Mittwoch, 23. Januar 2013
Meine Geldbörse fällt auseinander. In letzter Zeit häufen sich kleine Stücke von ihr in meiner Handtasche. Wie so viele andere Sachen, die meiner Mutter mir geschenkt hat, kann ich sie nicht aussortieren. Aber diese Sachen nutzen immer mehr ab. Kleidungsstücke wie den warmen Lieblingspullover kann ich schon gar nicht mehr tragen.

Es tut dann immer wieder zwischendurch doch so sehr weh.

Werde mir, wenn ich nächstes Mal bei meinen Eltern bin, das Portemonaie meiner Mutter mitnehmen. Es ist sehr edel und passend zu ihrer Tasche, die sie früher immer mit zur Arbeit nahm (eine Art Aktentasche). Diese habe ich schon hier, auch wenn ich sie zurzeit kaum nutze. Sie gab sie mir glaube ich noch mit, als sie noch bei Verstand war. Und jetzt würde sie sagen: hör doch auf zu weinen, wir können das doch eh nicht ändern, wir können nichts an der Krankheit machen, das liegt nicht in unserer Macht. Geh mal ins Bett und wenn du nächstes Mal hier bist, nimmst du das Portemonaie mit und dann ist doch gut.



Auf der Arbeit ist heute was Schönes passiert. Überhaupt passieren dauernd schöne Dinge, die ich wahrnehmen kann. Zwischen all dem Stress, all dem Kummer, all dem Burnouten. Das konnte ich früher nicht so wahrnehmen.
Da war heute wieder dieser freundliche junge Mann im Aufzug. Ich war recht wortkarg, gestresst halt, nur kurz zum Rauchen draußen, habe im Aufzug nichts gesagt, kein Hallo oder so, aber sein und mein Blick traf sich dann doch und es war gut. Oder der andere nette Smalltalk mit dem Fremden beim Rauchen, oder auch mit dem Aushilfsjungen, und auch die Begegnung mit der Frau (orr, von der hatte ich mal erzählt, ich suche gleich den link) auf der Arbeit die meine Kollegin zur Seite schob um auch mir mal eben hallo zusagen (sah meine Kollegin nicht so gern..). Und ich kann mich auch freuen wenn ich einen Parkplatz auf Anhieb finde, ein tolles Lied im Radio läuft oder die Sonne mal kurz und stark durch die Wolken blickt. Oder eine Mail von meinem Patenonkel, in der steht, dass er sich sehr gefreut hatte über unser Telefonat gestern. Und und und.

Aber jetzt kommt das, was heute besonders schön war auf der Arbeit, das heutige Highlight quasi: gegen halb sieben telefonierte ich nochmal mit der neuen Kollegin, die in der Zentrale sitzt und mir und meiner Kollegin zuarbeiten muss. Sie arbeitet genau auf der Stelle, auf der ich in dem Saftladen vor vielen Jahren angefangen habe. Und so wie ich wurde sie kaum eingarbeitet und jetzt wo sie Ergebnisse präsentieren muss (richtig Termindruck und ich brauche diese Termine dringend), ist die Kacke am dampfen. Vor ca. zwei Wochen habe ich gecheckt, dass man sie nicht eingarbeitet hat. Und unsere ekelige Unternehmenskultur ist so, dass man solche neuen Mitarbeiter dann rügt und ihnen vorwirft, dass sie ja hätten fragen können. Nur wie soll man Fragen stellen, wenn man gar nicht weiß dass da was fragwürdig ist........Ich schlug ihr vertraulich vor, mir ihre entsprechende Datei zu mailen und wies sie dirkt darauf hin, dass sie das offiziell nicht dürfe. Wir haben uns vor Wochen einmal kurz gesehen und irgendwie ist da einfach Vertrauen. Sie mailte mir die Datei zu und seitdem helfe ich ihr mit all die Fehler zu richten. Die Sache ist die: ich halte sie für durchaus kompetent, das Problem liegt meiner Meinung nach tatsächlich in einer ungenügenden Einarbeitung (und der Job ist extrem komplex). Als wir heute Abend telefonierten, fragte ich zuerst, ob sie frei sprechen könne, ja, alles schon weg, ok. Wir gingen die letzten Fehler durch und ich bat sie mir die Datei erneut aktualisiert zu schicken, dann könne ich versuchen mit zwei drei Telefonaten die letzten Probleme zu beheben. Sie mailte sie mir und ich fragte ein paar Parameter durch um schnell einen guten Überblick zu bekommen. Auf ihre Dankbarkeit hin las ich ihr halb ironisch meine To-do-Liste vor und was sie davon übernehmen könne. Bei mir ist nämlich auch die Kacke am Dampfen, aber von mir unverschuldet (wenigstens!). Und dann passierte es: sie sagte ich müsse mal wieder einen Entspannungssauna abend machen....ich hätte ja auch viel Stress....und dann sagte sie nochmal danke und fügte hinzu: "Wenn Sie nicht wären, hätte ich schon längst alles hingeschmissen"



Dienstag, 22. Januar 2013
Quittung. Es fühlt sich an wie die Quittung für all die Stärke, für all das Durchhalten. Hundemüde. Und Sehnsucht nach einer lieben Umarmung.



Montag, 21. Januar 2013
Jedes Häuschen hat sein Kreuzchen und jedes Dach hat sein Ach. Ich telefoniere ausführlich mit der Freundin (die mit den kl Kindern) und wir stellen fest, wie sehr diese Kalendersprüche stimmen. Als sie Freitagnacht wegen ihrem Vater durch die Gegend fahren musste, telefonierten wir und sprachen kurz eine kommunikative Strategie durch. Ihre Nachbarin fuhr sie. Und mir fiel im Tag darauf was ein über soziale Kontakte: es gibt nicht nur die Familie, die man sich nicht aussuchen kann, die Arbeitskollegen die man bedingt aussuchen kann (Möglichkeit des Jobwechsels), Freunde als echte Wahlbeziehungen, nein, es gibt daneben noch die Nachbarn. Die Nachbarn sucht man sich auch nur bedingt aus und die Beziehung zu den Nachbarn ist eine ganz besondere. Das ist weder Familie noch Freunde, das sind einfach die Menschen, die im Notfall binnen 20 Sekunden da sein können. Bevor man Freunde oder wen auch immer am Telefon haben kann, sind die Nachbarn schon in der Lage einfach einzuspringen. Und die Nachbarn springen sofort ein, weil auch sie wissen, dass auch sie mal in eine solche Notsituation geraten können, in denen man binnen weniger Sekunden Hilfe braucht. Wenn Nachbarn Freunde werden, dann ist das auch toll, aber wenn sie einfach nur Nachbarn sind, hilft einem das in einer Notsituation schon oft einfach mal eben weiter.

Und ich werde morgen um vier ausm Büro abhauen und Blümchen besorgen und vielleicht auch ein Stückchen Kuchen, und ich werde bei der Nachbarin anklingeln und nachträglich zum Geb gratulieren. Das habe ich letzte Woche einfach nicht geschafft.

Um sechs morgen dann Termin auf der Couch.



Das Jahr will geplant werden. Eine neue Weiterbildung ab Sommer oder Herbst, Urlaube, Städtetrips.



Heute wieder viel zu lange gearbeitet. Sehr erfolgreich, aber lange. Länger als die anderen. Werde in Kürze in Gehaltsverhandlungen gehen und mein Argument wird einfach nur sein: ich übernehme Verantwortung.