Samstag, 8. September 2012
Was ich nur kurz sagen will: bin wieder nüchtern.



Carlieoverloaded macht sich Gedanken über das Kind von den Leuten aus dem Internet, hat das Leergut zum Wegbringen für morgen gut sortiert, pumpt aus dem Nichts heraus mittlerweile fünfzehn saubere Liegestützen, und zieht aus dem langen Arm sich für vier sauberer Klimmzüge hoch, bekommt von einer Freundin spontan einen Ruhrpottkerzenmantel geschenkt, hätte diese Woche auch wieder arbeiten gehen können - hat aber lieber einen auf weiter krank gemacht, umarmt die Mutter auch wenn sie sie nicht mehr erkennt, trinkt zu viel Bier, raucht zu viel, kauft Schuhe für hundertfünfunddreißig euro obwohl das gerade gar nicht passt, kauft sich selber Rosen, hat heute nicht gespült, muss immer noch die Steuererklärungssachen für 2011 zusammensuchen und dem Steuerberater schicken, hat sich vorgenommen aufzuhören wild rumzuvögeln, fährt trotz Bänderriss Auto, besitzt eine Miniaturmopshund, lacht eine Katze aus, hat eine neue rote Handtasche, plant Sonntag nach Holland ans Meer zu fahren, ist pleite für den Rest des Monats, stört sich nicht daran, sortiert Zahnbürsten aus, verwirrt einen alten Mann, pflegt eine Freundschaft mit seiner jungen Frau, hört L. Cohen in Schleife, hat einen unterdurchschnittlichen IQ was aber keiner bisher bemerkt hat, kümmert sich um den Vater, kümmert sich um den Bruder des Vaters, lehnt eine zweitausend euro teure Kieferorthopädische Behandlung ab, steckt das Geld in eine Weiterbildung, zahlt dreißig euro für nicht-angeschnallt und versackt gerne mit Bier am Küchentisch, am Laptop.



Samstag, 8. September 2012
Habe mir vom L.Cohen Konzert gestern in M´gladbach berichten lassen. Es war hervorragend und sie hofft es war nicht eins der Letzten. Jetzt in Schleife.

Krass wie manche Menschen noch mit über achtzig fit sind und Konzerte geben, krass wie andere Menschen mit Mitte/Ende sechzig noch Gewichte stemmen wie die Jungs Mitte zwanzig, krass wie wiederum andere mit Ende sechzig noch vier Wochen Urlaub in Griechenland machen um alte Freunde zu treffen, krass wie eine andere Frau mit Anfang sechzig nur noch auf Tod wartet. Und noch krasser, dass da ein Mann von dreißig zwei Straßen weiter genau dasselbe macht. Ausatmen. Durchatmen. Jede Umarmung als Gold wahrnehmen, nicht über Kleinigkeiten aufregen, Leben genießen, Schmerzen nur zulassen, wenn wirklich begründet.



Es geht nochmal um die Hundegeschichte. Mir ging die Sache heute nicht aus dem Kopf. Irgendwo da in meinem Hinterkopf war gestern schon ein kleiner Gedankenstich bzgl. der Auswirkungen auf das Kind. Die Gedanken kamen natürlich in Bierlaune und Mopsbild nicht zum tragen. Ich konnte sie auch nicht konkret fassen. Aber Zweifel und Bedenken hörten nicht auf. Ich beschloss kurzum heute nach dem Sport in der Muckibude die ganze Angelegenheit kurz in die Bierrunde zu werfen. ("Bekannte von mir..."). Ich beschrieb kurz die Familie und das Kind (soweit mir das möglich ist) und erläuterte kurz die ganze Situation. Auch das es schon Vorschläge zum Zerstören des Automats gab etc. Der pensionierte Lehrer lenkte ein. Es folgte ein ausführlicher Gedankenrausch über Kunst uswusf. Ich kann die Argumente jetzt nicht eins zu eins wiedergeben, aber was mir hängengeblieben ist, bzw was ich jetzt gemixt mit meinen Gedanken zu der Sache zusammen fassen kann: den Automaten auszuzahlen wäre nur Schall und Rauch. Es ist nichts anderes als meine Ficks die ich jedes We mitnehmen. Schall und Rauch. Nichts bleibt. Nicht wird dadurch bewegt. Ein Kick für den Augenblick, sonst nichts. Außer ein schaler Nachgeschmack. Eine neue Zahnbürste in der Reihe die bei der nächsten gr Aufräumputzaktion in der Tonne landet. Ein zwei drei weitere Treffen, ein zwei drei Gedankenverschwendungen, Herzverschwendungen, aber nichts von Substanz. Klar, ich bin die einzige in meinem Freundinnenkreis die einen Anfang zwanzig jährigen abschleppt, einen heißen jungen Mann, aber----

