich in Bademantel die Wärmflasche ins Auto vorne lege um eine Stunde später weniger Kratzen zu müssen. Die teueren neuen Pirellireifen freut das nicht. Vorne rechts steht halb auf der Bordsteinkante. Uh, ekelig.

Ich bin gut drauf. Ist es die Zyklusmitte oder der neue Optionismus? Bin für zweiteres, denn das hätte Potential länger anzuhalten.



Noch während ich schwanke zwischen "reinschreiben" im Sinne von reindenken und ins Bett gehen, fangen meine Finger schon an zu tipppen. Es ist mal wieder alles zu viel. Der totale overload. Lade ich jetzt ab und lasse alles raus oder steigere ich mich jetzt so sehr rein dass ich später weinend ins Bett torkel? Was solls, das letzte Bierchen ist geöffnet und will getrunken werden.

Ich wurde zum Vorstellungsgespräch eingeladen! Montag morgen habe ich die Bewerbung gemailt und Freitag kam die Anfrage zur Terminabstimmung. Ganz objektiv betrachtet hört sich das gut an. Allerdings bin ich mit der Bewerbung dermaßen großkotzig aufgetreten dass ich nicht wirklich weiß wie ich in persönlicher Anwesenheit dieses Bild halten soll. Aber auch: heute schon an mir selbst beobachtet wie sehr ich mich auf der Messe mit Visitenkartenausgabe zurückhalte. Ich schwanke zwischen "ich will den Job, ich bekomme den Job" und klein, fett und hässlich fühlen.

Die alte Chefin heute getroffen. Eine Rechnung von knapp fünfhundert Euro für das Auto erhalten (fragen Sie nicht warum ich Pirellireifen spontan gekauft habe). Siedler zum ersten mal gespielt, unwohl gefühlt und fast geweint. Vater seit Tagen nicht gesprochen und dann weggedrückt und eine sms hinterhergeschickt, ich würde gleich zurückrufen und nicht zurückgerufen. Sechzig Stunden Woche abgerissen. Mal wieder eine Präsentation gehalten die ich nciht kannte, ca. zwanzig Seiten wortlos weggeklickt. Fett geworden weil wegen Raucherhusten kein Sport möglich war. Am einzigen freien Tag einer Freundin Auswertung einer Erhebung angeboten. Später bemerkt dass ich keine S*PSS Li*zenz mehr habe. Bei der Freundin handelt es sich um die Urlaubsfrau. Die Urlaubsfrau ist so schrecklich männerfixiert. Und zu viele Männer sind homophob. Ach ich weiß auch nicht.......