Sonntag, 15. Juli 2012
Einhundersiebzig Euro einfach so mal eben bezahlt. Hätte auch ein netter Bürofummel werden können (mittel- bis unterklassiger Anzug) aber mit meinem neuen Lockenlook kombiniert mit dem modisch gelben Schal von vor zehn Jahren gibt mein Kleiderschrankt zurzeit genug Businessoutfits her. Also einhundersiebzig Euro für neue Laufschuhe. Bin damit bisher nur den Weg von der Bierfreundin nach Hause gelaufen, der große Run folgt erst morgen, aber ich kann jetzt schon mal sagen: ein wirklich ganz tolles Laufgefühl.
Sie wollen Fotos? Sie bekommen Fotos. Morgen. Heute geht nicht mehr viel. (Meine vorhandene Technik ist so veraltet, dass ich nicht "mal eben" ein Foto hochladen kann.) Morgen keine Termine, morgen ist nichts. Morgen habe ich Zeit. Zeit für mich. Das gabs seit dem Urlaub nicht mehr. So viel Arbeit, so viele Parties, so viele Männer, so viele Sachen um die ich mich kümmern musste.

Heute habe ich erst mal versucht den schiefen Haussegen in meinem Elternhaus zu begradigen. Ich habe unsere vierundzwanzig-stunden-polen-pflegefrau abgeholt und bin mit ihr shoppen gegangen, habe versucht ihr zwei drei schöne Stunden zu machen. Ab August kommt die Nächste, die Vorbereitungen laufen bereits. Die ganze Sache ist so schwierig, mein Vater bekommt das sozialkompetentisch so sehr nicht auf die Reihe, meiner Mutter geht es so verdammt schlecht - ich kann das nicht auf- oder beschreiben, ich würde mich dabei reindenken, so tief, so schlimm, ich will das nicht. Ich versuche die ganze Nummer irgendwie zu rocken. Versuche nur noch das Beste aus der Situation zu machen.

Besinne ich mich doch lieber auf was anderes - jaaaaaaaaa auf Daniel. OMG, bitte lasse es einfach nur die Hormone sein. Wir texten rum, wollten heute eigentlich telef, klappte aber nciht weil ich nur unterwegs war, bin gespannt ober er morgen anruft. (Habe geschrieben dass ich morgen den ganzen Tag gut zu erreichen bin, er solle sich einfach melden wenn er kann. Er ist ja vergeben. Er ist vergeben und ich weiß, dass dieses arme Mädel mir nicht annährend das Wasser reichen kann und sie tut mir leid dafür.)

Ich war heute wieder bei meinem neuen Workout mit meinem neuen Trainer. Und jetzt sollte ich über den obergeilen Urlaub weiterschreiben, denn dieser Mann, das ist mein neuer Trainer, Freund, Weggefährte, whatever........

(Still downshifting. Drinking only little beer, no men, early and long sleep)



Samstag, 14. Juli 2012
Downshifting war angesagt und downshifting läuft. Ich bin immer ncoh fast fahrtüchtig, das erst mal vorweg. Ich habe früh Feierabend gemacht (heißt bei uns aufm Freitag 17 Uhr, ich war beim Wellness, ich habe eine Maschine Wäsche reingeschmissen, war (mit dem Auto) bei den Freunden mit den Kindern, schön gequatscht, viel zu erzählen, beiderseits, bin mit dem Auto (!) wieder nach Hause gefahren, Wäsche aufgehangen, Bett frisch bezogen (mache ich nach einem ons eigentlich immer sofort, habe es aber diese Woche einfach nicht geschafft - habe ich überhaupt von dem ons letztes We erzählt???) und die Maschine Wäsche für morgen bereit gelegt. Jetzt ins Bett und mal neun Stunden schlafen. Morgen dann um Eltern/Pflegefrau kümmern, später Sport, abends noch relativ offen aber heute schon abgelehnt als Gespräche über morgen Nacht großartig ausgehen aufkamen. Ich mache ganz ruhig dieses We.



Freitag, 13. Juli 2012
Sehne mich nach pms, eine doofe Handlung oder total bescheuerte Worte von Daniel damit das aufhört!!! Ich werde sonst verrückt!
Gepaart ist dieses Gefühl mit Angst, was passiert, wenn die Baustelle fertig ist und er nicht mehr jeden Tag an meinem Bürogebäude zu tun hat. Ich ihn nicht mehr sehe. Nie mehr sehen werde. Er wohnt zu weit weg als das man sich zufälligerweise noch mal sehen würde. Ich habe mir heute überlegt, dass ich mich mit ihm privat treffen muss. Einfach ein zwei Stunden treffen, Kaffee trinken (bloß kein Bier), reden und dann 160 km zurückfahren und wissen: das ist es nicht. Er verreist nächsten Monat. Er hat mir dazu heute kurz was gesagt (wir können immer nur kurz reden) und ich erinnere mich jetzt, dass er vor meinem Urlaub schon was dazu sagte. Er fliegt sehr weit weg. Ich glaube zu Verwandten. Ich erinnere mich nicht richtig an das was er vor meinem Urlaub erzählte, weil ich so unter Strom stand, stressig hoch fünf. Ich muss ihn morgen unbedingt 5 Min am Stück sprechen oder noch besser telef. ODER AUCH NICHT. OMG, ich werde verrückt!!!!!!!!!!!