Ich schweife ab. In der Bierrunde erläuterte ich den Sachverhalt so, wie ich ihn mir gemerkt hatte. Man müsse auch die anderen Hunde retten, das sei mit den bereits geretteten Hunden auch schon so durchgesprochen. Der Herr Lehrer psychologisierte nicht, was das jetzt zu bedeuten hätte, dass dieses Kind "retten" will. Er hob die ganze Story auf eine andere Ebene. Das ganze Mediokre (ein Wort dass ich übrigens diesen Sommer neu gelernt habe, btw auch prepotent) will schöne Kunst, schöne Bilder die man sich schön in die schönen Zimmer hängen kann. Dazu ist Kunst geworden, absolut mittelschichttauglich. Aber was ist eigentlich noch Kunst? Es soll doch das sein, was einem in sich was auslöst, ein ungewohntes Gefühl. Ich habe irgendwann mal was passendes dazu gelesen, dass Kunst dann ist, wenn es einem in die Magengrube schlägt - ach Mist, ich kann das nicht so wiedergeben, und auch nicht das interessante Gespräch in der Bierrunde zur Hundeproblematik. Das ist das übrigens, dass ich nicht so einen hohen IQ habe, dass meiner sogar unterdurchschnittlich ist --------nun ja! Also um noch mal auf den Punkt zu kommen:

Meiner Meinung nach ist es nicht ok mit dem Kind fünf zehn oder von mir aus auch zwanzig Euro in den Automaten zu stecken um die Hunde zu retten. Als Sowi habe ich natürlich auch direkt einen Gegenvorschlag: mit dem Kind grob durchrechnen wie viel das kosten würde, Geld nehmen, ins Tierheim oder so fahren, das dort spenden. Oder auch Futter für das Geld kaufen und dort spenden oder so. Alles, aber keine Schall und Rauch Aktion.



Freitag, 7. September 2012
Als Kind, also damals als kleines Kind, als ich noch das Zimmer mit meiner Schwester zusammen hatte, damals als wir neu in dieses alte Haus einzogen und mein Vater noch nicht das zweite Kinderzimmer gebaut hatte, damals - und daran erinnerte ich mich witzigerweise vor ein paar Tagen - hatte ich gefühlte unendlich viele Kuscheltiere. Meine Mutter arbeitete als Nachtwache und so brachte zwischendurch wochenlang mein Vater uns ins Bett. Mich ins Bett bringen muss ihn damals unendlich genervt haben. Ich sortierte nämlich die Kuscheltiere nach einem bestimmten Muster jeden Abend neu. Das Muster war eigentlich einfach, aber für einen Vater in dem Moment irgendwie wahrscheinlich unverständlich und langatmig und nervig. Die Anordnung der Kuscheltiere war nämlich rotierend. Also die Kuscheltiere lagen links und rechts von mir mit mir in einer Reihe. Jeden Abend durfte ein anderes Kuscheltier direkt neben mir liegen. In der folgenden Nacht rutschten dann quasi alle einen auf. So konnte jedes Kuscheltier mal direkt neben mir einschlafen, ich fand das sehr gerecht und fair. Aber Sie können sich vorstellen was das jeden Abend für ein Aufwand war.



