Es war fast ein Wochenende wie jedes seit Monaten: Freitag wieder so viel getrunken, dass die nächsten zwei Tage gelaufen waren. Es ist schrecklich. Ich bin Freitags einfach maßlos. Ich bin Freitags einfach fertig. Ich bin Freitags einfach von so dermaßen von der Woche angekotzt, dass nichts mehr geht.
Dieses We war trotzdem anders. Samstag morgen habe ich mich (total unverantwortungsvoll) ins Auto gesetzt und bin in die Nachbarstadt gefahren (mit achtzig auf der ganz linken Spur auf der Autobahn) um der lieben Freundin beim Wohnung renovieren zu helfen. Habe Wände getrichen und eine Küche komplett umlackiert. Ich kann übrigens sehr gut lackieren, habe ich festgestellt. Die anderen Helfer waren von meinem handwerklichen Geschick sehr angetan. Die Freundin sowieso. Zwischendurch bin ich zweimal kotzen gegangen, habe mich danach zitternd kurz an die Heizung gesetzt und dann weitergemacht. Schrecklich.
Schrecklich war auch das Besäufnis am Freitag. Ich bin mir nicht mehr sicher ob ich über meinen Chef gelästert habe als noch alle oder nur noch der Lieblingskollege da waren. Ich versuche mich bei diesem Kopfkino damit zu beruhigen, dass ich mich selbst im Ausnahmezustand sehr gut auf mich verlassen kann, und sicherlich trotz Pegel gefiltert erzählt habe. Dennoch bleibt der schale Beigeschmack, dass ich mich daneben benommen habe.
Daneben benommen habe ich mich auch heute, als ich nach der zweiten Runde renovieren auf einem Geburtstag war und mich nach genau dreißig Minuten wieder verabschiedet habe. Ich konnte da aber heute echt nicht drauf. Stattdessen habe ich Gas gegeben in der Hoffnung noch wenigstens die zweite Hälfte vom Sonntagsspiel zu sehen, hat aber nicht geklappt. Ich erreichte die Kneipe bei Abpfiff und mit Tränen in den Augen. Zu allem Überfluss bin ich auch noch schön volle Kanne rückwärts in einen Pöller gefahren, den ich irgendwie vorher visuell nicht wahrgenommen hatte.
Also: mal wieder zu viel getrunken, mal wieder das Gefühl nichts geschafft zu haben, mal wieder Pippi in den Augen, mal wieder burnout, aber die olle Küche der Freundin gerettet, eingekauft, gewaschen, gespült, fünfundvierzig Minuten auf dem Laufband (bei zehnkmh) gerannt, mit zwei fremden (evtl lesbigen) (!) Frauen mein Salz im Dampfbad geteilt, dem verheirateten Mann auch noch Salz gegeben (sah den Ring als ich ihm das Salz in die Hände schüttete), dem guten Dönermann einen neuen Kunden beschert und nett gesmalltalked, den Fußballguckfreund nach Hause gefahren und mich angestrengt nicht in Depressionen zu verfallen. Geht doch eigentlich.
overloaded am 11. Dezember 11
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Der Stich ins Herz. Der Stich ins Herz heute Nachmittag tat weh, hat mir aber gezeigt, dass ich noch lebe. Ich könnte so sehr im Strahl kotzen. Ich kann die Kollegen nicht mehr ertragen. Dieses über alles und jeden lästern und schimpfen, dieses non-stop Fehlern bei anderen suchen, und dann, face2face so tun, also ob man eng befreundet sei, Witzchen machen und rumshakern. Ich weiß, mit mir machen sie das auch, aber sie halten sich zurück, meine soziale Macht im gesamten Unternehmen deutschlandweit ist zu groß. Mein Netzwerk ist groß. An der Spitze steht Madam Geschäftsführung, und Madame Geschäftsführung mag mich. Die Herren um sie herum ebenfalls. Sie mögen mich nicht nur (man mag mich generell), sie schätzen mich. Ich wünschte ich könne als Mäuschen dabei sein, wenn ich erst mal gekündigt habe, und die Herren ihr Vorwürfe machen, warum sie mich nicht halten konnte. Tja, ihr Lieben da oben, ihr habt leider nicht gecheckt wie es weiter unten hinterfotzig abgeht. Aber nicht mein Problem. Wenn das mit der aktuellen Bewerbung nicht klappt, bewerbe ich mich weiter. Meine Prio eins und mein großes Ziel: im ersten Quartal nächsten Jahres einen neuen Job haben.
