Mittwoch, 4. Januar 2012
Die Wahrheit ist: der Nerd von damals geht mir nicht aus dem Kopf.

Das Bier ist aus und das einzige was der Kühlschrank noch hergiebt ist Prosecco und Mythos. Ich mag das Mythos nicht öffnen, so ein Mythos hat man nciht allertage im Kühlschrank, und so ziehe ich den Korken aus dem vom Geb übrig gebliebenen Prosecco. Es macht die Sache nciht leichter.

Ich erinnere mich noch genau an die erste Nacht mit dem Nerd. Wir waren seit Jaaaahren eng befreundet, wir waren verbündet. Wie so oft hingen wir zusammen rum, tranken Bier, redeten über dieses und jenes. Wir landeten an dem Abend in seiner neuen Wohnung. Wir tranken Bier, wir redeten über seine Diss. über meinen Job, über Soziologie und über irgendwelche ökonomischen Theorien. Und dann irgendwann war das Bier aus und wir hatten schon in seiner Küche gekickert und versackten in einer Diskussion, wie ich jetzt noch an Urlaub kommen könnte in dem Saftladen, an Urlaub, an den letzten Urlaub mit meiner Mutter. Wir standen da zwischen Kicker und Kühlschrank in seiner Küche und er redete wie wild auf mein ein, dass ich diesen Urlaub irgendwie durchkriegen müsste, es sei doch der letzte Urlaub mit meiner Mutter. Es gab kein Bier mehr und er schlug vor eine Flasche Sekt zu öffnen die da noch kalt stand. Ich erwiderte kurz, dass ich am folgenden Tag arbeiten müsse, aber er sah darin keine Aussage. Er öffnete grinsend die Flasche. Es regnete. Er hatte Hunger. Wir beschlossen zur Tanke zu laufen. Zigaretten, Bier, Pizza, irgendwas. Auf dem Rückweg liefen wir zu mir. Die Pizza könne er doch auch bei mir in den Backofen schieben.

Wir liegen im Bett, er berührt mich am Bauch, am nächsten Morgen erzähle ich nach dem Duschen was von Gleitzeit und er zieht mich wieder ins Bett.

Ich habe den Nerd einfach geliebt. Mir zuckt es in den Fingern eine sms zu schreiben: ich habe ein Mythos im Kühlschrank, ich finde du solltest das wissen. Ich halte mich zurück. Bis zu dem Augenblick, als ich kein Bier mehr habe und einen Prosecco öffne. Ich treffe ihn in knapp zwei Wochen auf einer kleinen aber feinen Party.

Ich habe heute blau gemacht. Mich einfach krank gemeldet. Und jetzt sitze ich hier mit meinem Prosecco. Und versuche mich zu zügeln keine sms zu schicken.

Mythos ist ein griech. Bier. btw



Montag, 2. Januar 2012
Polnischer Abgang, habe ich gelernt, bedeutet von einer Party abzuhauen, ohne Tschüss zu sagen. Wir tanzen und tanzen und ich erinnere mich nicht wie wir beschließten zu gehen. Ich erinnere mich auch nicht, dass wir beschlossen zu ihm zu gehen. Wir waren uns einfach einig und gingen. Wie frisch verliebt Hand in Hand, laut lachend durch den Nieselregen, irgendwas erzählend, irgendwie zielsicher. Angekommen werden wir von dem Kater begrüßt. Er schmeichelt um meine Beine und lässt sich streicheln und kraulen. Verwunderung, denn sowas ließe er sonst nie zu, sagt der Mann. Ich tanze über den dunklen alten Dielenboden auf Socken in die Küche und nasche von dem Gulasch, von dem Kuchen und esse ein Stück aufgeschnittenes Baguette. Auf der edlen alten Holzkommode finde ich den perfekten Platz für meinen Schmuck und lege ihn ab. Ich finde uns extrem nüchtern. Ich meine eine Nachricht in der Küche hinterlassen zu müssen und finde sofort einen Block und einen Stift: Alles ok, ich bin´s nur! und unterschreibe mit vollem Namen. Wir schleichen in die obere Etage und ich bin erstaunt wie das Zimmer aussieht oder viel mehr wie das Bett steht. Ich kenne dieses Zimmer. Es ist das alte Zimmer der Bierfreundin. Er hat das Bett besser gestellt als sie. Ich erkenne alte Möbel von ihr. Ein Regal, ein Tischchen, das wars, schön leer, schön spartanisch. Ich ziehe mich einfach aus, werfe mich aufs Bett und als ich irgendwie kurz alleine bin, fehlt sie mir so sehr und ich schicke ihr einen lieben Gruß in die Ferne, dass ich in ihrem Zimmer sei.