Eigentlich wollte ich ja noch die ganze Story vom Urlaub erzählen und auch von dem Mann den ich dort kennengelernt habe. Mittlerweile ist er zu einem Freund geworden. Irgendwann erzähle ich mehr, heute aber schon mal ein Text den er neulich geschrieben hat:

zur Moral

Unter Millionen Spezies von Lebewesen die es gibt, sind wir vermutlich die einzige, die das Pech gehabt hat, dass sie keine Weise ihres Benehmens als Mitgift mitbekommen hat; die so unfertig, so misslungen ist, dass die Moral nötig hat, dass sie sollen muss.
Moral ist das Krankheitssyptom einer einzigen Spezies unserer Galaxien, Gestirne, Bäume, Frösche oder Rotozoen brauchen nicht nur keine Moral, sie haben von "Sollen" auch niemals etwas läuten hören.


Auf der Rückseite des Zettels sind Englischvokabeln und Fragen mit der Überschrift "satirical film language". Er ist pensionierter Sport, Kunst und Englischleher.



Ich habe gestern endlich mal in Ruhe recherchiert wie ich meinen twitter-account hier einbinden könnte. Also dass rechts da irgendwo meine tweets auftauchen. Als ich dann gestern herausgefunden habe wie das geht und quasi direkt hätte umsetzen können, wollte ich es auf einmal nicht mehr. Ich habe Spaß an twitter, ja, aber irgendwas da gefällt mir nicht.
Erst mal ist es mir zu groß, zu heftig. Das Ziel mancher Menschen im Internet richtig groß zu sein, damit was bewegen zu können, habe ich nicht. Für mich ist das Internet eine anonyme Parallelwelt, vielleicht Fluchtwelt, whatever. Mit meinem offiziellen Namen bin ich im Internet kaum zu finden. Es gibt eine Frau, die heißt genauso wie ich (und dabei ist mein ganzer Name eher ausgefallen) und auf die stosst man zuerst. Ich will dieses ganze facebookvernetztsein nicht. Ich brauche das auch nicht. Ich bin die auf der Gästeliste, die man anrufen muss oder eine Nachricht schicken muss zur Einladung und bisher ist das auch immer so geschehen. Du bist ja nicht bei facebook, deshalb rufe ich an. Ja, ruft an. Ruft einfach an, ich komme mit Geschenk und guter Laune, ich bin unterhaltsam und ich eröffne die Tanzfläche.

Nun ja. Ich genieße es einen anonymen Raum zu haben in dem ich einfach ganz nackt alles zeigen und erzählen kann. Und mir gehts um Tagebuch schreiben. Warum schreibst du dann nicht in ein Heft oder legst dir einen Ordner an? Ja, das könnte man diskutieren. Oder auch nicht.
Jedenfalls ist mir bei twitter gerade etwas passiert, was mir zeigt, warum ich das nicht so wirklich, so richtig mag, nicht so sehr wie all das hier. Also: heute morgen sah ich, dass ich einen follower verloren hatte. Bin kurz die (äußerst übersichtliche) follower-liste durchgegangen und mir schien als fehlte mir keiner der mir wichtig sei, da hat mich auf dem ersten Blick keiner entfolgt bei dem es mir einen kurzen Stich gesetzt hätte. Gerade eben dann antwortete ich auf einen tweet einer jungen Frau. Ich schätze sie hat mein Alter, evtl etwas jünger. Ich mochte sie. Wie mal halt jemanden mögen kann von dem man nur tweets kennt. Ich kenne diese Frau nur von twitter (nicht von irgendeinem webblog oder so). Ich antwortete was nettes, was in der Situation (hoffentich) hilfreiches. In den letzten Monaten hat sie mich oft gefavt, ich sie auch mal, dann kam mal ein <3 und irgendwie war es nett. Kurz nachdem ich was zu ihr geschrieben habe,

ach was für ne unwichtige Scheiße