Mittwoch, 22. Februar 2012
Als bei meiner Mutter die Krankheit diagnostiziert wurde, begannen wir beide uns alles zu erzählen. So sehr alles, wie es wohl sonst kaum zwischen Mutter und Tochter erzählt wird. Kurz bevor sie nichts mehr mit den Augen erkennen konnte, so gerade eben bevor ich mich nicht mehr mit ihr wirklich unterhalten konnte, zeigte ich ihr mein webblog. Das war noch die alte Seite. Wir saßen hier in meiner Küche, gingen auf alles oder nichts, in Gesprächen, stundenlang und ich beschloss, ihr von carlie zu erzählen. Ich sagte ihr, dass meine großes Geheimnis sei, meine andere Welt. Ich zeigte ihr die Seite, sie fand sie wunderschön (die Seite war aber auch echt schön :-), erklärte ihr wie ich die Themen dort organisiert hatte, las ihr ein paar postings vor. Ich erzählte ihr von anderen bloggern, von Treffen, von anderen Geschichten.

Sie fand das gut.



Letzten Endes stellt sich nur die Frage, wie man mit diesen Menschen umgehen soll, die nur mitspielen, wenn sie gewinnen. Vielleicht sollte man mit ihnen ein Spiel spielen, sie gewinnen lassen, und sich dann freundlich verabschieden. Sie verstehen doch eh nicht. Und haben somit schon lange verloren.



Dienstag, 21. Februar 2012
Plötzlich fällt mir der Moment ein, als meine Mutter ihr Enkelkind nicht mehr erkannte. Sie wird sie auch nie wieder erkennen. Und dabei standen sie sich so nah. Aber sie haben sich in den letzten Monaten fast gar nicht mehr gesehen. Das letzte Mal war Weihnachten und meine Mutter dachte, das wäre meine Freundin. Und fand das gut.



Montag, 20. Februar 2012
Meine Oma mütterlicherseits, bei der ich in der Kindheit größtenteils aufgewachsen bin, liegt im Sterben. Meine Tante meint, ich solle nicht hingehen, sie erkenne eh niemanden mehr. Überlege, was meine Mutter mir raten würde. Und je länger ich darüber nachdenke, glaube ich, sie würde sagen ich solle vorbeifahren, denn die Wahrscheinlichkeit, dass sie mich erkennt und es ihr gut tut meine Hand zu spüren, ist höher als meine Tante das einschätzt.