In meinen Augen ist er ein wunderschöner Mann. Auf irgendeiner Art und Weise liebe ich ihn einfach. Ich liege gern in seinen Armen und ich liebe es ihn zu berühren und zu küssen. [irgendwas Wildes, Schmutziges].

Ein schriller Wecker, ich schrecke auf, bin alleine, versuche den Ton zu verdrängen, halte es für einen Anruf, warte, niemand kommt, das klingeln hört auf, geht aber direkt wieder los, ich liege tatsächlich alleine im Bett, weiß nciht wieviel Uhr es ist, springe auf, suche den Tongeber, finde ein Handy und lese Trainer irgendwas, weiß nicht mit dem Handy umzugehen (ein smartphone, habe sowas ja nicht), weiß nicht ob das ein Weckruf oder Anruf ist, tatsche drauf rum, es hört nicht auf zu klingeln, und ich stehe da nackt im Raum und frage mich ob jetzt irgendwer reinkommt und versuche weiter diesen schrillen Ton auszustellen. Irgendwann finde ich eine Taste und bin erlöst. Ich falle zurück ins Bett mit der kuscheligen Bettwäsche. Atme durch. Greife nochmal zu dem Handy und sehe einen Anruf von einer Maria um fünf uhr nochwas. Tut mir leid, Maria. Ich wollte ihn dir wirklich nicht wegnehmen. Wirklich nicht. Und ich frage mich, ob da einer von uns irgendwelche Herzen junger Frauen heute nacht zerbrochen hat. Ich erinnere mich noch gesagt zu haben, dass er doch vielleicht mit der einen da von vorhin gehen will oder oder oder. Nein nein nein. Ach Maria, ich bin dir keine Konkurrenz, ich bin doch nur die alte Freundin der alten Schwester.
Ich bleibe liegen doch er kommt nicht zurück ins Bett. Irgendjemand hat den Fernseher im Erdgeschoss eingeschaltet und es läuft laut ein Gottesdienst. Ich bleibe liegen und als es zum Schlusslied in der Kirche kommt stehe ich auf, ziehe mich an, gehe ins (neue!) Bad und schaue in den Spiegel. Es ist unglaublich wie gut ich aussehe. Ich finde eine Creme mit der ich ein bißchen schwarze Ränder der smokyeyes enferne, sortiere mit meinen Fingern mein Haar und gehe runter in die Küche. Der Vater begrüßt mich als eine seiner Lieblingsfrauen ohne das laut auszusprechen. ich glaube er mag das wenn ich mit seinem Sohn die Nacht verbringe. Vielleicht eine Mischung aus Neid und Stolz. Neujahrsumarmungen und Kaffee. Wasser? Evian? - ja gerne. Die Mutter kommt hinzu. Ich bin so gerne dort zu Besuch. Wir trinken Kaffee, ich esse Baguette mit Honig, wir perzen, der junge Mann kommt hinzu, erzählt von der Nacht über der Kloschüssel. Und dabei fand ich uns doch zu nüchtern. <3



Ich habe geträumt ich hätte einen neuen Job. Nanny beim Chef. Zwei Kinder. Großes Haus. Er zeigt mir alles, wir lachen, stellt mir die Tochter vor, wir verstehen uns sofort. Und noch ein kleines Baby. Seine Frau ist nett. Ich bin endfroh einen Job zu haben und alles ist gut.



Sonntag, 1. Januar 2012
Wow, war das ein Start ins neue Jahr. Ich bin überwältigt. Dieses "nichts erwarten" und sich dann vom Glück überraschen lassen. Wie schon die ganze letzte Woche. Herrlich! Mir gehts gut mit mir. Es fühlt sich fast seltsam. Vielleicht auch einfach nur ungewohnt. Ein optimistischer Blick nach vorn.