Dienstag, 3. April 2012
Habe heute Blumen auf der Arbeit überreicht bekommen. Fünf Jahre Saftladen. Oh wie feierlich! Ich könnte im Strahl den ganzen langen Flur vollkotzen. Kollegin gibt damit an, dass sie nächstes Jahr schon zehn Jahre dort ist. Sie gibt auch damit an, dass sie sich sehr gut in den Charts auskennt und lacht mich aus, weil ich den und den Radiohit erst seit Neustem kenne. Fickt euch doch. Vielleicht würde es dann mal besser laufen. Alle untervögelt und keiner kommt auf die schlaue Idee, in der Mittagspause zum Mastubieren mal eben nach Hause zu fahren.

Bei fünf Jahre Saftladen kommt mir die Erinnerung hoch an das, was davor war. An gute Praktika, an schlecht bezahlte Jobs, an Zeiten, in denen ich für die letzte Woche im Monat nicht mal mehr zehn Euro hatte. Und dass ich das damals schon alles hier irgendwo aufschrieb. Unter Null? Overloaded? Ist doch letzten Endes das selbe. Teilweise jedenfalls.



Freitag, 30. März 2012
Und während ich so versuche, die nächsten Tage, die nächsten Urlaube, den nächsten Sex, mein Leben oder was auch immer zu planen oder wenigstens irgendwie auf die Reihe zu bekommen, liegt meine Mutter da in der nächsten Klinik, und ich weiß nicht mal, ob sie an mich denken kann, ob sie mich vermisst, ob sie stündlich darauf hofft dass ich vorbeikomme, ob sie überhaupt irgendwas wahrnimmt. Sie liegt da jetzt, vielleicht ist sie gerade wach, vielleicht nicht, vielleicht ist sie sediert, bekommt gar nichts mit, oder kann nicht schlafen und fühlt sich hilflos und einsam. Ich weiß es nicht. Ich habe sie seit fast einer Woche nicht mehr gesehen. Ich weiß es nicht, und es tut so weh, weil sie einfach ein klasse Mensch ist und weil ich sie so sehr vermisse, weil ich so gerne mit ihr sprechen würde, über alles. Sie fehlt mir so sehr.

Ich würde ihr so gerne von der Arbeitskollegin erzählen, von dem neuen Büro, von dem Plan mich vielleicht doch einfach in die Selbstständigkeit zu stürzen, von dem schwulen Nachbarn, den ich vielleicht doch noch rumkriege, von dem Wellnesstrip den ich mit der Bierfreundin plane, vielleicht auch von dem altem Mann, mit dem ich da irgendwas angefangen habe, von dem Bügelberg, den ich nicht alleine abgebaut bekomme - ob sie zum helfen vorbeikommt - von meinen Ängsten und Sorgen und warum ich nachts nicht schlafen kann. Aber sie liegt da jetzt irgendwo in irgendeiner Klinik. Und ich hoffe einfach nur, dass sie schlafen kann und irgendwas schönes träumt von früher, als wir noch miteinaneder reden konnten.



Mittwoch, 28. März 2012
"Das ist jetzt eine harte Zeit für dich, es geht richtig krass bergab, aber ich habe dich noch so stark erlebt" flüstert man mir beim Fußball gucken zu. Und flößt mir dabei Kraft via Ohr zu.

Scheiße, einmal falsche Taste - langer Text weg--------------------------------