Sonntag, 7. April 2013
Eins vorab: ich war so schlau mir für morgen frei zu nehmen.

Auf dem Rückweg eben per Taxi gebe ich fünf euro Trinkgeld, weil ich weiß, wie hart das Leben in diesem Job ist.

Mist. Zu betrunken um den Tag aufzuschreiben. Aber ich glaube es war ein richtig schöner Geb für meinen Vater. Und für mich auch.



Freitag, 5. April 2013
Gar nicht mal ganz so tief im Inneren war mir klar, dass es in einem Desaster enden wird, wenn ich jetzt meinen Vater anrufe und ihm von dem Jobangebot erzähle. Ich redete mir zurecht, dass ich ihn jetzt aber dringend anrufen muss um noch was für seinen runden Geb am We abzusprechen. Interessanterweise legte ich direkt los mit: die haben mir eine Stelle da-und-da angeboten. Und dann ging es los. Eine gute dreiviertel Stunde ein Auslassen darüber, dass das ja keine Option ist, dass ich ganz klar sagen müsste, dass ich das-und-das Gehalt will uswusf. Ich mag das jetzt gar nicht alles aufzählen. Ein großes Ausschweifen darüber, wie ich mich jetzt verhalten müsse und was ich sagen und einfordern müsse. Alles völlig unrealistisch. Nein, das ist alles ganz normal, weist er mich zurecht. Väter, omg. Ich kann es ihm nicht recht machen. Immer wieder diese extrem hohen Erwartungen. Seit heute Nachmittag kämpfte ich mit den Tränen, wusste kaum die späten Termine durchzuziehen (natürlich! dennoch eins a gemeistert) und auf den Autobahnen versuchte ich mich selbst zu coachen und zu therapieren, fragte mich schließlich woher dieses schlechte, traurige, unzureichende Gefühl kommt. Die Antwort war schnell gefunden. Dieses sich abmühen, sich den Arsch aufreißen, dieses alles geben und am Ende kommt nichts bei rum, keine Wertschätzung, keine Honorierung. Das kenne ich zu genüge aus meiner Rolle in meiner Familie. Und die Firma zieht das gleiche mit mir ab. Ich überlegte weiter, dass ich nicht blockieren darf, dass ich handlungsfähig bleiben muss, auch wenn da gerade ein ganz altes, vertrautes Gefühl bei mir angezapft wird. Schließlich fahre ich rechts ran und rufe den Lieblingskollegen an. Ich kenne ihn so verdammt gut, habe ihn so sehr durchschaut und ich weiß, umgekehrt ist es genauso. Er ist intelligent. Wir gehen Vor- und Nachteile durch. Punkt für Punkt. Ich nenne meine Wünsche, Ziele etc. (Dinge, die er nie erreichen wird, er wird nie eine Führungsposition erhalten, weiß er auch, und peilt das deswegen auch nicht an, er hat andere, weniger Erwartungen vom Leben als ich, weiß er genauso) und er versteht mich. Er führt meine Gefühle an. Wie sich das für mich anfühlt. Am Ende frage ich ihn, wie er das fände wenn wir wieder eins zu eins zusammenarbeiten würden. Er fände es klasse, sagt er ohne zu zögern. Weil er weiß dass ich verdammt gut bin. Ja, und wenn gerade nicht die bösen Hormone regieren, ist es auch ganz nett mit mir, was?, füge ich zwinkernd ein. Und er sieht mein Zwinkern durchs Telefon.



