Mein Vater mag das nicht wenn große, breite Männer kleine, zierliche Frauen abgreifen. Er meint, sie nehmen den kleinen Männern diese Frauen weg.
overloaded am 05. Dezember 13
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Ha! Der ältere Kollege war gar nicht beleidigt, vielmehr dachte er, ich sei beleidigt! Eigentlich auch total begründet, denn das war ich ja auch und er hatte angefangen mit doofen Spruch drücken. Aber von vorne:
Ich erzählte kurz dem Bürokollegen (der ihn ja besser kennt), dass ich annehme dass er beleidigt sei. Ach, du machst dir um zu viele Sachen einen Kopf, warum soll der denn beleidigt sein, wegen [unwichtige Situation]? Ich ließ vorsichtig durchblicken, dass ich den älteren Kollegen mag
Natty - Change. now playing
Vielleicht wird doch alles gut. Neuer Zyklus, neues Glück!
Und da sitzt er beim essen, ist schon fertig, ich setze mich genau gegenüber, überlege zu füßeln, er bleibt sitzen, ich esse, wir reden, zwei andere Kollegen sind dabei, das Gespräch ist gut und wir lachen. Nach ersten vorsichtigen Blicken strahlen wir beide uns an wie sonst. Ich liebe es in seine braune Knopfaugen zu schauen. Danach rauchen wir zusammen, er überlegt was er mit mir bereden wollte, ich merke er stellt irgendwas zurück und schiebt ein dienstliches Thema vor. Ihm ist kalt, ich habe meinen warmen Mantel an. Ich überlege ihn in meinen Mantel einzuladen, dieser kleine zierliche Mann passt locker noch in meinen Mantel, nach der Zigarette gehen wir also rein, stehen im langen Flur und reden weiter. Wir haben so viel zu bereden, zu erzählen. Im unendlich langen, leeren Flur stehen wir angelehnt an der Wand und reden. Mein Büro ist nur zwei Türen weit entfernt aber wir kommen nicht auf die Idee dort reinzugehen - dort sitzt der Kollege. Wir beiden kleinen Menschen stehen da auf dem langen Flur. Ein lieber Kollege kommt aus seinem Büro, neben welcher Tür wir stehen. Zwei drei liebe Sätze zu dritt ausgetauscht, dann sind wir wieder alleine. Ich erzähle von meinen Projekten, er von seinen, es geht um die Schnittstellen. Ich genieße. Schließlich schlendern wir Richtung meine Bürotür. Plötzlich kommen wir auf die Situation am Mo zu sprechen, quasi im letzten Moment in dem man noch was zusammen alleine bereden kann. Ich weiß gar nicht mehr wie wir darauf kamen, ich glaube ich habe das Gespräch dahingelenkt (ich kann dort so easy Gespräche lenken, da sind nur Ingenieure und Naturwissenschaftler, die können einfach null Kommunikation). Ich sage aber nicht viel. Ich sage generell nicht mehr viel. Er fängt direkt an sich zu erklären. Er war Dienstag krank (war Mo schon kränkelnd) und hatte Mi volles Programm (wusste ich ja). Ich sage dass er sich nicht vor mir rechtfertigen muss. Und irgendwie rutscht mir raus, dass ich dachte er sei sauer auf mich. Er ist erstaunt. Er hätte es genau umgekehrt gedacht. Ich habe die Türklinke in mein Büro in der Hand, wir schauen uns an, beide überrascht ob dieses Sachverhalts dass jeder dachte der andere wäre beleidigt und er sagt dass wir das noch bereden werden. Völlig neben mir stehend gehe ich in mein Büro, sage dem Kollegen, dass er nicht sauer ist.
Die Lieblingsfreundin sagt später kurz am Telefon: ja, war ja auch so, du warst sauer. Wieso kommst du überhaupt darauf dass er sauer sein könnte? Er war doch der, der zuerst ätzend war.
Was ist das? Ich wache mit dem Wecker auf und ehe ich aufstehen kann, fließen schon die Tränen. Ich reiße mich zusammen: so kann die Woche nicht starten. Im Autoradio dann ein Lieblingslied nach dem anderen, aber spätestens bei der Vollsperrung der Autobahn und der dadurch fast entstandenen Nikotinvergiftung ist die Stimmung wieder dahin. Ich reiße mich dennoch weiter zusammen. Heule nur kurz die liebe neue Kollegin zu und merke schon, dass das grenzwertig ist. Zusammengerissen professionell (und dabei verdammt gut) reiße ich alle Termine ab.
Was ist das? Drei Monate hat die Euphorie über den neuen tollen Job gehalten, jetzt kippt die Stimmung. Weihnachten ist mein Albtraum sage ich der Patentante (kl Schwester meiner Mutter) gestern beim Adventskaffee, lass uns nicht weiter drüber sprechen. Ich schaffe es so gerade dass keine Träne die Augen füllen. Mein Vater verdrehte kurz seine Augen als ich sagte dass sie mich zum Kaffee eingeladen hat. Ich erwidere nur kurz, dass es die Schwester von Mama ist und dass Mama sie sehr geliebt hat. Meine Mutter hat sie einfach geliebt, egal was war. Meine Mutter hat nie aufgerechnet. Niemals. Mit niemanden. Ich glaube ich kenne keinen anderen Menschen der so sehr nie aufgerechnet hat.
Möchte noch schreiben, darüber, wie sehr ich mich über diesen schönen, persönlichen Adventskalender freue, wie sehr er mich durch diese für mich schreckliche Zeit bringt, und darüber, wie schlecht es meiner Mutter geht, dass ihr immer wieder Tränen, einzelne dicke Tränen über die Wangen fließen und sie nichts mehr sagen kann, darüber, wie aggro mein Vater drauf ist (nachdem er ein We mit seiner Freundin verbracht hat?), darüber, dass für mich kaum noch am Weihnachten ein Platz am Tisch im Elternhaus ist weil mein Vater die Familie seiner Freundin groß einläd, darüber, dass es sich so anfühlt als sei eh kein Platz für mich auf dieser Welt..und auch darüber ich Angst habe den neuen tollen Job nicht erfüllen und halten zu können (objektiv betrachtet völlig unbegründet), darüber dass es sich heute anfühlte, als würde mein Vater mich nicht kennen. Und auch über den schweren Unfall heute auf der Strecke, bei dem jemand überfahren wurde. Aber das Bier ist aus, und ich mache kein weiteres mehr auf. Ich gehe ins Bett und beiße die Zähne zusammen. Harte Zeiten kann ich. Habe ich quasi erfunden.
Es fühlt sich gerade an als sei alles gut. Ich lehne mich zurück und genieße dieses Gefühl....Guten Start ins We allerseits.