Es heißt doch immer: woanders ist auch Scheiße. Und ich habe auch schon so Stories gehört. Ob es woanders weniger Scheiße ist, interessiert mich. Und ob ich auf hohem Niveau jammere oder mich einfach schon zu sehr an die Scheiße gewöhnt habe.

Wenn ich Menschen kennenlerne und es irgendwann im Gespräch darum geht, was man beruflich macht, wo man arbeitet, kommt mein Arbeitgeber immer sehr gut an und meine Stelle hört sich intererssant, abwechslungsreich an. Die Idee der Firma ist wirklich 1a. Was würde ich aus dem Laden machen wenn ich ganz oben stünde!! Der Laden ist die Nr 1 in der Branche, wird angehimmelt. Ich bemerke sowas zb auf Messen.
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Und jetzt beim Schreiben fällt mir plötzlich auf und ein, dass da auf den Messen ja auch mein Gesicht steht. Ich verkörpere den Laden wahrscheinlich bis aufs Feinste. Wenn man mich im beruflichen Kontext kennenlernt wird eigentlich nur bestätigt wie toll dieser Laden sein muss. Und jetzt könnte ich kotzen. Ich könnte mich ja für ein deutlich besseres Gehalt verkaufen, und vielleicht auch für eine Firma, die ich wirklich richtig gerne repräsentieren möchte, die mit meinen Wertvorstellungen konform ist. (Wow - wo kommt denn gerade dieses Selbstbewusstsein her??). Und dann habe ich Angst, weil es ja immer heißt: woanders ist auch Scheiße. Und noch viel mehr, weil meine Gönner der letzten Jahre mir nach langem gutem Coaching immer wieder leise und vorsichtig zuflüsterten: wahrscheinlich wirst du auch nur in der Selbstständigkeit oder mit deiner eigenen Firma glücklich. Angst habe ich, weil ich sowas nciht schaffe. Ich bin zu kraft- und mutlos für sowas. Bestimmt habe ich das Potential für Aktionen in diese Richtung, aber ich habe keine Kraft und auch keinen Mut was auf die Beine zu stellen. Ich würde was wagen wenn ich finanziell abgesichert wäre.

Aber ich wollte was ganz anderes erzählen. Warum ich mich vielleicht gar nciht beschweren sollte oder man kann es auch als eine Story zum Schmunzeln auslegen. Es geht darum welche Position ich mir bereits im Saftladen erschaffen habe. Ich habe seit einigen Wochen das Chefbüro. Ich habe ein riesiges Büro, mit riesigem Schreibtisch, Besprechungstisch, schicken Schränken usw. Es ist das alte Büro vom Chef; renoviert. Heute kam mein Chef dort vorbei. Er war angetan, ihm gefiel es fast so gut wie meine Lockenpracht. Er kam rein, suchte was im Schrank oder legte was ins Postfach oder so und murmelte irgendwas von wegen "schön geworden". Ich legte meinen Führungstonfall ein uns sagte trocken und bestimmt (und dabei natürlich lächelnd) dass es schön sei ihn zu sehen, ich hätte eh noch was mit ihm zu besprechen, er möge bitte Platz nehmen. Die Sitation ist schwierig zu beschreiben, aber es war wieder mal verkehrte Welt, wie ich es schön öfter mit ihm hatte: vertauschte Positionen. Ich mag ihn, er mag mich, wir mögen uns und wir wissen das auch von uns. Aber ich nehme ihn nicht wirklich ernst. Und ich hoffe er checkt das nicht, oder wenn doch, dann doch bitte mit der Folgerung, dass er mich auf Abstand hält und in Ruhe lässt. Schätze das ist auch zurzeit seine Strategie. Er weiß, wenn ich nur ein Gespräch ganz oben hätte (Frau Ganz-oben, Sie erinnern sich vielleiht), bestünde für ihn die Gefahr dass ich über ihn und seine Arbeit ausplaudere. Und er käme nicht gut bei weg. Und Frau Ganz-oben hält viel von meinen Urteilen. Und das weiß er auch. Das weiß jeder im Unternehmen.

Ja, wie toll mein Job ist. Ich brauche genau 10 Minuten von Wohungs- bis Bürotür. Ich kann in der Mittagszeit mal eben nach Hause fahren (ich berichtete davon....), ich kann mal eben bei meinen Eltern vorbeifahren, das Büro ist sowas von Zentral dass ich mich zum Mittagessen verdaten kann und das Gebäude ist so riesig, dass ich beim Rauchen auch immer wieder neue Leute kennenlernen kann. Das Geld kommt immer oberpünktlich und ich kann jederzeit einen Dienstwagen nutzen. Überhaupt kann ich dort konsumieren. Ich muss nur die Quittungen einreichen. Ich habe freie Hand.

Habe ich eigentlich erzählt dass ich letzte Woche 55 Stunden gearbeitet habe, nur für 40 bezahlt werde und diese schon für diese Woche locker voll habe?