Mittwoch, 3. April 2013
Gerade im Getränkemarkt ist mir was peinliches passiert. Ich sortierte an meinem großzügigen Kofferraum mein Leergut der drei Tüten. Der Großteil waren Bierflaschen. Eine Kiste plus - ähem - einundzwanzig Flaschen. Ich habe länger kein Leergut weggebracht. Dann noch gefühlte eine Mio oder aber auf jeden Fall mehr leere Wasser- als Bierflaschen. Ich mochte keinen Wagen holen und nahm die drei Tüten mit den Bierflaschen und den leeren Kasten gerade in die Hände als ein junger Mann an mein Auto kam und Hilfe anbot. Ich war noch leicht unter Tränen ob des im ersten Moment schlecht klingenden Jobangebots. Ich hörte wie er zu seinem Begleiter sagte, warte mal kurz!, und da stand er schon neben mir und fragte ob er helfen könne. Nee nee, danke, ich bin nur zu faul einen Wagen zu holen, obwohl, Klappe zumachen wäre klasse! Er könne auch die letzte gr Tüte (die mit den Wasserflaschen) nehmen, bot er an. Ach, die hole ich gleich!, verkündete ich meinen Plan. Wir stehen dann also zusammen vor der Leergut- Kasse. Die beiden Jungs haben zwei Kästen Bier und einige Kästen Wasser und co. Auf einem Wagen. Staunend schaut er auf mein Leergut und mutmaßt, dass das eine wilde Party gewesen sein muss. Hm. Mit Mitbringen!, fügt er hinzu. Ich schaue wie ein Fragezeichen drein und er erklärt: wegen den Tüten. Hm. Was nun. Kann ja schlecht sagen, dass ich das alles selbst getrunken habe. Und schon gar nicht wenn so ein netter junger Mann mich so freundlich anspricht und mir spontan hilft. Also die andere Tüte hätte er auch noch mitnehmen können!, fügt er hinzu. Ach geht schon, ich war auf so viel Freundlichkeit jetzt gar nicht eingestellt, sage ich müde lächelnd und dennoch selbstbewusst, und komme wahrscheinlich extrem unabhängig rüber. Er ist süß. Schätze ihn auf an die dreißig. Den anderen auch. Sie unterhalten sich über irgendeinen Job. Leider habe ich jetzt vergessen was es für einer war, aber es klang interessant. Die beiden schienen gebildet. Später treffe ich sie wieder als ich meine unzähligen leeren Wasserflaschen peu á peu in den Automaten schiebe. Ich lache vor mir hin weil die Begegnung eben so schön war und sehe beide wieder, rufe schnell hinüber, dass ich aber auch Wasser trinke!, und checke im selben Moment, dass ich mich damit verraten habe. Als meine Wasserflaschen alle vom Automaten geschluckt sind, laufe ich schnurstracks hinten in die Ecke, in der meine Lieblingsbiere stehen. Mische mir einen Kasten mit Pils und Leichtbier zurecht und trage diesen ganz obercool zur Kasse. Das Krasse: ich bin tatsächlich zurzeit so fit und stark, dass ich locker eine Kiste Bier eine Runde rumtragen kann ohne dass es anstrengend ist für mich. Wieder sind sie an der Kasse vor mit. Sie kaufen zwei Sorten Wasser (sprudeliges und halbstilles), eine Kiste die flenst und noch irgendwas. Wir schauen uns wieder an. Er sieht mein Bier. Ich überlege für eine halbe Sekunde mich zu rechtfertigen, dass da auch leichtbier bei sei, sage aber nichts. Wir lächeln uns an und er sagt tschüss. Draußen am Auto haben sie fast neben mir geparkt. Ich spiele dooferweise die Coole, die die Kiste auch mit einer Hand locker hält um den Kofferraum aufzuschließen, steige in meinen gr Wagen, hinten hängen Edelklamotten in Folie frisch aus der Reinigung, parke den gr Wagen trotz Enge hervorragend aus als wäre ich beruflich Kraftfahrtzeugführerin, schnalle mich nicht an, drehe P.Fox/Materia voll auf, draußen hört man wahrscheinlich nur dunkle dicke Bässe und fahre los.

Er ist groß, schlank, schlichte Brille, einfacher Haarschnitt und unheimlich nett. Ich bin in einen Fremden verliebt!!!



Für ein paar Tage hatte ich vergessen, dass es sich um einen Saftladen handelt in dem ich arbeite. Aber ich frage mich jetzt auch, ob nicht jedes Unternehmen in der Größe ähnlich spinnt. Es ist immer dasselbe was mich so ankotzt: Entscheidungen werden nicht unternehmerisch sondern politisch getroffen. Ich kann die Stelle wechseln, weg von der nervigen Kollegin, in ein nettes Team. Dort wo der Lieblingskollege (ja, genau der Lieblingskollege) und die andere liebe Kollegin sind. Bedeutet für mich längere Anfahrt. Zu lange für das mickrige Gehalt, finde ich. Andererseits....