Diese Woche geht nichts. Ich weiß nicht wie ich die Termine morgen abreißen soll. Ich bin so fertig. Ich schaffe nichts mehr. Ich sitze im Büro, burnoute vor mich hin und habe Angst was ich Ende der Woche sagen soll, was ich geschafft habe. Ich schaffe es auch nicht Sport zu machen, das Altpapier wegzubringen, Dinge zu erledigen, nichts. Ich komme nach Hause, Mantel aus, Bier auf, fertig. Schieben wir es heute auf pms. Der Psychologe kennt btw mittlerweile meinen Zyklus. Als ich gestern vom klein, fett und hässlich- Gefühl sprach, meinte er doch direkt, ob das dieses prämenstruales dingens sei, jetzt :-)
Ich nehme jetzt mal das Altpapier und mache einen Spaziergang zur Bierfreundin.
overloaded am 07. Dezember 11
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Also die Sache mit dem Urlaub. Der
Start war wirklich schwierig, also mit burnout zu Hause los und irgendwie auf der Insel ankommen. Bei burnout geht kaum noch was, es ist wie auf Droge, irgendwie den Weg schaffen. Ich habe einfach direkt zum Bier gegriffen und ich hielt das eigentlich genau genommen auch den ganzen Urlaub so weiter. Ich wollte gerade schreiben: die Urlaubsfrau ist einfach, aber das trifft es nicht. Die Urlaubsfrau ist cool. Trifft es auch nicht. Die Urlaubsfrau ist sexy. Schon eher. Die Urlaubsfrau ist unkompliziert. So lange keine Männer ins Spiel kommen. Wobei wir jetzt keine Konkurentinnen waren, sind, oder jemals sein werden. Falls es mal zu so einer Situation kommen sollte, würde ich das so wuppen können, dass wir das dann zusammen...ach egal. Also der Urlaub. Der Urlaub lässt sich an sich gut und einfach zusammenfassen. Mit gings schlecht, ihr gings schlecht, aber die Insel und die Sonne taten uns gut. Unser kleines Hotel war am Ar... der Welt, am westlichen Ende der Südküste, weit und breit kein anderes Hotel. Wir liefen jeden Morgen kilometerweit, ohne Ziel, wir liefen einfach. Die Straße entlang, den Strand entlang, querfeldein. Da wir uns noch nciht so lange kennen hatten wir genug Stories zu erzählen. Über Männer, über Sex, über Familie, über Kindheit, über die Zeit im Studium. Fleisch-, Blut,-Mikorpenen (das ist das Plural von Penis falls Sie es noch nciht wussten), Beziehungen, der Vater, die Mutter, was Soziologie ist und was man im Sportstudium lernt. Zwischendurch machten wir ein Raucherpause. Manchmal drehte sie mir eine Zigarette mit ihrem Tabak. Ich mag das wie sie routiniert dreht und dann mit ihrer schnellen Zunge und feuchten Lippen das Papierchen anfeuchtet. Machmal rauchte sie auch von mir eine Aktive mit. Gegen Mittag kehrten wir immer irgendwo ein. Ich bestellte immer direkt Bier, sie machmal erst Kaffee. Wir hingen in den besten Beachclubs stundenlang rum, und wenn ich beste Clubs schreibe, dann meine ich das auch. Mein Favorit war der Gecko Beach Club. Dort am Strand legen die teuersten Yachten an, ab Mittags spielte ein DJ Musik auf und man konnte innerhalb wenige Stunden "mal eben" einen Hunni versaufen. Das war auch so ein klasse Ding zwischen uns, wir machten uns keine Gedanken um Geld. Schon am zweiten Tag legten wir eine Urlaubskasse an, in der man regelmäßig einen Fuffi investierte. Davon wurde alles bezahlt, egal wer mehr oder teurere Getränke trank, egal wer was aß oder auch nicht. Es wurde einfach alles geteilt. Wir saßen da neben irgendwelchen Promis (ich kenne die ja alle nicht) und shakerten mit den Bedienungen. Als sie mir später die Fotos mit der Einwegcamera zeigte, sagte sie, dass wir tolle Gäste waren, uns hätte man gern bedient.
Die Promis erkannte ich nur an den Nannys. Eine dürre blonde getresste Frau, mit Handy die ganze Zeit zugange, bestellte sich was zu essen aber aß das Beste (die Urlaubsfrau meinte das sei der Käse) nicht, mit ihr ein blondes kleines Kind und zwei Nannys im Hintergrund am agieren. Die Nannys waren nicht blond.
Nach der Mittagssonne lagen wir nackig am Strand. Auf der Insel kann man wo man möchte nackig sein. Herrlich. Zwischendurch zog ich mir einen Rock und ein Top über und besorgte kalte Getränke. Wir lasen. Ich weiß gar nicht mehr was sie las (seltsam) aber ich hatte Rocko Shamoni dabei. Wahrscheinlich noch irgendwas. Ach ja, Haruki Marakumi (oder wie der nochmal heißt).
Ich hörte den ganzen Urlaub kaum Musik. Ich lief, ich trank, ich las und abends, früh - ich war nicht einmal zum tanzen aus - las und trank ich weiter in meinem Einzelzimmer im Bett. Ich war so verdammt fertig. Tagsüber zwischendurch bekam ich Panikattacken die ich zum Glück eingermaßen im Griff hatte, jedenfalls merke man mir nichts an. Ich war einfach eine Woche lang fertig. Mir kam manchmal der Gedanke, ob ich durchdrehe und eingeliefert werden müsste, aber wo sollte ich dort auf der Insel aufgefangen werden. Was soll ich in einer spanischen Nervenanstalt. Also hielt ich aus und nach einer Woche kam mit einem Schlag ein Gefühl von Entspannung auf. Ich spürte regelrecht wie sich ein Schalter in meinem Kopf umlegte. Zwei Tage später war der Rückflug.
Hinweis: Kommentar ist nicht jugendfrei
Ich wurde ja quasi schon zur zweiten Runde eingeladen. Und so langsam schleicht sich das gute Gefühl davon...Ich weiß nicht genau was die im zweiten Gespräch von mir wollen. Ich bin schon dabei noch ein kurzes Pladöyer vorzubereiten, in dem ich noch mal das wichtigste auf den Punkt bringe, warum ich die Richtige bin. Aber was wird in einem zweiten Gespräch erwartet?? (Frau Novemberregen, bitte um Hilfe. Ich schätze die machen nur zwei Runden, Gehaltsvorstellungen sind schon vage geklärt..) Mein größte Sorge: das zweite Gespräch fällt mitten in pms. Ich brauche das jetzt nicht weiter erörtern, Sie wissen was ich meine.
Es stellt sich ein Gefühl ein, dass wenn ich nur einen neuen Job hätte auch alles andere bessere liefe. Ist bestimmt was dran. Allein die Ausgaben für Genussgifte würden sich extrem reduzieren. Wie oft trinkt der normal-glückliche Arbeitnehmer ein Frustbier? Wie oft komt der normal-zufriedene Arbeitnehmer frustiert nach Hause und sagt: das war ein Scheißtag? Zwei, dreimal im Monat? Ich habe das seit Jaaaahren täglich. Ich kann mich nur noch vage daran erinnern, wie ich zufrieden von der Arbeit nach Hause kam, sagen konnte: das war ein klasse Tag, mir gehts gut.
ABER. Ich reiße mich zusammen. Ich versuche das postitve "es-geht-was"-Gefühl zu halten. Ich bereite ins Blaue das zweite Gespräch vor.
Bin in Bierlaune. Jetzt Urlaubsreview.